Einigkeit der Einzelgänger - dieses Motto, das Dieter Lattmann bereits 1970 als Vorsitzender dem ersten bundesweiten Kongress des Verbandes Deutscher Schriftsteller voranstellte, umschreibt auch seine eigene Rolle als kultur- und gesellschaftspolitischer Wegbereiter der Bundesrepublik. Als Verlagsmitarbeiter, Literary Scout und Autor erlebt er nach 1945 die neue Gründerzeit einer bundesdeutschen Literatur- und Verlagslandschaft aus nächster Nähe. Neben seiner Berufung zum freien Schriftsteller führt ihn sein kulturpolitisches Engagement Ende der sechziger Jahre in die Politik. In dieser Zeit setzt er sich gemeinsam mit Günter Grass für Willy Brandt ein. Zwischen 1972 und 1980 ist er für die SPD im Deutschen Bundestag und bringt unter anderem die Künstlersozialversicherung auf den Weg. Als eine der zentralen Figuren der Friedensbewegung, als Mitglied im Präsidium des Goethe-Instituts sowie später als Mitinitiator der Erfurter Erklärung bleibt sein Engagement ungebrochen.
Nichts "umwerfend Neues" entnimmt Heribert Hoven dem Lebensrückblick des Schriftstellers und Politikers Dieter Lattmann. Allerdings zählt Hoven sich auch zu den Lesern seiner Essays und Romane, in denen Lattmann schon immer "sein Leben zur Literatur" gemacht habe. Wissend überträgt Hoven denn auch die Dichotomie des Titels auf das Dargestellte, ein "Leben, das sich im Widerspruch erfuhr" zwischen Politik und Moral. Und er erkennt das Anschreiben des Autobiografen gegen die Resignation: Die Versicherung verstorbener Weggefährten, wie Brandt und Böll, den Stolz im Rückblick "auf gewonnene Schlachten". Dass der Autor in der Eigenperspektive "vor allem Lehrer" ist, wie Hoven vermerkt, sowie "eine gewisse Selbstgerechtigkeit, die auch zur Schwarz-Weiß-Malerei verführt", gefällt dem Rezensenten nicht so gut. Besser schon die Farbigkeit der Erinnnerungen, "wenn Lattmann seinen beruflichen Werdegang als Pressemensch und Literary Scout schildert".
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…