
Andrea Köhler beklagt mit der amerikanischen Historikerin
Linda Przybyszewski, deren Buch
"The Lost Art of Dress" (Basic Books) sie gerade gelesen hat, den Niedergang der
amerikanischen Damenmode. Heute kleiden sich alle wie Teenager, aber in den zwanziger Jahren war das noch anders, da gab es
professionelle Hilfe für die neue berufstätige Frau,
lernt Köhler: "Im Jahr 1923 wurde dem Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten ein nationales "Bureau of Home Economics" hinzugefügt, das sich auch der angemessenen und ökonomisch sinnvollen Kleidung widmete. Die "Art of Dress" wurde landesweit an den Schulen und Universitäten als eigenes Unterrichtsfach eingeführt und von den
Dress Doctors - Frauen aus allen professionellen Sparten - mit derselben Ernsthaftigkeit gelehrt wie Algebra oder Chemie. Ihr Motto: Nicht Geldmittel, sondern
Kenntnisse und Geschicklichkeit sind der Schlüssel zu einer schönen Garderobe. Und eine Kleidung, die der Bewegung nicht hinderlich ist! Enge Röcke und unkomfortable Schnitte waren tabu, ebenso das unausrottbare Malaise der Frauenmode bis auf den heutigen Tag - Schuhe, in denen man keine zwei Meter weit laufen kann."

Im
Interview mit Grace Bello vom Blog
The Hairpin erklärt Linda Przybyszewski etwas genauer, was diese Mode für erwachsene Frauen auszeichnete: "Es ist seltsam, aber ab Mitte der dreißiger Jahre - also während der großen Depressionen - waren die
Tageskleider wundervoll. Die Taille saß nicht mehr auf der Hüfte, wie noch in den Zwanzigern. Das stand den meisten Frauen eh nicht. In den Dreißigern saß die Taille wieder auf natürlicher Höhe. Damals konzentrierte sich das Interesse auf
den Halsausschnitt, so dass die Oberteile vieler dieser Kleider kreative und originelle Kragen haben. Sogar
die Ärmel und die Schnitte waren interessant. ... Davon könnten wir heute noch eine Menge lernen." (Es gab sogar Schnittmuster für
austauschbare Krägen, sogenannte Dickeys,
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Bild: Kleiderschnitt von McCall aus dem Jahr 1932 mit verschiedenen Ausschnitten)