Aus dem Französischen von Volkmar Wölk. "Es gibt in unserem politischen Vokabular nur wenige Begriffe, die sich einer solch umfassenden Beliebtheit wie das Wort Faschismus erfreuen, ebenso aber gibt es nicht viele Konzepte im politischen Vokabular der Gegenwart, die gleichzeitig derart verschwommen und unpräzise umrissen sind." Mit diesem Satz leitete der israelische Historiker Zeev Sternhell 1976 seinen Aufsatz "Faschistische Ideologie" ein. Dieser Satz gilt bis heute - insbesondere für Deutschland. Daher nimmt Sternhell in dieser Einführung (nun in einer Neuausgabe vorliegt) eine genaue Bestimmung des Begriffes Faschismus aus seiner historischen und ideologischen Entwicklung heraus vor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2019
Eine Einladung zu "historischer Besinnung" nennt Rezensent Gustav Seibt das Buch und geht näher ein auf die Differenzierungen faschistischer Ideologeme besonders in Frankreich und Italien, Spanien und Deutschland. Fast alle Charakteristika des Faschismus seien vor dem Nationalsozialismus international vorhanden gewesen. Seibt liest dies mit großer Aufmerksamkeit, rät aber von vorschnellen Vergleichen mit heutigen Populismen ab. Die damaligen Feinde, Marxismus und Klassenkampf, seien verschwunden, heute werde der globalisierte Kapitalismus als Gegner nationaler Selbstbestimmung angesehen. Tatsächlich hat sich ja in China mit seinem staatlich-totalitär gezähmten Kapitalismus ein momentan erfolgsreiches neues Modell entwickelt, überlegt der Rezensent. Dies entspricht seiner Meinung nach durchaus dem Sternhellschen Muster des Verhältnisses von faschistischem Staat und der ihm unterworfenen Ökonomie. Deshalb und überhaupt, so urteilt der Rezensent, ist diese mittlerweile fast ein halbes Jahrhundert alte Studie lesenswert.
Thomas Wagner staunt über die Zeitgemäßheit der erstmal 1976 veröffentlichten Darstellung zur Geschichte der faschistischen Ideologie von Zeev Sternhell. Wie der Autor den Faschismus als eigenständiges ideengeschichtliches Phänomen anerkennt und seine Wurzeln im Frankreich und Italien des 19. Jahrhunderts freilegt, findet Wagner gerade heute lesenswert. Auch wenn der Autor den Nationalsozialismus ausklammert, überwiegen für Wagner die Vorzüge der Darstellung.
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