Vincent Descombes

Die Rätsel der Identität

Cover: Die Rätsel der Identität
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518586037
Taschenbuch, 249 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jürgen Schröder. Wer bin ich? Wer sind wir? Heute stellen wir uns solche Identitätsfragen in zunehmendem Maße im Bezug auf die eigene Identität. Es geht uns nicht mehr um die ontologische Tatsache, dass wir als Personen mit uns selbst identisch sind, sondern um unsere "Fähigkeit", wir selbst zu sein, eine Fähigkeit, die wir auch verlieren können. Dieser neuen, "moralischen" Identitätsfrage, ihrer Entstehungs- und Ausbreitungsgeschichte sowie ihren Fallstricken widmet der französische Philosoph Vincent Descombes seinen Essay. Wie er zeigt, hat sich der moralische beziehungsweise psychosoziale Gebrauch des Identitätsbegriffs seit der Mitte des 20. Jahrhunderts rasant verbreitet. Politische Aktivisten fordern allerorten die Anerkennung benachteiligter oder unterdrückter Identitäten und Sozialwissenschaftler entdecken überall "konstruierte" Identitäten. Identitätspolitik ist zu einem zentralen Thema unserer pluralistischen Gesellschaften geworden. Diesen Rätseln der "identity politics" und des "identity talk" geht Descombes mit analytischer Schärfe auf den Grund. Seine Forderung: Wir müssen die Sprache der Identität neu erlernen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013

Als analytischer Philosoph ist Vincent Descombes genau der richtige, um dem Gerede von der Identität einmal auf den Zahn zu fühlen, findet Ralf Konersmann. Der Begriff ist noch nicht alt, er betrat erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts mit Beihilfe des Psychoanalytikers und Kulturanthropologen Erik H. Erikson die akademische Bühne, erfährt der Rezensent von Descombes, noch dazu verwenden wir ihn auf unterschiedlichste Art und Weise. Descombes unterscheidet zwischen der Anwendung auf Individuen und der auf Kollektive, sowie jeweils zwischen "nominaler und realer, buchstäblicher und wahrer, faktischer und normativer" Identität, fasst Konersmann zusammen. Begriffliche Kohärenz sieht anders aus, weiß der Rezensent. Besonders problematisch sehe Descombes allerdings die Forderung nach einer pluralen Identität, die nicht nur in sich widersprüchlich sei, sondern auch naiv die historischen Kategorien unserer Selbstdefinitionen überspringe.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Florian Illies. Träume aus Feuer - Der Alchemist von der Pfaueninsel. Bastei Lübbe Verlag, 2026.Florian Illies: Träume aus Feuer
Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…