Kein Politiker der deutschen Nachkriegszeit war derart umstritten und zugleich von einer solchen Leidenschaft erfüllt, kaum einer hat so für seine Visionen gekämpft und musste dabei solche Rückschläge hinnehmen wie Willy Brandt: Vor den Nationalsozialisten floh er ins Exil nach Norwegen, als Berliner Bürgermeister musste er 1961 hilflos dem Bau der Mauer zusehen, als Kanzler übernahm er mit seinem Kniefall in Warschau symbolhaft die Verantwortung für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg und läutete die Entspannungspolitik mit dem Osten ein. Hans-Joachim Noack porträtiert den schwierigen, zerrissenen und doch so charismatischen Menschen, der aus einfachen Verhältnissen an die Spitze des Staates aufstieg, als Kanzler aber an sich selbst scheiterte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2013
Hans-Joachim Noack hat eine ordentliche journalistische Willy-Brandt-Biografie vorgelegt, findet dessen SPD-Genosse Erhard Eppler. Neues fördert Noack nicht zutage, aber wer sich über den Politiker Brandt informieren möchte, greift mit diesem Buch sicher nicht fehl, verrät der Rezensent. Trotzdem hätte sich Eppler gefreut, wenn der Autor sich der wenigen dunklen Stellen in Brandts Leben und Politik angenommen hätte, zum Beispiel der Rolle des ewig abwesenden Vaters für den Heranwachsenden, oder Brandts Haltung gegenüber der aufkommenden Ökologiebewegung. Eine Aussage die er selbst laut Noack über Brandt gemacht haben soll, irritiert Eppler dann doch, die habe es so nie gegeben, erklärt er. Obwohl ihn das Weglassen der Quellenangaben allgemein nicht gestört hat, diese eine hätte den Rezensenten dann doch interessiert.
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