Der Iran ist gegenwärtig eine "Republik" ohne einen republikanischen Geist. Die moderne Herrschaft des politischen Islam ist nicht vom Himmel gefallen. Diese hat eine irdische Geschichte der politischen Philosophie der Herrschaft. Die Revolution von 1979 entpuppte sich als eine katastrophale Wende in eine neue Form der Diktatur, die anachronistische Gesetze verewigen will. Mit einer rückwärtsorientierten religiösen Ideologie und kraft moderner Technik wird ein Gewaltsystem aufrechterhalten, das im Namen der Reformen und der "religiösen Demokratie" eine neue Form der totalitären Diktatur stabilisiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2003
Der Spielraum für Reformen im Iran ist äußerst eng. So fasst Rezensent Martin Forberg ein Ergebnis von Wahied Wahdat-Haghs Dissertation über das Herrschaftssystem der "Islamischen Republik Iran" zusammen. Wie Forberg darlegt, stellt der Politikwissenschaftler darin eine Grundannahme der bundesdeutschen Iran-Diskussion in Frage, die Vorstellung nämlich, die iranische Innenpolitik drehe sich um die Achse des Konfliktes zwischen Reformern und Hardlinern. Der Autor zeige in einem historischen Abriss, wie die radikale Variante des schiitischen Islam heraus gebildet hat, mit Khomeini als Kopf und der "Vorstellung von einer politischen Herrschaft der Geistlichkeit sowie einem Gottesstaat als zentralem Ziel." Wahdat-Hagh halte den Iran nicht nur für einen autoritären, sondern für einen totalitären Staat, der die Freiheit selbst abschaffen wolle. Letztlich seien nur solche Reformen möglich, die das System stabilisierten.
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