Herausgegeben von Gottfried Boehm, Sebastian Egenhofer und Christian Spies. In den Augen vieler haftet dem Zeigen etwas Primitives an, das Handgreifliche der Gebärde oder Geste, die bloße Hilfsfunktion eines Zeigers oder Zeichens. Es scheint hinter den komplexen Möglichkeiten des Sagens und Denkens zurückzubleiben. Nur wer nichts verstanden hat, braucht den direkten Fingerzeig. Mit der Diskussion über das besondere Potential ikonischer Präsentation kommt auch das Zeigen auf neue Weise in den Blick. Dabei wird deutlich, dass der Ursprung des Zeigens im Feld der Sichtbarkeit liegt. Es kultiviert sich in einer Rhetorik des Sichtbaren, die eine Sache vor Augen treten lässt, wie sie umgekehrt den Blick auf sie lenkt. Zwischen dem Sich-Präsentieren der Sache und dem gerichteten Blicken liegt das Bild: Das Bild zeigt, indem es sich auf den Anblick eines Anderen öffnet. Zugleich verweist es auf sich selbst, denn nur als selbst Sichtbares kann es seinem Gegenstand eine Präsenz verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2011
Mit großer Geste plädiert der Kunsthistoriker Gottfried Boehm für das, was er den "iconic turn" nennt. Unter dem Titel "eikones" hat er in Basel eine ganze Wissenschaftsindustrie um diese Wende herum gebaut, die - so der Anspruch - erstmals nicht Bilder lesen, sondern wirklich anschauen will. Und schauen, das betont nicht nur dieser Band, kommt von "Zeigen". Die "Deixis", also die hinweisende, hinzeigende Geste, liegt am Ursprung der bildlichen Anschauung. In diesem Sammelband wird dies Konzept von führenden Vertreterinnen und Vertreter der Denkrichtung grundsätzlich und an Beispielen vorgestellt. Leicht kritisch merkt die Rezensentin Caecilia Anderhub an, dass gelegentlich geradezu eine Art "Dingmagie" in der Konzeption durchscheint - andererseits lobt sie, dass im Band selbst sogleich auch auf die Gefahr hingewiesen wird. Kritischere Töne aber gibt es nicht, schließlich gehöre die "Lust am Widerspruch", die er hier und da weckt, zu den Vorzügen eines solchen Bands.
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