Jörg Häntzschel nimmt die
Bayerischen Staatsgemäldesammlungen derzeit ganz genau unter die Lupe. Das
SZ-Feuilleton widmet ihnen den Aufmacher mit zwei Artikeln: Neben dem mangelhaften Umgang mit NS-Raubkunst waren die Sammlungen auch wegen Chaos,
Überwachung der Angestellten und
Sicherheitsmängeln in die Kritik geraten (
unsere Resümees). Hunderte Mails, Fotos, Protokolle und andere Unterlagen liegen der
SZ laut Häntzschel vor, die viele der Vorwürfe - anonym - bestätigen. Interessant ist vor allem, was über die Sicherheit bekannt wird: "Um Geld zu sparen, setzen die Pinakotheken neben angestellten Aufsichten
externe Security-
Leute ein, die vielleicht gestern ein Bierzelt bewacht haben und vorgestern ein Fußballstadion. ... Diese Hilfskräfte, ausgestattet mit Schlüsseln und Zugangscodes zu unschätzbar wertvoller Kunst, sind den Museen
namentlich nicht immer bekannt. Das zumindest muss man aus den der
SZ vorliegenden Mitarbeiterlisten schließen, die die privaten Firmen, die oft auch noch Subunternehmer beschäftigen, bei den Pinakotheken abgeben müssen. Mal fehlen dort die Namen ganz, mal sind Vor- und Nachnamen unterschiedlich kombiniert, als habe jemand versucht,
aus einer Person zwei zu machen."
Aber auch das
Olaf-Gulbransson-Museum in Tegernsee, den kleinsten Außenposten der Staatsgemäldesammlungen, hat Häntzschel im Visier. Zuständig für das Haus ist die Olaf-Gulbransson-Gesellschaft, die von dem Düsseldorfer Kunsthändler
Michael Beck geleitet wird, der dort auch Ausstellungen kuratiert. "Seit wann dürfen private
Galerien mit kommerziellen Interessen unter dem Dach der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen eigene Ausstellungen kuratieren", fragt sich Häntzschel. Auf Anfrage gibt Beck an, "nicht er, sondern die Olaf-Gulbransson-Gesellschaft entscheide, welche Kunstwerke ausgestellt würden."
Weitere Artikel: In der
FAZ zeichnet der Kunsthistoriker
Hubertus Butin derweil die Geschichte des Schweizer Umgangs mit NS-Raubkunst nach, um schließlich bei
Philipp Hildebrand, dem Präsidenten der Zürcher Kunstgesellschaft, die das
Kunsthaus Zürich betreibt, zu enden: Der hatte versucht, die Gesetzesvorlage zur Bildung der "Expertenkommission für historisch belastetes Kulturerbe" zu torpedieren.
Mit etwa 300 Werken ist der
Hamburger Kunsthalle eine überragenden Schau gelungen staunt Till Briegleb ebenfalls in der
SZ, der in der Schau "Rendevouz der Träume" den bisher "wenig beachteten Forschungsreisen der Surrealisten in die deutschen Seelengrotten" der Romantik nachspürt. "Historisch betrachtet, und auch das erzählt diese Ausstellung, verbindet
deutsche Romantik und Surrealismus natürlich die massive Opposition zu den vorherrschenden Rationalitätsdogmen ihrer Zeit. Und das drückt sich in ähnlichen Kunststrategien aus: etwa in der
Begeisterung für den Zufall, für die überraschende Kombination und die Umwertung von Sinnelementen oder im Ideal der subjektiven Freiheit als Reaktion auf gesellschaftliche Tendenzen der Uniformierung. Schließlich lebten die Romantiker wie die Surrealisten trotz ihrer heutigen Prominenz zu ihrer Zeit unter der Treppe der
protestantischen Wirtschafts- und
Fortschrittsethik, wenn auch in unterschiedlichen Abschnitten des kapitalistischen Triumphzugs. Das produzierte in beiden Jahrhunderten jenes kreative Unbehagen, das nach Renitenz und Ausweg suchte, und dabei sein Material in Tag- und Nachtträumen fand, wo Logik keinen Zutritt hat."
Besprochen werden die Ausstellung "Andere Intelligenzen" im
HEK Basel (
FAZ), die Installation "Steve McQueen, Bass" im
Schaulager Basel (
Welt), die Ausstellung "Survival Kit. Between Us and History: The Hidden Archive" in der
ifa-Galerie in Berlin, in der sich
Aicha Sy auf die Spuren der Bilder ihres Vaters, des senegalesischen Künstlers
El Hadji Sy, begibt (
Tsp) und die Paolo Veronese-Ausstellung im
Prado in Madrid (
FAZ).