Das Phantastische ist der Gegenentwurf zur Norm, zum Gekannten und Bewussten. Aber all das, wozu es Antipode sein will, gehört notwendig zu seinem Wesen, denn das Fantastische lebt von der Abweichung, vom Tabubruch, von der Ausschweifung und dem Regelverstoß. In dieser Widersprüchlichkeit ist das Unvereinbare miteinander verschmolzen, aber es braucht die Wirklichkeit, um verstanden zu werden. Werner Hofmanns Untersuchung ist die Grundlegung zu einer Phänomenologie des Fantastischen in den Künsten. Nicht als Bestätigung einer vorgefertigten Definition begreift der Autor die von ihm angeführten Werke, sondern durch ihre Analyse erst erschließt er dem Leser die Erscheinungsweisen der Fantastik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2011
Für so ein Buch bringt der Autor alles Nötige mit, findet Rezensent Hans Jakob Meier: Klassische Museumsbildung und eine Ader für das Abgründige. Derart gut ausgestattet gelingt es Werner Hofmann laut Meier, dem Leser die abendländische Bildwelt des Phantastischen vom Mittelalter bis zum Surrealismus zu eröffnen. Nach Rubens und Raffael braucht der Rezensent gar nicht zu suchen, dafür begegnet er Brueghel, Blake, Ensor, Max Ernst und vielen anderen in Hofmanns schwelgerischen, mit der Schwierigkeit der intellektuellen Verortung kämpfenden Bildanalysen. Außerdem weiß der Autor ihm die Mittel und Wege des Phantastischen aufzuzeigen, sich immer wieder gegen die Wirklichkeit oder das klassizistisch Akademische zu behaupten. Der Autor zeigt sich ihm dabei bemüht, seinen Genuss mit dem Leser zu teilen, indem er zu Entdeckungen einlädt und die enge Beziehung von Phantastik und Illusionismus beschreibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2010
Auch wenn Thomas Steinfeld Werner Hofmanns zentrale Kategorie der "Abweichung" vom Normalen und Alltäglichen für das Fantastische in der Kunst nicht unproblematisch findet, weil sie ein sehr weites Feld eröffnet - die überbordende Üppigkeit der Bilder und die scharfsinnigen Analysen dieses Bandes überzeugen und begeistern ihn dann doch. Der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle lässt seine Darstellung im Mittelalter beginnen und geht dem Fantastischen bis zu Odilion Redons Gemälden nach, wobei er auch dem Surrealismus, der streng genommen nicht mehr dazu gezählt werden kann, noch 100 Seiten zugesteht, erklärt der Rezensent. Und er ist bereit, sich auf Hofmanns - in Steinfelds Augen zweifelhaft weit gefassten - Fantastik-Begriff einzulassen, weil sich der Autor den feinen Unterschieden und Differenzen gewissenhaft widmet, wie Steinfeld feststellt. Die Einzelanalysen der Kunstwerke begeistern den Rezensenten durch ihre Präzision und Energie und er hat vor allem an den vielen Abbildungen der fantastischen Kunst seine Freude gehabt.
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