Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2025 - Kunst

Christian Boltanski: Misterios. Bild: Eivind Lauritzen.



Bettina Krause ist für Monopol auf der Momentum-Biennale im norwegischen Moss unterwegs. Die Verbindungen zwischen Ort, Klang und Natur unter dem Titel "Between/Worlds: Resonant Ecologies" sind etwas gewöhnungsbedürftig, hält sie fest, aber nicht uninteressant: "Es ist ein aufmerksamer Erkundungsgeist gefragt, um die Kunstwerke zu entdecken, die sich draußen auf dem riesigen Gebiet in alten Scheunen, zwischen Baumgruppen oder auf Feldern verteilen. Zu den eindrucksvollsten Erfahrungen in den Räumen der Galerie gehört Christian Boltanskis Videoarbeit "Misterios", die auf drei riesigen Screens die Küste Patagoniens zeigt. Ein Kanal gibt die vom Wind erzeugten Klänge dreier Trompeten-artiger Kupferinstrumente wieder, die an Walgesänge erinnern. Zwei weitere Bildschirme zeigen den menschenleeren Strand und das Meer, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang als meditatives Setting. Mit genug Geduld erhascht man in dem 12-stündigen Loop einen zufällig von der Kamera eingefangenen Blick auf Wale oder Robben im Wasser."

Für die NZZ berichtet Ute Miller von einer kuriosen Begebenheit: Das Heiligenbildnis Maria Santísima de la Esperanza Macarena in Sevilla ist bei einer Restauration ziemlich verunstaltet worden, finden die entsetzten Mitglieder der Macarena-Bruderschaft, insbesondere sind die Wimpern zu lang und die Miene zu blass. Was ist passiert: "Zwischen dem 16. und dem 20. Juni hatte Professor Francisco Arquillo Torres die Macarena einer 'Behandlung' unterzogen. Vertrauensvoll hatte ihm die Bruderschaft der Esperanza Macarena die Statue überlassen. Schliesslich hatte der 85-jährige Arquillo die Jungfrau bereits 1978 und 1992 restauriert, stets zur Zufriedenheit der Gläubigen. Seither gilt er als 'Hausarzt' der Heiligen. Doch diesmal hatte er keinen Erfolg. Noch am selben Tag, an dem die Macarena dem Publikum gezeigt wurde, bot Arquillo an, den Schaden zu beheben, doch seine Offerte wurde ausgeschlagen." Auch Spiegel Online schildert, die Bruderschaft habe um Entschuldigung gebeten und einen neuen Restaurator beauftragt, der die Wimpern der Esperanza Macarena wieder auf Normalmaß zurechtstutzen soll.

Weiteres: Die Hamburger Kunsthalle und die Stiftung Hamburger Kunstsammlungen haben 2,4 Millionen Euro für René Magrittes Gemälde "Le Palais de Rideaux" (Der Palast der Vorhänge) springen lassen, meldet die FR mit dpa. Susanna Petrin besucht die "Pionierin der Hotelkunst" Elizabeth Weiner in New York (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.06.2025 - Kunst

Jörg Häntzschel nimmt die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen derzeit ganz genau unter die Lupe. Das SZ-Feuilleton widmet ihnen den Aufmacher mit zwei Artikeln: Neben dem mangelhaften Umgang mit NS-Raubkunst waren die Sammlungen auch wegen Chaos, Überwachung der Angestellten und Sicherheitsmängeln in die Kritik geraten (unsere Resümees). Hunderte Mails, Fotos, Protokolle und andere Unterlagen liegen der SZ laut Häntzschel vor, die viele der Vorwürfe - anonym - bestätigen. Interessant ist vor allem, was über die Sicherheit bekannt wird: "Um Geld zu sparen, setzen die Pinakotheken neben angestellten Aufsichten externe Security-Leute ein, die vielleicht gestern ein Bierzelt bewacht haben und vorgestern ein Fußballstadion. ... Diese Hilfskräfte, ausgestattet mit Schlüsseln und Zugangscodes zu unschätzbar wertvoller Kunst, sind den Museen namentlich nicht immer bekannt. Das zumindest muss man aus den der SZ vorliegenden Mitarbeiterlisten schließen, die die privaten Firmen, die oft auch noch Subunternehmer beschäftigen, bei den Pinakotheken abgeben müssen. Mal fehlen dort die Namen ganz, mal sind Vor- und Nachnamen unterschiedlich kombiniert, als habe jemand versucht, aus einer Person zwei zu machen."

Aber auch das Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee, den kleinsten Außenposten der Staatsgemäldesammlungen, hat Häntzschel im Visier. Zuständig für das Haus ist die Olaf-Gulbransson-Gesellschaft, die von dem Düsseldorfer Kunsthändler Michael Beck geleitet wird, der dort auch Ausstellungen kuratiert. "Seit wann dürfen private Galerien mit kommerziellen Interessen unter dem Dach der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen eigene Ausstellungen kuratieren", fragt sich Häntzschel.  Auf Anfrage gibt Beck an, "nicht er, sondern die Olaf-Gulbransson-Gesellschaft entscheide, welche Kunstwerke ausgestellt würden."

Weitere Artikel: In der FAZ zeichnet der Kunsthistoriker Hubertus Butin derweil die Geschichte des Schweizer Umgangs mit NS-Raubkunst nach, um schließlich bei Philipp Hildebrand, dem Präsidenten der Zürcher Kunstgesellschaft, die das Kunsthaus Zürich betreibt, zu enden: Der hatte versucht, die Gesetzesvorlage zur Bildung der "Expertenkommission für historisch belastetes Kulturerbe" zu torpedieren.

Mit etwa 300 Werken ist der Hamburger Kunsthalle eine überragenden Schau gelungen staunt Till Briegleb ebenfalls in der SZ, der in der Schau "Rendevouz der Träume" den bisher "wenig beachteten Forschungsreisen der Surrealisten in die deutschen Seelengrotten" der Romantik nachspürt. "Historisch betrachtet, und auch das erzählt diese Ausstellung, verbindet deutsche Romantik und Surrealismus natürlich die massive Opposition zu den vorherrschenden Rationalitätsdogmen ihrer Zeit. Und das drückt sich in ähnlichen Kunststrategien aus: etwa in der Begeisterung für den Zufall, für die überraschende Kombination und die Umwertung von Sinnelementen oder im Ideal der subjektiven Freiheit als Reaktion auf gesellschaftliche Tendenzen der Uniformierung. Schließlich lebten die Romantiker wie die Surrealisten trotz ihrer heutigen Prominenz zu ihrer Zeit unter der Treppe der protestantischen Wirtschafts- und Fortschrittsethik, wenn auch in unterschiedlichen Abschnitten des kapitalistischen Triumphzugs. Das produzierte in beiden Jahrhunderten jenes kreative Unbehagen, das nach Renitenz und Ausweg suchte, und dabei sein Material in Tag- und Nachtträumen fand, wo Logik keinen Zutritt hat."

Besprochen werden die Ausstellung "Andere Intelligenzen" im HEK Basel (FAZ), die Installation "Steve McQueen, Bass" im Schaulager Basel (Welt), die Ausstellung "Survival Kit. Between Us and History: The Hidden Archive" in der ifa-Galerie in Berlin, in der sich Aicha Sy auf die Spuren der Bilder ihres Vaters, des senegalesischen Künstlers El Hadji Sy, begibt (Tsp) und die Paolo Veronese-Ausstellung im Prado in Madrid (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2025 - Kunst

Franziska Maderthaner: Der Spekulant, 2024 © Franziska Maderthaner

Eine "kaum zu bewältigende" Fülle an Pflanzen aller Sorten, Formen und Farben wird FAZ-Kritiker Hannes Hintermeier in einer Ausstellung über die Zusammenhänge von Botanik und Kunst in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems präsentiert. Der Kritiker weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll, vielleicht auf die Bilder der russischen Künstlerin Anna Jermolaewa, deren "Fotografien Sträuße zeigen, die jeweils florales Symbol einer politischen Revolution sind, Nelken für Portugal, Zedern für den Libanon, Safran für Myanmar"? Zum Ausklang von "Flower Power" empfiehlt Hintermeier jedenfalls "sich die Installation 'Unvergesslich' anzusehen. Die in Österreich lebende Schweizerin Regula Dettwiler hat aus 15.000 Plastikblumen, die sie aus dem Abfall des Wiener Zentralfriedhofs fischte, ein raumfüllendes Blütenstillleben gebaut. Die simulierte Natur, die sich als künftiges Mikroplastik mit der Ewigkeit des Todes misst, wird ergänzt von einem 'Herbarium der Gefühle', gepressten Pflanzen, von Schulkindern und Erwachsenen aus der Gegend."

Besprochen werden die Ausstellung "Camille Claudel und Bernhard Hoetger. Emanzipation von Rodin" in der Alten Nationalgalerie Berlin (FR), die Ausstellung "Vija Celmins" in der Fondation Beyeler (NZZ) und die Ausstellung "Keiner soll frieren!" von Ariel Reichman im Museumsquartier Osnabrück (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.06.2025 - Kunst

Maria Lassnig, Frühstück mit Ohr (Breakfast with Ear), 1967, Oil oncanvas, 130 x 194.8
© Maria Lassnig Foundation. Courtesy Maria Lassnig Foundation.

Im Luma Arles darf sich FAZ-Kritiker Stefan Trinks in der Ausstellung "Living With Art Stops One Wilting!" davon überzeugen, dass Maria Lassnig eine Künstlerin war, die das Ikonische in explosiver Farbstärke neue Verbindungen hat eingehen lassen. Ihre Selbstporträts sind herausfordernd: "Den zur ruhigen Führung der Hand eingesetzten Malstock hält sie dabei wie eine Waffe zur Selbstverteidigung quer vor den Oberkörper, doch ist der Stab durch die Hautfarbe ihrer Brust geisterhaft überdeckt und in der Mitte unsichtbar, ebenso wie das Porträt im Hintergrund verlebendigt ist und phantomhaft seine Hände auf ihre Schultern legt. Lassnigs Inkarnat schimmert dabei so welkgrünlich wie ihre derbe Cargohose, ihr Selbstporträt scheint sich - den Betrachter vor dem Bild unverwandt und beinahe herausfordernd fixierend - im angesichts der ausgestellten Hinfälligkeit alles Menschlichen erschrockenen Blick des betrachtenden Anderen zu prüfen: 'Hältst Du diesem Anblick stand?'"

Weiteres: Sonja Zekri informiert in der SZ, wie Israel und der Iran ihre Kunstgüter und Museen schützen, nachdem der Internationale Museumsrat Icom "vor der 'wachsenden Gefahr' für Museen und ihre Mitarbeiter in Iran und Israel gewarnt" hat.
Stichwörter: Lassnig, Maria

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2025 - Kunst

Vija Celmins: Coma Berenices #4, 1973. Bild: Vija Celmins, Matthew Marks Gallery.


Ursula Scheer besucht für die FAZ eine Retrospektive mit Werken von Vija Celmins in der Fondation Beyeler. Die litauische Künstlerin malt ihre präzisen Nachthimmel auf Basis von Satellitenbildern: "Der grenzenlose Raum schnurrt zusammen auf eine begrenzte Fläche, das Unfassbare wird auf Leinwänden und Blättern greifbar zur Ansicht gebracht. Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle: Um das Licht von Sternen, die womöglich längst erloschen sind, auf ihre Weise visuell einzufangen, ist die Künstlerin oft jahrelang mit einzelnen Arbeiten beschäftigt. Es sind Meditationen über das Wesen 'unmöglicher Bilder', wie sie es nennt."

Mac Zimmermann, Die Tageszeiten: Mittag, 1954. Bild: Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Eigentum des Landes Berlin / Jörg P. Anders



Ingeborg Ruthe freut sich in der FR über die surrealistische Ausstellung "Strange!" im Museum Scharf-Gerstenberg, die zeigt, dass mit der Faszination des Absurden zum einen noch lange nicht Schluss ist und sie zum anderen auch in der DDR viele Anhänger hatte: "Zu jedem Bild gehört eine Geschichte, die wie durch eine Übelkeit der Seele ausgelöst wurde. Im Gemälde 'Wachmann' des Belgiers Paul Delvaux von 1961 etwa ist Bahnhofseinsamkeit beschrieben, etwas Befremdliches, das geradezu hilflos macht. Ähnlich ratlos macht das Bild 'Kind und Eltern' der Ostberlinerin Heidrun Hegewald von 1976: Sie malte ein im Nebel versinkendes Paar am Tisch, in der Tür einsam ein Kind. Die Scheidungsrate in der DDR hatte damals ihren Gipfelpunkt erreicht, mit bis zu 38 Prozent war sie die höchste weltweit. Ähnlich gespenstisch wirkt die große leere Einsamkeit im Gemälde 'Tageszeiten (Mittag)' von 1954 des Schwaben und zeitweiligen Westberliners Mac Zimmermann aus dem Surrealistenumkreis der Galerie Rosen und der Malergruppe 'Phantastischer Realismus'. All die eigentümlichen Motive mit ihrem sonderbaren Bildpersonal korrespondieren in dieser Ausstellung eifrig."

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Die Fotografin Andrea Grützner reflektiert in ihrem Buch "Erbgericht" einen Ort ihrer Kindheit und schafft dabei zugleich sehr abstrakte und wunderschöne Fotografien. Peter Truschner schildert in seinem Fotolot für Perlentaucher den enormen Aufwand, der dahinter steht: "Auf die erste Tuchfühlung in einem Skizzenbuch, in dem Lichtsituationen festgehalten werden und mit Brennweiten experimentiert wird, folgen Testaufnahmen (mit Polaroid oder digital). 'Manchmal laufe ich durchs Haus und berühre Dinge mit den Händen. Bewegung im Raum, die dem Abtasten des Raums mit Licht und Farbe gleicht. An manchen Stellen muss man kriechen, um Lichtsituationen auszuprobieren.' Danach wird mit entkoppelten Aufsteckblitzen gearbeitet, die mit farbigen Gels manipuliert werden. Das Interieur wird auf diese Weise eingefärbt, die ursprünglich im Gasthof dominierenden Farben verschwinden."

Weiteres: Welt und FAZ informieren über die aktuelle Art Basel. Besprochen wird Sivasubramaniam Kajendrans Ausstellung, "Ecology of Resilience" in der Gallery Under the Mango Tree (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.06.2025 - Kunst

Sara Bjarland: Stranding, 2025. Helsinki Biennial 8.6.-21.9.2025, Vallisaari Island. Photo: HAM / Helsinki Biennial / Sonja Hyytiäinen


"Shelter", also "Schutz" lautet der Titel der diesjährigen Helsinki-Biennale, aber es geht hier, anders als derzeit sonst in Finnland, nicht um die Bedrohung durch Russland, sondern um die Beziehung zwischen Mensch und Natur, erzählt Saskia Trebing in Monopol. Neue Räume des Schutzes für Tiere, Pflanzen, Pilze, Insekten und Mineralien stehen im Vordergrund, gelegentlich erscheinen die Werke dabei allerdings zu "gefällig", räumt sie ein: "Die Arbeit von Sara Bjarland nähert sich dem Thema der nicht-menschlichen Wesen mit bildhauerischer Präzision und Leichtigkeit. Sie hat aufblasbare Pooltiere in Form von Delfinen aus Bronze nachgegossen und diese auf Felsen nahe dem Ostseeufer von Vallisaari platziert. Da liegen sie nun, angespült und fast camoufliert, diese scheinbar leicht erschlafften Wesen, die doch aus knallhartem Metall bestehen und sowohl auf die Plastikvorliebe des Homo sapiens als auch auf die Gefährdung der echten Meeressäuger verweisen. Hier liegt es, das Anthropozän, aber in Ferienparadies-Optik."

Bild: Alice Adams: Threaded Drain Plate. 1964. Zürcher Gallery New York. Collection of Beth Rudin DeWoody © Howcroft Photography Boston.

Im Jahr 1966 kuratierte Lucy Lippard in der Fischbach Gallery die Ausstellung "Abstract Erotic", bei der auch Werke von Alice Adams, Eva Hesse und Louise Bourgeois gezeigt wurden. Die Werke der drei Frauen hat die Londoner Courtauld Gallery nun noch einmal zusammengetragen und im Guardian erkennt Adrian Searle das Ephemere der Arbeiten: "Auch wenn die Ideen noch lebendig sind, sind viele der Werke, die Hesse aus handgegossenen Latexharzplatten schuf, heute nur noch schwer zu zeigen oder zu konservieren, da das Material im Laufe der Zeit durch die Einwirkung von Tageslicht nachgedunkelt und brüchig geworden ist. Dasselbe gilt für die Skulpturen, die Bourgeois mit Latex herstellte. Einige von Bourgeois' Skulpturen sind dunkel geworden und verschrumpelt und wirken wie archäologische Relikte, wenn nicht gar wie Versteinerungen. Ihre Latex- und Stoffskulptur 'Le Regard', eine Art runde Schale oder ein Gefäß, das aufgeschnitten wurde, um etwas zu enthüllen (sind da Zähne drin, ist das ein Auge oder eine Klitoris?), scheint nun einer archaischen Vergangenheit anzugehören. Vielleicht kann Zeitlosigkeit immer nur zufällig sein."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.06.2025 - Kunst

Unabashedly erotic … Compass, 2013, by Jenny Saville. Photograph: Mike Bruce/© Jenny Saville. All rights reserved, DACS 2025. Courtesy Gagosian

Beeindruckt wandert Guardian-Kritiker Jonathan Jones in der National Portrait Gallery in London zwischen den gigantischen Porträts von Jenny Saville hin und her, die ihm mit ihrer Körperlichkeit geradezu auf den Leib rücken: "In ihren gigantischen frühen Leinwänden strecken sich die Brustwarzen, Bäuche und Hüften episch in Richtung Blick. Sitzend auf einem Hocker mit fleischigen Beinen oder in einem Winkel liegend, der ein riesiges, haariges Nest aus Schamhaar direkt neben einem entstehen lässt, überwältigen einen diese Frauen auf wunderbare Weise. Beim Gehen zwischen ihnen taucht ein körperliches Detail nach dem anderen auf, erweitert, so lebendig, dass sie noch zu wachsen scheinen. Größenverhältnisse in der Kunst können mehr bewirken, als nur beeindruckend, wichtig oder skurril zu wirken. Sie können die Beziehung zwischen Kunst und Betrachter verändern, ja sogar Subjekt und Objekt magisch vertauschen. Wenn Saville große nackte Menschen malt, sind diese lebendig. Und wenn sie Schmerz malt, ist die Wirkung erschreckend, weil sie einen hinter die Augen der Verletzten führt."

Weiteres: Dorothea Marcus berichtet in der taz vom 8. Africologne-Festival in Köln. Jonathan Guggenberger besucht für monopol den ukrainisch-amerikanischen Porträt-Maler Daniel Spivakov in seinem Studio in Berlin. Silke Wichert gratuliert in der NZZ dem Kölner Taschen-Verlag, der seit 45 Jahren opulente Kunstbände herausbringt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.06.2025 - Kunst

Deneth Piumakshi Veda Arachchige, Installationsansicht, 12. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, Foto: Silke Briel

Zeit-Autor Hanno Rauterberg begegnet in Berlin einem Fuchs und nimmt das als gutes Zeichen. Denn die von ihm besprochene Berlin Biennale für Gegenwartskunst (siehe auch hier) kommt erstaunlich unverbissen daher; vielmehr begegnet er jeder Menge fuchsartig-verschmitzter Kunst: "Hier verblasst die übliche Sittenstrenge des postkolonialen Diskurses, der über viele Jahre die Gegenwartskunst beherrschte. Hier gibt es einen Comedy-Club mit bosnischem Einschlag, es gibt Sturz- und Stolpervideos aus dem polnischen Widerstand, dazu den größten Büstenhalter der Kunstgeschichte. (…) Auch Ausflüge in eine eher lyrische Absurdität bietet diese ungemein facettenreiche Biennale: So lässt Gernot Wieland neben einem Fuchs auch einen Walfisch auftreten, von dem er verschluckt wird wie einst der Prophet Jona." 

Nichts bewegt sich. Jörg Häntzschel ist in der SZ ganz und gar nicht glücklich darüber, wie Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume und andere Verantwortliche in der schwelenden Raubkunstaffäre (siehe unsere diversen Resümees hier) agieren. Häntzschel zählt eine Reihe fragwürdige Personalentscheidungen Blumes auf und kommt schließlich auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen zur Sache zu sprechen, die wissen wollten, wie Blume die Vereinbarungen zum Umgang mit Raubkunst umzusetzen wolle. In einem Statement, das der neue Generaldirektor der Staatsgemäldesammlung Anton Biebl der SZ schickte, heißt es: "Mein persönliches wie institutionelles Interesse gilt einer ernsthaften Auseinandersetzung und einer sachlich fundierten Lösungsfindung. Eine ergebnisoffene, rechtlich und historisch differenzierte Aufarbeitung liegt mir in hohem Maße auch persönlich am Herzen." Häntzschel merkt an: "Den Erben geht es indes weniger um 'Auseinandersetzung', 'Lösungsfindung' oder 'Aufarbeitung'. Es geht ihnen ganz einfach um die Rückgabe ihres gestohlenen Eigentums."

Weitere Artikel: Tobias Timm unterhält sich für die Zeit mit Wolfgang Tillmans über dessen bald eröffnende große Schau im Centre Pompidou. Philipp Meier spaziert für die NZZ über die Art Basel. Auch monopol-Autorin Saskia Trebing hält nicht viel von der Neuauflage der Reichstags-Verhüllung.

Besprochen werden die Schau "Fermenting Textiles" im Berliner Art Laboratory (taz), "Mögliche Übereinstimmung: Barlach x Sander" in der Berliner Galerie Burster (monopol), Park McArthurs "Contact M" im Museum Abteiberg, Mönchengladbach (taz), "David Hockney 25" in der Fondation Louis Vuitton, Paris (NZZ) und die Fotoausstellung "Changing Perspectives" im Wiener Westlicht (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2025 - Kunst

Camille Pissarro: Boulevard Montmartre, Abenddämmerung, 1897. © Sammlung Hasso Plattner. 

FAZ
-Kritiker Andreas Kilb schwelgt im Museum Barberini in den Landschaften und Stadtbildern Camille Pissarros. Was brachte den Maler dazu, sich immer wieder mit den Landschaften Frankreichs auseinanderzusetzen? Vielleicht war es das Gefühl der Fremdheit, deutet die Ausstellung an, denn Pissarro wurde "1830 auf der Karibikinsel Saint Thomas als Kind sephardischer Juden geboren, die vor der Inquisition aus Portugal nach Frankreich geflohen und von dort nach Dänisch-Westindien ausgewandert waren, er kam als Zwölfjähriger auf ein Pariser Internat." Pissarros Sujets, so Kilb, "mögen simpel sein, seine Kunst ist es nicht. Die Gemüsegärten, Landstraßen und Flussufer, die er an seinem Wohnort Pontoise malt, sind Wunder der Geometrie, die Rautenmuster der Felder, die Vertikalen der Pappeln und Erlen lenken den Blick wie die Bodenfliesen und Stuhlrücken bei Vermeer."

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Anna-Eva Bergman and Hans Hartung. We'll Never Be Parted" in der Kunsthalle Prag (Tsp), und im NZZ-Interview mit Rico Bandle erzählt der Kunsthändler und Regisseur Arne Glimcher von seinem Aufstieg und seiner Arbeit.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.06.2025 - Kunst

Annegret Erhard sieht sich für die NZZ in der Liechtensteiner Hilti Art Foundation um, wo die neue Direktorin Karin Schick in ihrer ersten Ausstellung "InTouch" überraschende Dialoge zwischen den Kunstwerken zustande bringt: "Sie verfolgt mit Werken von Kandinsky, Kirchner, Feininger, Macke, Picasso und all den anderen Vordenkern unserer Zeitgenossen, einen Pfad, der die Gemeinsamkeiten, aber oft auch die Gegensätze augenfällig macht. So prallt die kühl konstruierte Situation eines Raddampfers vor bedrohlichen Wellentürmen von Lyonel Feininger mit dem ungebändigten Furor Ernst Ludwig Kirchners zusammen. Dieser schildert nämlich den 'Weg zur Staffelalp' 1919 als überbordendes Ergebnis seines 'Fanatischen Naturstudiums', wie er selbst einmal seine Ideensuche jener Jahre bezeichnete."

Weitere Artikel: Es ist wieder mal Art Basel-Zeit, das nimmt Philipp Meier in der NZZ zum Anlass, über die aktuellen Entwicklungen am Kunstmarkt auf dem Laufenden zu halten. Er lässt sich zudem von Katharina Grosse beeindrucken, sie ist dieses Jahr die Künstlerin, die den Messeplatz vor der Art Basel gestaltet. Florian Heimhilcher gratuliert dem Künstler Jim Dine in der FAZ zum Neunzigsten.