
Sehr verdienstvoll
findet Bettina Maria Brosowsky in der
NZZ die Ausstellung
"In Arbeit" zum
DDR-Design in der Münchner Pinakothek, mit der die Pionierleistung von
Günter und Claudia Höhne gewürdigt wird, die in der ignoranten Wendezeit das kostbare Gut sicherten: "Während die westliche Konsumgüterindustrie in verschwenderischer Gestaltdifferenzierung individuelle Distinktionsbedürfnisse sowie Absatzmärkte stimulierte, setzte das
Mangelsystem der DDR, als geschmackserzieherisches Programm einer sozialistischen Lebensweise, auf eine
zeitlose Ästhetik und, im Bereich der Apparate und Elektrogeräte, auf
Reparaturfreundlichkeit - heute würde man diese "Nachhaltigkeit" ausdrücklich loben. Es entstand ein jahrelang produziertes emblematisches Design der DDR wie etwa Glas von
Friedrich Bundtzen (1910-1989), noch ganz in der Tradition Wilhelm Wagenfelds, oder die Isolierkanne in Aluminium von
Margarete Jahny." (
Foto: Stiftung Haus der Geschichte)

In der
SZ bespricht Peter Richter die Ausstellung "Designing Home: Jews and Midcentury Modernism" im
Contemporary Jewish Museum in San Francisco, die sich mit dem
Design der 50er und 60er Jahre befasst, das in großen Teilen von jüdischen Exilanten aus Europa geschaffen wurde: "Was wir heute
Midcentury Modern nennen, ist von den Gralshütern der klassischen Moderne Europas deswegen dünnlippig als
Playboy-Moderne gescholten worden und als typisch amerikanische Vulgarisierung der heiligen Bauhaus-Askese, als Verrat am Projekt. Aber das verkannte in erster Linie die Andersartigkeit der Voraussetzungen. Die
radikal entschlackte Moderne hatte in einem Europa Fuß fassen können, das vom ersten Weltkrieg zerrüttet war. Die amerikanischen Modernisten hatten es mit einem Land im beispiellosen
Wohlstandswachstum zu tun." (
Bild: Henry Dreyfuss, Princess Phone, 1959. Foto: Johnna Arnold)