Während die Grenzen einzelner Wissenschaften immer undeutlicher werden, gewinnt eine noch junge "Disziplin" gerade dadurch zunehmend an Kontur: die von den anglo-amerikanischen cultural studies beeinflußte Kulturwissenschaft, die sich nun auch mehr und mehr an deutschen Universitäten etabliert. Das Kompendium Kulturgeschichte trägt dieser Entwicklung Rechnung, indem es das die aktuellen Debatten der Geschichtswissenschaft prägende Themenfeld der Kulturgeschichte im interdisziplinären Kontext von Literaturwissenschaft, Ethnologie, Soziologie und Philosophie einführend darstellt. Das Buch gibt einen Überblick über die maßgeblichen Theorien, illustriert diese mit Fallbeispielen und erläutert die wesentlichen Schlüsselworte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2002
Der mit "uha" zeichnende Rezensent steht diesem Kompendium von Ute Daniel ein wenig gespalten gegenüber. Wohlwollend zeichnet er die positiven Aspekte des Buches nach: Es sei informativ, behandele weit gefächerte Bereiche aus Vergangenheit und Gegenwart, sei "wohlformuliert", "kurzweilig, amüsant" und zuweilen auch provokativ in seinen Formulierungen. Dennoch hat er auch einiges zu bemängeln, wobei sich seine Kritik im wesentlichen auf die mangelnde Distanz der Autorin beschränkt, wenn sie äußerst vehement und wiederholt zwischen (positiv überhöhter) Kulturwissenschaft und (halbwegs verunglimpfter) traditioneller Wissenschaft unterscheide.
Ein "handliches" Kompendium zur Kulturgeschichte bietet jetzt demjenigen, der sich für eine Einführung in die gegenwärtige Diskussion um die Kulturgeschichte aus deutscher Perspektive interessiere, einen "Treppenaufgang" an. Ein "weitgespanntes und fraglos ambitöses Unternehmen" findet Hans-Ulrich Wehler hier, das Sachkunde, Engagement und Überzeugungsstärke demonstriere und dazu "nicht nur informativ, sondern auch in einem locker-zügigen Stil" geschrieben sei. Doch das Kompendium besitzt nach Ansicht des Rezensenten sowohl inhaltlich als auch methodisch große Schwächen. Zunächst kritisiert Wehler in seiner detaillierten Rezension das "offenherzige Plädoyer für die postmoderne Beliebigkeit", die dazu führe, dass alle Probleme "in der Nacht der Beliebigkeit gleich grau" würden. Ebenso stoße der "Duktus penetranten Wohlwollens" gegenüber den "Heroen der Kulturgeschichte" auf, in deren Reihe nach Wehler dazu auch noch wichtige Persönlichkeiten fehlen. Gänzlich unzutreffend findet Wehler den Signalbegriff "Praxis" im Untertitel, gehe es im Text doch "nie um überzeugend abgewogene Beispiele" für den Gewinn aus der Anwendung theoretischer und methodischer Vorstellungen. Ganz und gar nicht kann der Rezensent der Autorin aber ihr mangelndes Verantwortungsbewusstsein verzeihen. Als Geschichtswissenschaftlerin werde sie weder ihrer ersten Aufgabe Aufklärung noch der zweiten, nicht weniger wichtigen gerecht, nämlich als "Hüterin kulturellen Erbes, als Memoria zu fungieren".
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