Ein unstillbarer Drang zieht die Deutschen seit je nach Süden, dorthin, wo angeblich die Zitronen blühen und die Pizza herkommt. Pilger, Landsknechte und Provinzfürsten, die unbedingt Kaiser werden wollten, sind über die Jahrhunderte nach Italien gereist; Goethe natürlich auch, aber der wollte bloß malen.Willi Winkler hat sich auf eine Wanderung durch einen einzigartigen Kulturraum begeben - mehr als tausend Kilometer zu Fuß. Er ist alten und neuen Pilgerpfaden gefolgt und hat zwischen Autobahnen und Weinbergen eine unbekannte Welt erlebt. Wie Martin Luther bricht er in Wittenberg auf, Rom im Sinn und nicht ohne Angst vor den Alpen, die sich ihm in den Weg stellen werden. Unterwegs begegnet er thüringischen AfD-Sympathisanten, fränkischen Brauereibesitzerinnen, schwäbischen Corona-Leugnern, württembergischen Hochzeitern, Vorarlberger Bäckern und Schweizer Rheintöchtern. Er entdeckt verlassene Barockkirchen und die Poesie von Industrieruinen und wundert sich, wie geduldig ihn seine Füße tragen. Italien begrüßt ihn mit einem Eissturm und weitet sich dann zum traumschönen Comer See. Im Rücken die schneebedeckten Gipfel, geht es, wie es Eichendorff einst fasste, hinunter ins blühende Mailand.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.12.2022
Rezensentin Maike Albath hat sich schon schlechter unterhalten als mit diesem Reisebericht des SZ-Journalisten Willi Winkler. Ganz wie Goethe und Seume macht er sich nach Italien auf, zu Fuß und mit einem immensen Fundus an Zitaten im Gepäck durchquert er den Süden Deutschlands, die Alpen und schließlich den Norden Italiens. Winkler ruft Luther, Bach und Lord Hamilton auf, umrundet etliche Shoppingcenter und Müllhalden und durchsteht tapfer die Blasen an den Füßen. Nicht groß Neues, befindet die Rezensentin, aber lebendig und mit Witz geschrieben. Albath liest es gern.
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