Theodor Gottlieb von Hippel d.Ä., naher Freund Kants und prominenter Gast in dessen Tafelrunde, ist heute fast vergessen. Dabei war er nicht nur ein glänzender Jurist und fähiger Bürgermeister der wirtschaftlich und kulturell blühenden Stadt Königsberg, sondern auch ein geistreicher und begabter Schriftsteller. Sein humoristischer Roman "Lebensläufe nach aufsteigender Linie" und das launige Traktat "Über die Ehe" waren seinerzeit "Bestseller"; die bahnbrechende Schrift zur Emanzipation der Frau "Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber" wirkt bis heute. Hippel zeigt sich in Urte von Bergs Porträt als eine Persönlichkeit voller Widersprüche. Dem loyalen preußischen Beamten mit dem scharfen Verstand steht der empfindsame Schriftsteller entgegen, der in anonymen Schriften seiner pietistisch geprägten Herzensfrömmigkeit bis hin zur Schwärmerei freien Lauf lässt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2005
Als "Meister des Skurrilen" würdigt Ursula Pia Jauch den einstmaligen Königsberger Polizeidirektor und Gelegenheitsliteraten Theodor Gottlieb von Hippel (1741-1796), einem Freund und Tischgenossen Kants. Sie berichtet, dass Hippel seine Werke - etwa das Lustspiel "Der Mann nach der Uhr", die "Kreuz- und Querzüge des Ritters von A bis Z", die "Lebensläufe in aufsteigender Linie", das Buch "Über die Ehe" - anonym verfasst hat, um sich frei von stilistischer und inhaltlicher Selbstzensur zu bewegen. Sein Humor und spielerischer Subjektivismus haben es der Rezensentin sichtlich angetan. So widerspricht sie auch Urte von Berg, die in ihrer Monographie über Hippel die Meinung äußert, eine Neuauflage von Hippels Werken hätte heute kaum eine Chance. Über Bergs Buch erfährt man von Jauch leider nicht allzu viel. Sie bescheinigt der Autorin immerhin, sich gut in Hippels Leben auszukennen. Doch statt Sekundärliteratur über Hippel möchte die Rezensentin eigentlich lieber das Original lesen: "Als Nächstes wünschen wir uns und ihm endlich die überfällige Neuausgabe."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2004
Theodor Gottlieb von Hippel war Politiker, Jurist, von 1778-1781 Bürgermeister von Königsberg und - in seiner Freizeit - ein "geistreich-vielseitiger" Schriftsteller, der es jedoch vorzog, seine Werke anonym zu veröffentlichen, erzählt uns Rezensent Thomas Meissner. Hippel gehörte zu den "Pionieren fortschrittlich-emanzipatorischer Ideen in Deutschland", hat er aus der Monografie Urte von Bergs erfahren. In seiner Schrift "Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber" von 1792 empfahl Hippel - damals absolut revolutionär - den Frauen die vollen bürgerlichen Rechte zuzuerkennen und sie auch im Staatsdienst zu beschäftigen. Im wirklichen Leben blieb er allerdings ein "eiserner Hagestolz", der sich nie heiraten ließ. Auch wenn Meissner sich manchmal etwas "forcierte Urteile und Wertungen" der Autorin gewünscht hätte, meint er am Ende: "Eine gelungene, zudem schön illustrierte Erinnerung an einen zuwenig bekannten Autor" sei das Buch aber allemal.
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