Sie war Sängerin der legendären Musikgruppe Velvet Underground, modelte bei Coco Chanel, spielte in Fellinis La dolce vita und Filmen von Andy Warhol oder stand mit dem Saxophonisten von Sun Ra, mit Tangerine Dream, Kevin Ayers und Brian Eno auf der Bühne. Sie suchte die Nähe schöpferischer Rockmusiker, die auch große Lyriker waren: Bob Dylan, Lou Reed, Leonard Cohen, Jimi Hendrix und vor allem Jim Morrison, der sie ermutigte, selber Lieder zu komponieren. Als Christa Päffgen im Nazi- und Nachkriegsdeutschland aufgewachsen, begann sie ein neues, kreativ-selbstzerstörerisches Leben in Paris, New York und Ibiza. Sie war Muse und Göttin, mütterlich warm und teutonisch kühl, produktiv und todesnah - eine große Projektionsfläche, eine Sphinx aus Eis. Gegen Ende ihres Lebens hatte sie vor, mehr zu schreiben: Gedichte und ihre Autobiographie. Nun setzt der Dramatiker Werner Fritsch der unergründlichen Popikone Nico in seinem Monolog ein Denkmal, legt ihre Wurzeln und Abgründe offen und verleiht ihr eine neue, seine Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2005
Lieber Leser, bitte bilden Sie sich selbst eine Meinung, befindet Wolfgang Lange und wirft ihm folgendes Zitat aus Werner Fritschs Monolog über die Pop-Ikone Nico zum Fraß hin: "Schwarze Milch meine Muttersprache/ in der Mundhöhle Rauchpilze/ aus Ruinen Apfelschimmel aus Rauhreif/ Meine Haut riecht wahnsinnig nach Weihrauch." Sehr deutsch findet Wolfgang Lange diesen lyrischen Prosamonolog in drei Akten, also "hochexpressiv" und "steil im Ton". Paul Celan klingt an in Fritschs Text, und wie schon eben gehört, eine ganze Reihe von Popgöttern, die Songs für Nico geschrieben haben - darunter Dylan, Cohen, Faithfull, Iggy Pop. Literarisch sei das Ganze ein "heikles Unterfangen", meint Lange, das der Dichter, abgesehen von einigen "Ausrutschern ins Flache", mit "Bravour" hingekriegt habe. Dem Rezensenten scheint der Redefluss zu gefallen. Er ist sich bloß nicht so sicher, ob die Leser der NZZ das genauso sehen.
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