Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2003
Georg Kerner, leidenschaftlicher Handlungsreisender in Sachen Revolution, hat fast zwei Jahrhunderte nach seinem Tod den Rezensenten Dirk Sangmeister noch einmal auf eine Hetzjagd durch Europa mitgenommen: Hamburg, Berlin, Rom, und immer wieder Paris, wo der freiheitsfanatische Schwabe überall dort zur Stelle war, wo es galt, "Recht, Gesetz und Menschen" zu schützen, auch gegen revolutionären Pöbel. "Er tut subjektiv immer das Richtige, aber dies meist zum objektiv falschen Zeitpunkt", beobachtet Sangmeister den "ruinösen Eifer" des wenig bekannten Idealisten, der hiermit die verdiente Würdigung erhalte. "Viel Staub", habe Andreas Fritz in den Archiven aufgewirbelt, zernagte Dokumente gelesen und dann eine "gusseiserne Biografie" geschrieben - durchaus "flott", leider ohne Register, dafür aber mit einem entscheidenden Verdienst: Kerner werde nämlich vom Urteil rehabilitiert, ein Jakobiner gewesen zu sein und erstehe als Menschenfreund und Girondist auf.
Andreas Fritz' Biografie des "Fürstenfeindes" Georg Kerner sei "das erste umfassende Werk zu Kerner überhaupt, so Rezensent Benedikt Frenz. Fritz zeige, dass Kerners Leben als schwäbischer Aktivist im Dienste revolutionärer Ideen vornehmlich um zwei Grundmotive kreise - die "Liebe zur Freiheit, zu Frankreich, dem Land der Revolution" einerseits und anderseits "die Enttäuschung und schließlich die Verbitterung über Napoleons Verrat an den Idealen von '89". Wer diese "tiefenscharfe, von vielen leuchtenden Details illuminierte Lebenschronik" lese, lobt der Rezensent, der erfahre viel über "eine Ära, die zu einer Schlüsselepoche der deutschen Geschichte wurde".
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