Yulia Marfutova

Der Himmel vor hundert Jahren

Roman
Cover: Der Himmel vor hundert Jahren
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
ISBN 9783498001896
Gebunden, 192 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein russisches Dorf um das Jahr 1918. Die Revolution hat bereits stattgefunden, der Bürgerkrieg ist in vollem Gange, aber die Bewohner haben von den historischen Ereignissen noch nichts erfahren. Das untergehende Zarenreich ist groß, die Informationen fließen langsam.Doch selbst an einem Ort wie diesem steht die Zeit nicht still: Der Dorfälteste Ilja, zum Beispiel, trifft seine Wettervorhersagen neuerdings mit Hilfe eines gläsernen Röhrchens, das er hütet wie seinen Augapfel. Der alte Pjotr dagegen belauscht lieber den nahegelegenen Fluss und dessen Geister. Aber noch scheinen die Fronten beweglich. Nun ist ausgerechnet Iljas Frau, Inna Nikolajewna, so abergläubisch wie Pjotr. Als ihr ein Messer herunterfällt, taucht ein Fremder im Dorf auf. Der viel zu junge Mann trägt keine Stiefel, aber eine fadenscheinige Offiziersuniform, und wenn er muss, erzählt er jedem eine andere Geschichte. Man beäugt ihn, bedrängt ihn, bald nicht mehr nur mit Fragen - und doch kommt nicht einmal die junge Annuschka dahinter, weshalb er ins Dorf gekommen ist. Und vor allem: warum er bleibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2021

Rezensent Paul Jandl ist berückt von Yulia Marfutovas Debüt "Der Himmel vor hundert Jahren". Die Autorin ist in Russland geboren und lebt heute in Berlin und Boston. In ihrem Roman  erzählt sie viel über das Wetter und die verschiedenen Menschen eines russischen Dorfs in Revolutionszeiten, deren Unterschiede in empathischer Weise nicht gegeneinander ausgespielt werden, wie Jandl erklärt. Selten konnte er bisher in der Literatur eine Sprache finden, die wie in Marfutovas Debüt den "graduellen Übergang von Magie in Moderne genau messbar" mache. Dem Zusammenspiel aus magischen Elementen und "politischen Metaphern" zum Trotz besitzt die Erzählung Jandl zufolge keine "klappernde Mechanik". Das überzeugt den Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2021

Rezensentin Nicole Henneberg scheint ganz verzaubert von Yulia Marfutovas Debütroman. Die Geschichte eines russischen Dorfes und seiner eigenwilligen Bewohner um 1918 erzählt die Autorin laut Henneberg mit viel Sinn für Geheimnis- und Unheilvolles, atmosphärisch und anspielungsreich. Sehr nah gelangt Henneberg an die Figuren, ohne dass der Zauber verlorengeht, dem Fingerspitzengefühl der Autorin sei Dank, die das "Versteckte" nicht entblößt, sondern "Nahes und Fernes" miteinander verbindet, wie die Rezensentin achtungsvoll erläutert.
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