Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.07.2023 - Design

Johanna Adorján porträtiert in der SZ den griechischen Modesammler Michael Kardamakis, der sein Helmut-Lang-Archiv derzeit in einer Berliner Altbauwohnung eingelagert hat. Seine Sammlung "ist thematisch geordnet, und zwar so, dass sie idealerweise immer eine Entwicklung verdeutlicht." Er "greift nach einem Bügel weiter rechts, an dem ein ganzes Unterhemd hängt. Weiß, Feinripp, wie man es kennt. An den etwa 40 Bügeln dazwischen hängen Zwischenschritte, Variationen, man könnte auch sagen: Untersuchungen zum Thema Unterhemd. Es gibt unterschiedliche Dekonstruktionsgrade von Armlöchern oder Trägern, mal ist am Vorderteil eine Bustier-Linie angedeutet, oft ist irgendwo ein breiter Streifen zu sehen, ein Motiv, das bei Helmut Lang oft auftaucht. Bei einem Modell mit applizierter Spitze weist Kardamakis darauf hin, dass die Nähte von Hand gefertigt sind. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt - dennoch sehen die Stücke verwandt aus, und wenn man Kardamakis lange genug zuhört, erkennt man ihre Helmut-Lang-DNA." Dieses Werbevideo vermittelt einen kleinen Einblick:

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2023 - Design

"Die Airbagisierung der Gesellschaft hat begonnen", glaubt Katharina Wetzel im Tages-Anzeiger: Überall in der Mode und im Möbeldesign tauchen derzeit voluminöse, an Airbags erinnerne Gestaltungselemente auf. "Was sagt das über uns und die Zeiten, in denen wir leben, mit Krisen und Krieg in Europa? ... Angst vor einer atomaren Bedrohung, Angst vor Migration, Angst vor der Klimakatastrophe. Die Angst hat sich zum Verkaufsschlager entwickelt und kommt doch verniedlicht auch als aufblasbares Gadget daher. Der Airbag ist dabei zum Symbol eines Sicherheitsbedürfnisses geworden, das Künstler und Designer immer häufiger aufgreifen - ohne Funktion, aber mit der Botschaft der Beruhigung: In diesem Sofa bist du maximal geborgen, in dieser Jacke kann dir die Außenwelt nichts anhaben, in dieser Kugel kannst du dich ohne eine Schramme den Berg runterstürzen. Spaß ja, aber Risiko? Nein."

Im Tagesspiegel porträtiert Tobias Langley-Hunt die ukrainische Modedesignerin Lilia Litkovska, die ihre aktuelle Kollektion auf der Berlin Fashion Week zeigt: "Wenn sie von Kiew erzählt, von kulturellen Entwicklungen, die in ihrer Heimatstadt in den Jahren vor dem Krieg angestoßen wurden, ahnt man, wie schwer die Erinnerungen lasten und wie viel Hoffnung sie gleichzeitig geben. ... 'Neue künstlerische Strömungen sind entstanden und gewachsen. Vor dem Krieg kamen viele internationale Besucher in die Stadt, die Teil der Entwicklung sein wollten.' ... Der kreative Geist der Entwicklung lässt sich aber zum Glück nicht so einfach zerstören. 'Wir, die Kreativen, sind eine Art ukrainische Armee. Aber wir zerstören nicht, sondern erhalten und bauen auf.'"

Männer, habt Gnade mit Euren Mitmenschen und schüttet Eure Ambra-Parfüms weg, ruft ein schwer gebeutelt um Atem ringender Uwe Ebbinghaus im FAZ-Kommentar seinen Geschlechtsgenossen zu.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2023 - Design

Trinkservice No. 238 Patrician. Entwurf: Josef Hoffmann, 1917. Ausführung: J. & L. Lobmeyr. © J. & L. Lobmeyr


Auf der Kärntner Straße in Wien gibt es einen wunderschönen altmodischen Laden für Glas: Lobmeyer. 200 Jahre ist das Traditionsunternehmen geworden, das Wiener MAK hat ihm aus diesem Anlass eine Ausstellung spendiert. Präsentiert wird "ein einzigartiges Kapitel österreichischen Kunsthandwerks", schwärmt in der NZZ Sabine B. Vogel. "Das beginnt bereits mit den ersten hauchdünnen Gläsern aus Musselin-Glas - benannt nach dem feinfädigen Gewebe. Mit diesen fragilen Gefäßen, auf eine Stärke von maximal 1,1 Millimeter geblasen, setzte Ludwig Lobmeyr 1856 einen eleganten Gegenentwurf zu den schweren böhmischen Weingläsern. Immer wieder suchte er die Zusammenarbeit mit Künstlern und Erfindern. 1882 entwickelte er zusammen mit Thomas Edison einen der ersten elektrifizierten Luster für die Wiener Hofburg. Sein Neffe Stefan Rath führte das Unternehmen schließlich in die Moderne: Die tulpenförmigen Weingläser von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1917 oder das von Adolf Loos 1931 entworfene Bar-Service No. 248 mit Diamantschliff gehören bis heute zu den erfolgreichsten Serien. Die Preise pro Glas bewegen sich weit über 100 Euro." Von Lobmeyer sind übrigens auch die Lüster im Met Museum in New York.

Außerdem: Martina Meister besucht für die Welt die Kunsthandwerker von Notre Dame.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2023 - Design

Alles wird groß und breit, verzweifelt Gerhard Matzig in der SZ. Nach dem SUV-Trend kommen nun auch E-Bikes im XXL-Bereich - und das nicht nur, um auch Menschen mit mehr Gewicht zu transportieren. Auch im Möbelmarkt wurde man diesbezüglich hellhörig: "Sofas werden auf diese Weise zu Sofalandschaften und Gartenstühle zu aufgedunsenen Loungemöbeln. In der Mode gibt es den 'Airbag-Style' (man erinnere sich an das Bild von Papst Franziskus in einem weißen Aufplusterungsmantel, das durchs Netz ging und sich später als KI-Fake entpuppte). Taschen sehen aus wie Schwimmflügel. Das Leben wird zur Hüpfburg, Menschen zu Michelin-Männchen. Irgendjemand in der Produktgestaltung scheint den Satz 'Du kannst mir mal den Schuh aufblasen' verdammt wörtlich zu nehmen. Könnten wir bitte wieder zarte Autos, leichte Fahrräder, unaufgeblasene Schuhe, filigrane Handtaschen und dezente Möbel haben?"

An diesem Aufruf ein Beispiel genommen hat sich vielleicht das New Yorker Künstlerkollektiv MSCHF, das eine mikroskopisch kleine Handtasche im Louis-Vuitton-Stil aus Plastik angefertigt und für diese fast schon buchstäbliche Ahnung von einem Nichts auf einer Auktion über 63.000 Dollar eingefahren hat, wie Melchior Poppe in der NZZ meldet. Ein Mikroskop erhielt der Käufer als Dreingabe. Die Künstler nehmen dabei gerade den um sich greifenden Luxus in der Modebranche aufs Korn: "Die Vorliebe der Modeindustrie zu kleinen Taschen habe dazu geführt, dass diese 'immer mehr abstrahiert' würden - bis zu dem Punkt, an dem das Accessoire nur noch ein Markensymbol sei: 'Die mikroskopische Handtasche von MSCHF ist kleiner als ein Salzkorn und das letzte Wort in der Miniaturisierung von Taschen.' ... Eine mikroskopisch kleine Handtasche sei die logische Schlussfolgerung gewesen: 'Ein Gebrauchsgegenstand wird zu einem Schmuckstück eingedampft, dessen vermeintliche Funktion sich in Luft auflöst.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2023 - Design



Der Popstar Pharrell Williams hat seine erste Kollektion als Chefdesigner der Männerlinie von Louis Vuitton in Paris präsentiert - und Georg Diez äußert auf ZeitOnline nach diesem "Moment von kultureller Strahlkraft" schwere Fragen: "Wie funktioniert Macht im Zeitalter der Super-Celebrities? Wer ist größer, der Designer oder die Marke? Ist es ein Triumph der Blackness, wenn jemand wie Williams nun eine französische Überluxusmarke leitet, als zweiter Schwarzer in Folge nach Virgil Abloh?" Williams "will explizit das Erbe der Schwarzen Kultur feiern - und er hat sich für seine Schau als Laufsteg genau diese berühmteste Brücke in der berühmten Stadt Paris gewählt, den Pont Neuf. Und nun sitzen dort all die berühmten Menschen und schauen den vielen meist Schwarzen männlichen Models zu, wie sie gemeinsam eine ikonische Marke in die Gegenwart tragen und ein wenig darüber hinaus. ... Die Verschiebung, die sich an diesem Pariser Abend überdeutlich zeigte, lautet: Es ist nicht mehr die Marke, die berühmt ist, es ist die Berühmtheit, die berühmt ist. Celebrities, die sich einst nur mit Statussymbolen schmückten, erschaffen nun selbst die Symbole, die ihren Status belegen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2023 - Design

Elton Johns Geburtstagskostüm. Foto: V&A Museum


Skye Sherwin begeistert sich im Guardian für eine Ausstellung im Victoria & Albert Museum, die den Bühnenkostümen der Diven huldigt: vom frühen Stummfilmstar Theda Bara bis zu Billie Eilish. "Seit den 1960er Jahren herrscht eine selbstbewusste Verspieltheit vor, sei es in Dolly Partons übertriebenen Klischees der blonden Sexbombe oder in der punkigen Ironie von Blondie, die in dem säuregelben Kleid, das Stephen Sprouse für Debbie Harry entwarf. Die Kleider des Edith-Head-Schützlings und verehrten Kostümbildners Bob Mackie zeigen, wie Stars wie Cher und die verstorbene Tina Turner selbstbewusst auf den Glamour der alten Diven zurückgriffen. Das vielleicht divenhafteste Ensemble von allen gehört jedoch Elton John. Das Outfit, das die Kostümbildnerin Sandy Powell für seinen 50. Geburtstag entwarf, stellte ihn als weiß gefiederten und silbern glitzernden Ludwig XIV. dar und erforderte, dass der Sänger in einem Lastwagen zu seiner Party fuhr. 'Die Theatralik dieses Kostüms ist einfach unfassbar', schwärmt Kuratorin Kate Bailey, auf seinem Hut 'sitzt eine Kanone mit Rauch aus Talkumpuder'."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.06.2023 - Design

Für die britische Vogue ist es ein Rückfall, dass Edward Enninful, der mehr Schwarze und Trans-Menschen aufs Cover der Modezeitschrift holte, nun nach internen Machtkämpfen abgesägt wurde, findet Janique Weider in der NZZ. Als Strippenzieherin sieht sie die im Vogue-verse und in der Modewelt generell schon übermächtige Anna Wintour, die seit den Achtzigern die US-Vogue leitet. Zwar hatte Wintour die Vogue zu Beginn ihrer Amtszeit modernisiert. Sie "zeigte die aufmüpfige Madonna auf dem Titelbild, dann Hillary Clinton, Oprah Winfrey, später Michelle Obama und vor kurzem die ukrainische First Lady Olena Selenska. Doch Wintour stand und steht auch für vieles, das als überholt gilt. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass sich Schönheit während Jahrzehnten mit den Adjektiven dünn, weiß und jung gleichsetzen ließ." Ein "Gerücht besagt, dass Enninful die Nachfolge von Anna Wintour bei der amerikanischen Vogue habe antreten wollen. Das Problem ist, dass Wintour auch mit 73 Jahren keineswegs an einen Rücktritt denkt, sondern Stück für Stück ihre Macht ausbaut."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.06.2023 - Design

Für "Bilder und Zeiten" der FAZ beobachtet Peter-Philipp Schmitt auf der Einrichtungsmesse in Köln etwa beim Berliner Designer Thomas Beck, wie das Möbeldesign sich langsam fürs Upcycling erwärmt. "Zu sehen war bei ihm unter anderem ein Block mit Messern, die in fünf Kilogramm altem Leder stecken. Das macht bei tausend Messerblöcken 3,5 Tonnen Oberlederreste, aus denen keine Luxustaschen geworden sind, aber immerhin ein Produkt von dauerhaftem Wert. Dazwischen liegt allerdings ein Umwandlungsprozess. Denn aus dem Lederverschnitt muss zunächst neues Leder werden, genauer: ein innovatives Oberflächenmaterial, das kaum von Naturleder zu unterscheiden ist. Bei dem Upcycling-Verfahren, das neue, kreislauffähige Werkstoffe hervorbringt, wird dabei so wenig Kohlendioxid ausgestoßen wie bei keinen anderen bekannten Oberflächenmaterialien."
Stichwörter: Möbeldesign, Upcycling, Leder

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.05.2023 - Design

In der NZZ singt Silke Wichert ein Loblied auf die Sonnenbrille, die selbst aus dem gelegentlich sanft vertattert auftretenden Joe Biden eine richtig coole Socke macht. "So simpel das Prinzip auf den ersten Blick sein mag - ein Rahmen, ein paar getönte Gläser - so eindrucksvoll ist die Wirkung. Als Accessoire ist die Sonnenbrille im wahrsten Sinne des Wortes derart 'in your face', dass sie den ganzen Gesichtsausdruck verändert. Die Brille nimmt den Platz der Augenpartie wie eine künstliche Prothese ein und sorgt dort für durch und durch symmetrische Proportionen. Laut Studien steigert das bekanntlich die Attraktivität einer Person. Das Gesicht wirkt auf einmal wie mit der Wasserwaage geradegerückt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2023 - Design

Die NZZ spricht mit Wolfgang Joop unter anderem übers Altern, die Kunst und seinen allmählichen Rückzug aus der Modebranche: "Ich mag nicht mehr sechs Kollektionen jährlich machen, wo ich hinterher nicht weiß, wie ich die Kleider entsorgen soll. Ich habe genug von den Modeschauen, für die die Aufmerksamkeitsspanne inzwischen bei acht Minuten liegt. Die Models und wer in der ersten Reihe sitzt, wurden wichtiger als die Entwürfe. Das alles verschlingt riesige Budgets wie für einen Actionfilm. Es verbraucht sich alles zu schnell in der heutigen Fashionwelt. Man selbst verbrennt. Die medialen Möglichkeiten beschleunigen den Eindruck, alles schon gesehen zu haben, die Bilderflut macht schwindlig."