Fünf Menschen, fünf dramatische Schicksale -- Walter Benjamin, der Philosoph und Autor. Hilde Benjamin, als rote Guillotine verschrien, aber auch deren Mann Georg Benjamin, Kommunist und Arzt, ermordet im KZ Mauthausen. Schwester Dora, Sozialwissenschaftlerin, die als Jüdin ebenfalls ins Exil getrieben wurde. Und schließlich Hildes Sohn Michael, Rechtsprofessor in Moskau und Ost-Berlin, der zeit seines Lebens mit der Familiengeschichte rang. Auf der Grundlage von bislang unbekanntem Archivmaterial sowie Gesprächen mit Zeitzeugen entwickelt Heye das spannende Psychogramm einer deutschen Familie und rückt ganz nebenbei so manches Zerrbild aus den Zeiten des Kalten Krieges zurecht.
Sehr viel ist es nicht, was Christian Jakob uns über Uwe-Karsten Heyes Buch über die Angehörigen Walter Benjamins berichtet. Bedeutend für die Benjamin-Forschung erscheint Jakob die Auswertung von Briefen aus dem Nachlass von Hilde Benjamin, der Frau von Benjamins Bruder Georg. Hier scheint dem Rezensenten eine Revision des Bildes von der kommunistischen Überzeugungstäterin möglich, da der Autor das Leid der durch die Nazis verfolgten Familie in bisher unveröffentlichten Briefen nachzeichnet, auch wenn der Autor in diesem Fall nicht immer die nötige Distanz wahrt, wie Jakob kritisiert. Kritisch sieht der Rezensent auch die mangelhafte Quellenkennzeichnung im Buch. Wörtliche Übernahmen ganzer Absätze seien nicht als Zitat gekennzeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014
Beschränkte intellektuelle Mittel unterstellt Rezensent Lorenz Jäger dem Autor dieser Familienbiografie. Das ist starker Tobak, vor allem, weil Jäger sich ganz am Ende seiner Besprechung doch noch ein Lob abringt. Die Frage, wie viel Walter Benjamin in Hilde, seiner Schwägerin steckte, die als "Rote Hilde" bekannt wurde, meint der Rezensent, habe die Benjamin-Forschung bislang nicht gestellt. Eine zumindest direkte Antwort findet Jäger im Buch freilich nicht, es sei eben recht unbeholfen, philosophisch, methodisch, auf empathischer Ebene auch. Dass der Autor sich das Vertrauen einiger Nachkommen der Benjamins und damit "wertvolle" Dokumente sichern konnte, scheint Jäger immerhin bemerkenswert.
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