Träume in Europa

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783103977172
Gebunden, 112 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Du sitzt im Taxi in Amsterdam, aber seltsamerweise musst du selbst fahren, während der Taxifahrer daneben sitzt. Ein Bekannter aus dem Internet umarmt dich zu Hause, du fühlst dich seit Langem wieder geborgen, dann aber kommt dein Mann mit den Kindern die Treppe hinauf - alles verschwindet, und du wachst auf. Wolfram Lotz hat sich in europäischen Internetforen auf die Suche nach Träumen gemacht und sie in seine ganz eigenen literarischen Erzählungen übertragen. Es sind merkwürdige, komische Träume, die einem immer wieder sehr vertraut vorkommen - weil es die Träume wirklicher Menschen sind und weil die Welt, in der wir leben, ja wirklich ziemlich komisch ist.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2026
Rezensent Timo Posselt entdeckt in Wolfram Lotzs Buch mit Träumen von Europäern über Europa allerhand Witziges. Etwa wenn ein Träumer Macron rät, seine Frisur zu ändern. Tragisches, wie der Traum, der einer Frau offenbart, dass sie Adolf Hitler war, bietet die aus dem Internet gespeiste Sammlung laut Posselt auch. Beruhigend findet er, dass nur relativ wenige Albträume vorkommen. Geht es Europa also doch nicht so schlecht? Leider fehlt im Band so etwas wie ein dramaturgischer Bogen, eine organisatorische Hand, moniert Posselt. So wirkt das Buch leider selbst wie ein ziellos mäandernder Traum, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 21.02.2026
Dass Wolfram Lotz' neues Buch ein bisschen wirkt wie ein Gedichtband, erklärt sich Rezensent Yannic Walter aus der Logik des Gegenstands heraus: Der Traum ist rätselhaft, verdichtet, verfremdet, gehorcht seinen eigenen Gesetzen. Walter macht Ausflüge zu den Theorien Freuds und Lacans und hatte eigentlich auch gehofft, in den von Lotz in Internetforen gesammelten und edierten Träumen etwas über das kollektive Unbewusste des politischen Europas zu erfahren, entdeckt aber stattdessen mehr einen eigenen poetischen Reiz in den kurzen Texten. Die Trauminhalte zwischen Sexualität, Konflikten am Arbeitsplatz und Familienstress haben in ihrer "Und-und-und-Logik" für den Kritiker etwas entwaffnend-reizvoll Offenes, das sich zwar mangels weiterer Informationen nicht biografisch deuten lässt, aber den Blick freimacht auf einen in mehrfachem Sinne traumhaften "Versuch der Wirklichkeitsbewältigung", den Wolfram Lotz und seine Traumsammlung hier unternehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2026
Wolfram Lotz hat sich auf die Suche gemacht: In verschiedenen Internetforen hat er Träume gesammelt, die Nutzer sich gegenseitig geschildert haben, was den Rezensenten Maximilian Mengeringhaus ein bisschen an eine moderne Form von Volksliedsammlungen erinnert. Inhaltlich ist quasi alles vertreten, erfahren wir: Tina Turner, die plötzlich am eigenen Arbeitsplatz auftaucht und Augentropfen braucht, Eltern, die ihre Kinder nicht mögen oder ein "beißwütiges MacBook". Mengeringhaus fragt sich natürlich, welchen Anteil Lotz selbst an den Texten hat, was gekürzt oder neu montiert wurde und wieviel er angeglichen hat, um die Texte in eine stilistische Einheit zu bringen. Lotz interessiere bei den Träumen vor allem das Verrückte, das oft Komik und Grauen vereint, schildert der Rezensent. Das Buch mag ein "Materialsteinbruch", macht aver viel Spaß, findet der Kritiker, der ihm zudem eine "eigentümliche Poesie" attestiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.01.2026
Rezensent Felix Stephan zeichnet Wolfram Lotz als radikal eigenwilligen Autor, der Öffentlichkeit meidet und literarische Arbeit als existenzielles Experiment versteht, sich vom Kritiker aber immerhin zu Hause besuchen lässt. Stephan widmet der bisherigen Karriere des Autors viel Platz in seiner Kritik, bis er zum vorliegenden Buch kommt. Dessen Ausgangspunkt sind Träume aus europäischen Internetforen, fünf Jahre lang gesammelt, um "Europa" nicht politisch, sondern aus dem "kollektiven Unbewussten" heraus zu erkunden. Die hier erzählten Träume verlaufen oft überraschend positiv, es sind keine ausweglosen Alpträume, sondern Geschichten von Hilfe und Beruhigung, fast ein wenig unspektakulär. Eigentlich ja "totale Anti-Geschichten", wie Lotz selbst meint, die aber dennoch erzählt werden müssten, sie seien ja Teil der Realität. Für den Kritiker ist dieses genau beobachtende Buch schon jetzt die vermutlich "witzigste und geistreichste" Veröffentlichung des Frühjahres.