6 CDs, 476 Minuten Laufzeit. Gelesen von Jörg Gudzuhn. Schlimmer als die Ruinen sind kurz nach Kriegsende die Entwurzelung und der desolate Zustand der Menschen. In der "Wismut", dem riesigen Abbaubetrieb für Uranerz, treffen sie aufeinander, die Heimkehrer und Glücksritter, deutsche Bergleute und sowjetische Schachtleitung. Dieser Staat im Staate spiegelt die Situation in der einen deutschen Republik, den verbissenen Aufbauwillen ebenso wie sich abzeichnende Fehlentwicklungen, die im 17. Juni 1953 kulminieren. Werner Bräunig schlägt in seinem Roman den Bogen vom Erzgebirge bis zum Rhein. Dieses großartige Panorama des Nachkriegsdeutschlands vermittelt ein so ungeschminktes Bild der frühen Jahre, daß der Roman in die Kritik von Ulbricht und Honecker geriet und nicht veröffentlicht werden konnte. Was der verbotene DEFA-Streifen "Spur der Steine" für den Film darstellte, ist "Rummelplatz" für die Literatur. In keinem anderen Roman sind die Gründerjahre in Ost und West so ungeschönt und dabei literarisch gelungen dargestellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007
"Keinen besseren", so Rezensent Peter Lückemeier, habe der Verlag finden können für die Lesung dieses Buches. Jörg Gudzuhn mache es zu einem "auch akustischen Ereignis". Aber so "grandios" die Lesung sei, so sei doch das Beste immer wieder die Sprache von Werner Bräunig selbst. Der Roman "Rummelplatz", von dessen Verbot in der DDR Lückemeyer in dieser Besprechung noch einmal ausführlich erzählt, sei einfach zu nahe an den "Schwächen des Sozialismus" gewesen, als dass die Zensur ihn hätte passieren lassen können. Der Rezensent bedauert außerordentlich das Verstummen des von ihm als ungemein talentiert eingeschätzten Schriftstellers, der 1976 starb, dessen lange verschollenes Manuskript jedoch erst 1991 wieder auftauchte.
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