Die Idee der "Kultur" steht im Zentrum des deutsch-jüdischen Diskurses. Ihre Begründung und Entfaltung hat diesen immer neu befruchtet. Geschuldet ist dies einer fundamentalen Widersprüchlichkeit in der Kulturidee selbst. Auf der einen Seite ist in ihr ein universaler emanzipatorischer Anspruch gesetzt - Kulturisierung als Hinarbeiten auf die Idealkultur einer auf Freiheit gegründeten Gemeinschaft -, auf der anderen Seite ist in der Idee der "Kultur" das Besondere als Besonderes anerkannt, das nicht zum Fall einer Regel gemacht werden kann oder darf. In eben dieser Widersprüchlichkeit konnte die Idee der ?Kultur? ihre hohe Attraktivität für das Judentum gewinnen, als Berufungsinstanz und Verwirklichungsfeld im Streben nach Gleichstellung, die nicht die Selbstaufgabe der jüdischen Identität einschließt. Mit den Beiträgen des vorliegenden Bandes wird an repräsentativen Vertretern - von Mendelssohn über Husserl, Cohen, Benjamin, Scholem, Kafka, Canetti u.a. - der jüdische Beitrag zur Ausarbeitung der Kulturidee rekonstruiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2003
Ziemlich spannend findet der Rezensent mit dem Kürzel "sab" diese Arbeit über den Kulturbegriff in der deutsch-jüdischen Philosophiegeschichte, die nach Meinung des Rezensenten bestätigt, dass es tatsächlich einen eigenen "deutsch-jüdischen Diskurs" gab. Dieser Diskurs wird in vielseitigen, "stilistisch und argumentativ unterschiedlichen Aufsätzen" von unterschiedlichen Blickwinkeln aus beleuchtet und am Beispiel von großen deutsch-jüdischen Denkern wie Lessing, Bloch, Benjamin und Marx aufgearbeitet. Dabei kristallisiert sich nach Meinung des Rezensenten heraus, dass die moderne jüdische Identität eng mit dem Begriff von Kultur verknüpft ist.
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