Klappentext

Aus dem Englischen von F. Lachmann. Flaschenpost an die Zukunft! In diesem postum veröffentlichten Buch über das verhängnisvolle Dreieck von Rasse, Ethnie und Nation zeichnet der große Soziologe und Begründer der Cultural Studies, Stuart Hall, nach, wie alte Hierarchien in unseren Gesellschaften aufgebrochen wurden und unterdrückte Minderheiten neue Repräsentationsformen von kultureller Identität durchzusetzen begannen - und wie sich dagegen immer wieder Widerstand formierte.
Von der Renaissance bis zur Aufklärung und darüber hinaus diente der Begriff "Rasse" dazu, soziale Unterschiede aufgrund von Hautfarbe als natürlich und unwandelbar darzustellen. Auch heute findet die rassistische Fundierung von ethnischer und politischer Zugehörigkeit im Zeichen der Identitätspolitik wieder verstärkt Zuspruch. Die Neudefinitionen, die im 20. Jahrhundert von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und von Migrantinnen und Migranten in westlichen Gesellschaften durchgesetzt wurden, zeigen für Hall jedoch, wie Identitäten und Vorurteile im Medium der Sprache transformiert werden können. Sie geben Grund zur Hoffnung, dass in der migrantischen Diaspora immer wieder neue Anstöße entstehen, um den Bedrohungen des Fundamentalismus und des Nationalismus zu begegnen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.11.2018

Christian Werthschulte beginnt seine Rezension mit einem Verweis auf Thilo Sarrazins aktuellen Bestseller "Feindliche Übernahme", den er als jüngsten Beleg für grassierenden Rassismus auffasst, obwohl sich Sarrazin hier ja mit Religion auseinandersetzt. Stuart Halls bisher nur verstreut vorliegende Schriften zu "Rasse, Ethnie, Nation" (der Begriff der Religion kommt hier ja eigentlich nicht vor) empfiehlt er als Gegengift zu solchen Diskursen. Hall habe als einer der Begründer dessen, was man heute Cultural Studies nennt, für die kulturelle Differenz plädiert und beziehe sich dabei seinerseits auf den französischen Poststrukturalismus, erläutert der Rezensent, der auch einen Ausweg aus den Dilemmata und Verkrampfungen der heutigen Debatten andeutet: Im Begriff der Hybridität finde Hall eine Antwort, in der der Rückbezug auf eine Ursprungskultur und die Teilhabe an der globalisierten Moderne verschmelzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2018

Der hier rezensierende Soziologe Valentin Feneberg kann nur staunen über die Aktualität und die Gültigkeit der 1994er Harvard-Vorlesungen des Mitbegründers der "Cultural Studies", Stuart Hall. Hall erklärt dem Rezensenten nicht nur, warum Zuschreibungen nach Rasse und Nation so unerschütterlich sind, sondern auch, warum sich der Begriff der "Ethnizität", und zwar einer offenen, diskursiven Form davon, besser dazu eignet, kulturelle Unterschiede zu erfassen. Am besten nachvollziehbar ist der Autor für Feneberg, wenn er den Poststrukturalismus hinter sich lässt und historisch, politisch beobachtet und argumentiert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2018

Rezensent Andreas Eckert hält die Gedanken des aus Jamaika stammenden britischen Sozial- und Kulturwissenschaftlers Stuart Hall für aktueller denn je. Halls Nachdenken über Rasse, Ethnizität und Nation in den drei Harvard-Vorträgen von 1994 konfrontiert Eckert mit der Ausdauer des Rassebegriffs, ihren Ursachen und Folgen, dem Willen zur binären Ordnung sozialer Verhältnisse beziehungsweise der Bekräftigung hierarchischer Vorstellungen von kultureller Differenz. Halls Vorschlag, Identitätspolitik durch die Frage, zu wem wir werden können, zu ersetzen, findet der Rezensent höchst bedenkenswert.