Aus dem Englischen von Axel Monte. Moses Fagin, der "Jude" aus Oliver Twist, sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Empört darüber, wie Charles Dickens ihn in seinem Buch dargestellt hat, erzählt er ihm seine Lebensgeschichte. Als Sohn böhmischer Immigranten wuchs er in den Slums von London auf. Sein Vater brachte ihm bei, wie man sich mit krummen Geschäften und Betrügereien durchschlägt. Als Fagins Eltern starben, nahm ihn der wohlhabende Geschäftsmann Eleazer Salomon als Diener auf. Bei ihm lernte Moses eine andere Seite jüdischen Lebens kennen. Doch auch in der Oberschicht musste er gegen Vorbehalte und Diskriminierung ankämpfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.11.2015
Für Christian Schlüter ist Will Eisners nun auf Deutsch erscheinende Graphic Novel "Ich bin Fagin" in einer Hinsicht deutlich intelligenter als Charles Dickens' Romanvorlage "Oliver Twist": Sie zeige die Figur des jüdischen Hehlers vielschichtiger, als es das Original tue, und breche so dessen antisemitische Stereotype auf. Indem der Außenseiter Fagin bei Eisner ein Opfer von Ressentiments werde, gehe der 2005 verstorbene Comic-Künstler - seinerseits Jude - "einen entscheidenden Schritt weiter" und unterziehe den Literaturklassiker einer Revision. Eisners Bildsprache passt nach Ansicht Schlüters sehr gut dazu. Der Verzicht auf scharfe Kontraste und klare Panelgrenzen, stattdessen Schattierungen und ineinander übergehende Bilder: All das erschafft für den Kritiker "ein hochdynamisches Seitentableau, auf dem fixe Bedeutungen gar nicht mehr möglich sind".
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