Victor Jaeschke

Eine "immer engere Union"

Konkurrierende Europakonzepte und der Vertrag von Maastricht, 1987-1992
Cover: Eine "immer engere Union"
De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783111618340
Gebunden, 365 Seiten, 79,95 EUR

Klappentext

Was verstanden die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands sowie die Europäische Kommission unter dem Begriff "Europäische Union" als sie Anfang der 1990er Jahre zur Gründung eben jener Union schritten? Ausgehend von dieser Leitfrage untersucht die Studie konkurrierende Unionskonzepte am Vorabend des Vertrags von Maastricht. Sie führt dabei das Konzept der "Imaginäre" in die europäische Integrationsgeschichte ein und argumentiert, dass sich die Unionskonzepte zwar an den gleichen Vorstellungsräumen ausrichteten, etwa dem "demokratischen Europa", dem "Europa des Marktes" oder dem "Europa der einen Stimme". Jedoch projizierten die hier untersuchten Akteure auf diese Imaginäre ganz unterschiedliche Vorstellungen, die häufig von den jeweiligen politischen Systemen der untersuchten Länder, aber auch von politischen Ideologien geprägt waren. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2025

Einen guten Überblick über die Debatten und Ängste in Bezug auf den europäischen Einigungsprozess im Zuge des Vertrags von Maastricht zwischen 1987 und 1992 liefert Viktor Jaeschke hier laut Rezensent Wilfried Loth ab. Jaeschke konzentriert sich Loth zufolge aus vier zentralen Perspektiven auf den Prozess und zeigt auf, wie Frankreich vor allem auf eine Stärkung der weltpolitischen Souveränität Europas und eine starke europäische Exekutive setzte; wie Deutschland vor allem das europäische Parlament stärken wollte und Großbritannien lediglich am europäischen Binnenmarkt interessiert war und ansonsten auf nationale Souveränität pochte. Außerdem geht es darum, wie die Europäische Kommission sich selbst als zukünftige Regierung Europas im starken Sinne ins Spiel brachte. So weit, so bekannt, gibt Loth zu, aber Jaeschke schreibt eben auch über die Befürchtungen und Schreckensszenarien, die in den einzelnen Ländern kursierten. Nur die Frage der Währungsunion kommt ein bisschen zu kurz, moniert der Rezensent, ansonsten ist das eine starke, umfassende historische Aufarbeitung.

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