1966 entdeckt der junge Fotograf Hubertus Hierl den über achtzigjährigen Picasso zufällig in der Zuschauermenge der Stierkampfarena von Frejus in Südfrankreich. Gutgelaunt erlaubt Picasso, Aufnahmen zu machen, und vergisst dann den Fotografen. Er posiert nicht, sondern verfolgt mit wachem, angespanntem Blick und weit aufgerissenen Augen das Geschehen. Der Fotograf hält seine Kamera abwechselnd auf das Geschehen in der Arena und auf den großen alten Mann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.10.2002
Es handelt sich um Fotos aus den sechziger Jahren, die Hubertus Hierl machte, als er Picasso zufällig beim Stierkampf in Frankreich sah, und die nun zum ersten Mal vollständig veröffentlicht werden, erläutert der Rezensent Daniel Kothenschulte. Typisch für die Gegenwart sei dabei, dass die Bilder als Fotoband über den "professionellen Künstlerdarsteller Picasso" herausgebracht würden statt als Fotoreportage in einer Illustrierten. Die Bilder seien wie in einer filmischen Montage von Schuss und Gegenschuss angeordnet: einerseits das Geschehen in der Arena andererseits Picassos Reaktion. Darin sieht Kothenschulte zwei Probleme. Das erste (wenn auch eventuell vernachlässigenswerte) sei, dass es immer Zweifel geben könne, ob die Reaktionen sich wirklich immer auf ein bestimmtes Geschehen beziehen. Das zweite und schwerwiegendere ist, dass man diese interessante Fotoserie aufgrund der "seriellen Reihung" mit "einfacher Dramaturgie" einfach von vorne bis hinten durchblättere und damit dann auch schnell durch sei. Hier fehlt Kothenschulte die Dramaturgie.
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