Willibald Sauerländer

Der katholische Rubens

Von den Heiligen und Märtyrern
Cover: Der katholische Rubens
C.H. Beck Verlag, München 2011
ISBN 9783406623622
Gebunden, 304 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Rubens wird bis heute gerühmt für seine Schilderung der menschlichen Leidenschaften, von der Grausamkeit bis zur erotischen Hingabe. Doch so diesseitig, wie wir meinen, war seine Kunst keineswegs. Sie schuf eine neue, lebendige Sprache für eine wieder erblühende Kirche, die sich soeben von den Konfessionskriegen des 16. Jahrhunderts erholte. Nach den blutigen Kämpfen und den Bilderstürmen sollte der katholische Glaube nicht länger mit Gewalt erzwungen werden. Wie Bernini, so wollte auch Rubens durch eine sinnliche Kunst den Betrachter zum rechten Glauben überreden. Der farbige Glanz seiner Malerei, ihre Wärme und Festlichkeit, aber auch ihr Furor und ihre Klage waren dazu angetan, die Menschen religiös und ethisch zu bewegen. Willibald Sauerländer macht dies anhand von Rubens Altargemälden deutlich, deren ursprüngliche Bestimmung und Wirkung er eindrucksvoll vor Augen führt. Damit deckt er die eigentliche Botschaft dieser Bilder wieder auf und befreit sie von den säkularen Missverständnissen einer religionsfernen Nachwelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2011

Ausgerechnet der sich selbst als "aufgeklärten Agnostiker" bezeichnende und einer protestantischen Familie entstammende Willibald Sauerländer arbeitet nun das Katholische im Werk Rubens heraus, freut sich Gottfried Knapp. Nachdem in der jüngeren Kunstgeschichte das Oeuvre des Barockmalers nicht zuletzt durch seine Aufbewahrung in weltlichen Museen systematisch säkularisiert worden ist, konzentriert sich der Autor höchst gewinnbringend auf den religiösen Kontext, in dem Rubens' zum Teil extrem gewaltsame Darstellungen von christlichen Märtyrern und seine monumentalen Altarbilder stehen, so der Rezensent begeistert. Dass hier jemand sich nicht mit kunsthistorischen Floskeln über religiöse Fragen hinwegsetzt, sondern sich intensiv mit den Auftraggebern und Ruben's gegenreformatorischem Impetus auseinandersetzt, ist Knapp sehr willkommen. Der Kunsthistoriker öffnet die Augen für die theologische Tiefendimension von Rubens' Werken und die Fähigkeit des Malers, mit seinen gruseligen Martyriumsdarstellungen sogar so etwas wie einen "Gottesbeweis" vorzulegen, preist er begeistert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011

Spektakel oder Glauben, für Eduard Beaucamp liegt die Sache klar: Der Betrachter eines Rubens muss sich entscheiden, dazwischen ist Abgrund. Willibald Sauerländer hat sich entschieden, wie Beaucamp ausführt, und zwar für den spirituellen Rubens, den malenden Theologen, den glaubensglühenden Verwandler alles Heidnischen ins Christliche. Und er hat sich entschieden, dieser Sichtweise den passenden Drive zu geben. Beaucamp scheint fast peinlich berührt von soviel Inbrunst, wo er professionelle Wissenschaft erwartet hätte. Aber er lässt sich auch mitreißen von Sauerländers quellensatter, spannender Erzählung. So restaurativ ihm Sauerländer Rubens hier auch präsentieren mag, so sehr ahnt Beaucamp, wie Recht er haben könnte, das Nervenzentrum von Rubens' Kunst so zu verorten, so rubensmäßig geradezu, zum Teufel mit der ganzen Freigeisterei!

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