Mit Radierungen von Susanne Theumer; hrsg. von J.-F. Dwars. Wulf Kirsten verstand sich als ein Landschafter. Dichtung hatte für ihn die Welt nicht zu verschönern, sondern ihre verletzliche Schönheit mit nüchternen Worten, so präzise wie möglich, zur Sprache zu bringen. Diese Kunst der genauesten Benennung in widerborstiger Sprache, die sich um so tiefer einprägt, je weniger leicht sie sich konsumieren lässt, zeichnet auch die vorliegenden späten Nachlasstexte aus, mit denen Wulf Kirsten,spielerisch pendelnd zwischen Essay und Erzählung, noch einmal in die Landschaft zurückkehrt, die ihn hervorgebracht hat: die Erde bei Meißen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2023
Rezensent Jan Röhnert schätzt sie sehr, die "literarische Landschaftskunde", die der im vergangenen Jahr verstorbene Schriftsteller und Lyriker Wulf Kirsten zeitlebens betrieben hat. Entsprechend dankbar ist der Kritiker für diesen "Nachtfahrt" überschriebenen Band mit nachgelassener Prosa, den der Wahlthüringer noch kurz vor seinem Tod fertigstellte. Röhnert dringt mit den Kindheitserinnerungen des Dichters zur "gebuckelten Erde" bei Meißen vor, erlebt "erhebende Gipfelstunden" in der thüringischen Schweiz oder klettert durch Schluchten im Grenzland zu Böhmen. Witz und Bitterkeit gehen in diesem Lebensrückblick Hand in Hand, aber vor allem handelt es sich um "große lebensgesättigte Literatur", schließt der Rezensent.
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