Paul Nizon

Sehblitz

Almanach der modernen Kunst
Cover: Sehblitz
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518468333
Taschenbuch, 302 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Pino Dietiker und Konrad Tobler. Paul Nizon hat neben seinen literarischen Werken über Jahrzehnte Kunstkritiken geschrieben. Sie zeigen den promovierten Kunsthistoriker als einen genauen Beobachter und scharfen Analytiker, der bei Malern und Bildhauern Verwandtschaften findet. Das "Lebendigwerden" der Landschaften van Goghs, die "Selbstwerdung" auf den Leinwänden Jackson Pollocks - sie befeuern jene radikale Selbst- und Lebenssuche, die Nizon in seinen Romanen und Journalen bis heute betreibt. Zum ersten Mal in einem Auswahlband versammelt, fügen sich Paul Nizons Essays und Porträts aus sechzig Jahren zu einem persönlichen Museum der modernen Kunst: von Goya über Turner bis zu Hodler, Klimt und Munch, von Picasso und Malewitsch über Soutine und Miró bis zu Morandi, Rothko und Giacometti. Und ganz en passant zeichnet er dabei sein eigenes Leben mit und in der Kunst nach.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2018

Rezensent Peter Geimer erkennt in Paul Nizons Texten zur Kunst die Schwelle, von der aus der Autor den Weg in die Dichtung nahm. Was Nizon vor seiner Karriere als Schriftsteller für die NZZ schrieb, überzeugt Geimer zwar nicht durchweg, mitunter scheinen ihm die Texte klischeehaft und sprachlich flach, doch findet Nizon erst zu einer eigenen Diktion, wie in den Arbeiten zu Rousseau oder Hodler, liest der Rezensent die Texte mit Gewinn, selbst wenn der Autor mit den neueren Entwicklungen seiner Zeit wie Pop-Art und Happening nicht viel anfangen konnte. Dass der Band keine Abbildungen enthält, stört Geimer vor allem bei den Texten über weniger bekannte Schweizer Künstler.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.03.2018

Die Publikation der frühen Kunstkritiken Paul Nizons hat Rezensent Peter Henning zum Anlass genommen, dem Schweizer Schriftsteller einen Besuch in seiner Wahlheimat Paris abzustatten. Sowohl im Gespräch mit Nizon als auch im Stil seiner Kunstbetrachtungen findet Henning, was er von dem mittlerweile 88-jährigen Autor erwartet hat: Nizon habe sich auf die Position des unverstandenen Elitären eingeschworen, der bedauerlicherweise nur einem kleinen Kreis Eingeweihter zugänglich sei. Diese Pose passt in Hennings Augen ideal zu Nizons "wunderbar rhapsodischen Sprachkunstwerken", die Handlung verweigerten und damit nicht den Mainstream bedienen könnten. Das verkannte Genie Nizons zeigt sich für Henning auch in seinen Reflexionen zu beispielsweise Rothko. Wie seine Romane kreisen die Kunstkritiken laut Rezensent um die Weigerung zu glauben, dass es eine objektiv darstellbare Wahrheit gäbe. Nizons Almanach liest Henning denn auch begeistert als Meditation über das "Lebendig-Werden und die Selbsterweckung als schöpferischen Akt".

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