Alles ist Ankunft, und wir fürchten uns vor dem Abschied. Ankunft meint: Wo ist der Schnaps? Wo ist der Fußballplatz? Abschied meint, den Fußball verstauen, den restlichen Schnaps in einen Flachmann leeren. Nach dem Fußball und nach dem Schnaps ist alles Erinnerung unter den Bergen von Shantou und in den Hügeln des Siebengebirges. Gibt es unfreiwillige Erinnerungen, die einen guten Ball und einen guten Schnaps unvergeßlich machen? In Wolfgang Kubins neuem Essayband Die Geschichte eines Flachmanns wird der Genuss nicht theoretisch betrachtet, sondern herbeigeschrieben - in Texten über das reinste und stärkste aller Getränke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.09.2014
Die Liebeserklärung des Sinologen Wolfgang Kubin an den Schnaps ist für den Apfelschorlentrinker Arno Widmann mitunter nicht leicht zu begreifen. Was geht vor, wenn man sich kollektiv besäuft, wieder und wieder, oder auch still und heimlich den Flachmann zückt? Widmann kann es nur vermuten: Konzentration aufs Wesentliche? Verschwinden des Ichs? Wie auch immer, die acht Essays des China-Reisenden Kubin über Kaoling-Likör und anderes Hochprozentiges sind für den Rezensenten Meisterstücke teilnehmender Bedröhnung, äh, Beobachtung.
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