Youngok Kang-Bohr

Stalinismus in der ländlichen Provinz

Das Gebiet Voronez 1934-1941
Cover: Stalinismus in der ländlichen Provinz
Klartext Verlag, Essen 2006
ISBN 9783898615556
Kartoniert, 301 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Das Ausmaß an Gewalt und Todesopfern einerseits und der Enthusiasmus bestimmter Teile der Sowjetgesellschaft während der Industrialisierungskampagne andererseits machen die 1930er Jahre zu einer verwirrenden und von extremen Widersprüchen geprägten Periode. Diese Periode war durch die brutalsten Repressalien während des Stalin-Regimes gekennzeichnet. Am stärksten waren davon landwirtschaftliche Regionen und Bauern betroffen. Hinzu kamen Kriminelle, Geistliche und andere sozial und politisch zunehmend gebrandmarkte Randgruppen, die ursprünglich nicht selten aus dem ländlichen Milieu stammten. Das Buch beleuchtet durch die Analyse des Zusammenwirkens zwischen dem Moskauer Parteizentrum und den Regions- und lokalen Instanzen die Kontrollierbarkeit und die Funktionsfähigkeit der Sowjetgesellschaft. War die Nomenklatura der Gebiets- und Rayonsebene der vertrauenswürdige Vollstrecker der von den zentralen Führungskräften vorgegebenen Linie, der die Anordnungen Moskaus ohne zu zögern und unverzüglich durchführte? Traten die lokalen Führungskräfte als Wahrer der Interessen der lokalen Bevölkerung auf? Die Untersuchung der Machtverhältnisse und der Reaktionen der Basis erlaubt es, ein umfassenderes Gesamtbild des Sowjetsystems der 1930er Jahre im ländlichen Milieu zu gewinnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2006

Rezensent Helmut Altrichter legt ausführlich dar, warum er sich dem Ergebnis der Studie von Youngok Kang-Bohr nicht anschließen kann. Der Autor tendiere zu der Auffassung, dass die stalinistischen "Säuberungen" 1937/38 in der sowjetrussischen Provinz Voronez, in deren Folge 680 000 Menschen erschossen wurden, losgelöst von den Verfolgungen in den städtischen Zentren Leningrad und Moskau zu bewerten seien. Kang-Bohr führe die Ereignisse auf die desolate und korrupte Verfassung der regionalen Parteiapparate und die aufgeheizte Stimmung in der verarmten Bevölkerung zurück. Der Terrorapparat Stalins, der die chaotische Lage in den Provinzen instrumentalisierte, lasse sich jedoch für eine Aufarbeitung der "Säuberungen" in den ländlichen Provinzen nicht ausblenden, findet der Rezensent, der hier durchaus eine Verbindung mit dem zentralen Machtapparat im Kreml sieht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Stichwörter

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…