Wer war der Sturm-und-Drang-Dichter J. M. R. Lenz? Das heutige Bild ist zusammengesetzt aus Goethes spätem, harschen Urteil in 'Dichtung und Wahrheit' und Büchners Erzählung 'Lenz' - da ist der Dichter vom Wahnsinn bedroht und fällt am Ende in dumpfes Dahinleben. Herbert Kraft zeichnet mit Material aus vielen, oft entlegenen Quellen ein differenziertes Bild, schafft Panoramen von den Stationen im Leben und Schreiben des Dichters Lenz. So werden Orte lebendig: das evangelisch-lutherisch geprägte Livland der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit seiner unbeschränkten Leibeigenschaft; das Königsberg Kants, des Lehrers von Lenz; das Straßburg der Kunst und der Kasernen; das Weimar Goethes; die Einsamkeit im prächtigen St. Petersburg; das Moskau seiner elf letzten Jahre, wo er noch manches schrieb, was bisher kaum beachtet wurde. Die Biografie eröffnet viele neue Einsichten in das Leben und Schreiben dieses rätselhaften Dichters. So erklärt Kraft etwa, warum Lenz Weimar verlassen musste und dass es, anders als immer angenommen, nicht Goethe war, der die Ausweisung betrieb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2015
Ratlos legt Thomas Meissner die neue Lenz-Biografie von Herbert Kraft zur Seite. Weder gelingt dem Autor die Engführung von Leben und Werk, meint er, noch sind der materialreichen und akademisch spröde anmutenden Arbeit, die auf neuere Forschungsergebnisse zurückgreift, handfeste Beurteilungen durch den Autor zu entnehmen. Was den Autor eigentlich an Lenz reizt, bleibt für Meissner ebenso im Dunkeln wie dessen Einschätzung von Schlüsselfragen der Lenz-Forschung, etwa zur Vaterfigur. Dass Kraft durchaus quellennah und akribisch gearbeitet hat, anerkennt Meissner trotz allem.
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