Willy Brandt

Verbrecher und andere Deutsche

Ein Bericht aus Deutschland 1946
Cover: Verbrecher und andere Deutsche
J. H. W. Dietz Nachf. Verlag, Bonn 2007
ISBN 9783801203801
Kartoniert, 400 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Einhart Lorenz. Brandts Bericht über den Nürnberger Prozess ist eine Verteidigungsschrift für die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegen die Vorurteile des Auslands, alle Deutschen seien Nazis. Brandt beschreibt voller Mitgefühl das Leben der Deutschen im harten Winter 1945/46, ihre Zukunftshoffnungen und ihre Visionen. "Forbrytere og andre tyskere" erschien 1946 in Oslo und Stockholm und liegt nun erstmals in deutscher Sprache vor. Den Kriegsverbrecherprozess hielt Brandt für eine Notwendigkeit, um die Herrschaft der Nationalsozialisten - das düsterste Kapitel deutscher Geschichte - aufzuarbeiten. Er unterschied dabei zwischen politischer Verantwortung, die alle Deutschen im Dritten Reich trifft, und individueller Schuld, die gerichtlich festgestellt werden muss. Er war entschieden dagegen, alle Deutschen zu Verbrechern zu stempeln und bedauerte, dass die Siegermächte in Nürnberg keine deutschen Richter zugelassen haben, um die nationalsozialistischen Verbrecher im Namen des deutschen Volkes zur Rechenschaft ziehen zu können.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2007

Willy Brandts Buch "Verbrecher und andere Deutsche" aus dem Jahre 1946, das nun zum ersten Mal in einer deutschen Ausgabe vorliegt, erscheint Rezensent Volker Ullrich auch heute noch lesenswert. Wie er informiert, war Brandt von November 1945 bis März 1946 als Korrespondent der norwegischen Zeitung Arbeiderbladet in Deutschland unterwegs, um über die Nürnberger Prozesse zu berichten. Nach seiner Rückkehr verfasste er vorliegendes Buch, das sowohl in Norwegen als auch in Schweden eine breite Resonanz fand, während in Deutschland 1966 nur einige kurze Auszüge daraus in Brandts "Draußen. Schriften während der Emigration" erschienen. Ullrich erinnert in diesem Zusammenhang an die ruchlose Kampagne gegen Brandt, die seine politischen Gegner im Blick auf seine Tätigkeit im norwegischen Exil führten. Dabei weist er auch darauf hin, dass sich Brandt, anders als seine Gegner behaupteten, nachdrücklich gegen die Kollektivschuldthese ausgesprochen hatte, was sich bereits im ersten Kapitel von "Verbrecher und andere Deutsche" nachlesen lasse. Ullrich hebt zudem hervor, dass das Buch nicht nur von den Nürnberger Prozessen berichtet, sondern auch von der aktuellen Lage in den Besatzungszonen. Insofern schätzt er Buch als "Momentaufnahme aus dem Deutschland des Winters 1945/46", bei der sich Brandt als "genauer Beobachter" und "akribischer Rechercheur" erweist.

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