Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné. Fast zwei Jahre lang hat Pasha sich bitten lassen. Nun endlich bequemt er sich zu einem Besuch bei den Eltern und seiner Schwester, die nach New York ausgewandert sind - während er, der nie ganz erwachsene dichtende Bohemien, lieber in Odessa zurückblieb. Jetzt ist er also da, mit all seinem russischen Künstlertum und Naturtalent zum Missgeschick. Immerhin schafft Pasha es allein nach Manhattan, wo er mit neureichen Exilrussen feiert - anstatt, der eigentliche Anlass des Besuchs, bei seiner erkrankten Mutter zu sein. Jahre später erinnert sich Pashas mittlerweile erwachsene Nichte Frida an den längst wieder auf der Krim lebenden Onkel - und beschließt, dort nachzusehen, wer es wirklich besser getroffen hat, die Ausgewanderten oder der in der alten Heimat Gebliebene.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2016
Rezensentin Sabine Berking kann sich begeistern für Yelena Akhtiorskayas Diaspora-Geschichte um den "falschen" jüdischen Odessiten Pasha und seine Mischpoke. Derart bühnenreif, temporeich und witzig kann nur die zweite Generation postsowjetischer USA-Auswanderer erzählen, meint sie, auch wenn sie sich Woody Allen als Stadtneurotiker in der Geschichte gut vorstellen kann. Die vertrackten Themen Herkunft und Ankunft und Identität findet Berking in Akhtiorskayas Debütroman mit Humor und trauriger Ironie und am Ende auch mit Nachdenklichkeit behandelt. Den soziophoben Helden im Buch gewinnt die Rezensentin schnell lieb.
Die Literatur der Auswanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in aller Welt hat eine Vorliebe für Komik und Melancholie, erklärt Britta Heidemann, und Yelena Akhtiorskayas "Der Sommer mit Pasha" ist ein wunderbares Beispiel für den besonderen Reiz dieser Zusammenstellung, findet die Rezensentin. Die Autorin erzählt die Geschichte eines ukrainischen Dichters, Pawel Robertowitsch Nasmertow, der Anfang der Neunzigerjahre zwei Sommer bei seiner ausgewanderten Familie im New Yorker "Little Odessa" verbringt, berichtet Heidemann. Später springt Akhtiorskaya dann noch einmal ins Jahr 2008 und lässt Pawels Nichte Frida zu ihm ins wirkliche Odessa kommen. "Die Pferdefüße des Lebens" preschen in großartigem Tempo von Szene zu Szene, freut sich die Rezensentin.
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