Mehtap Baydu, Mitgift-Çeyiz-Dowry, 2024-25 Migration und Identität, Herkunft und Heimat, Geschlecht und Körper sind die Leitthemen der deutsch-kurdischen Künstlerin Mehtap Baydu - und die bringt sie in eine poetische Form, stellt Ingo Arend (taz) in der Ausstellung "Lass deinen Regen regnen" in der Kunsthalle Baden-Baden fest: "Eines der ersten Beispiele dieser unnachahmlichen Fähigkeit zur poetischen Formgebung ist die von Baydu erfundene Person des Osman. Auf einer Fotografie verkörpert die Künstlerin selbst den fiktiven, Fotografien der 60er Jahre nachempfundenen, 'Gastarbeiter', den sie 2009 erfolgreich einige Jahre in der Westerwald-Gemeinde Hachenburg anmeldete. In einem winterlichen Schneefeld auf einem Stuhl sitzend, gekleidet in einen steifen, dunklen Männeranzug nach Art der frühen Gastarbeiter, repräsentiert die Figur einen sozialen Typus. Zugleich unterläuft sie aber dieses Rollenbild als verwirrender, androgyner Zwitter, dessen Lippen ein feines Lächeln wie das der Mona Lisa umspielt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Für die Welt spricht Michael Pilz mit dem vor allem für seine Kanzlerporträts von Helmut Kohl berühmt gewordenen Fotografen Daniel Biskup, dessen Bildband "Spuren" mit Aufnahmen von sozialistischen Wandbildern und Industrieruinen der Nachwendejahre gerade erschienen ist, über den Graben zwischen Ost und West: "Seit der Flüchtlingskrise fühlen sich manche sogar als Bürger dritter Klasse. Nach der Wahl 2017 war ich in Dorfchemnitz, dem ersten Ort, wo die AfD schon auf fast 50, auf 48 Prozent kam. Die einzige Politikerin, die dort war und mit den Leuten gesprochen hatte, war Frauke Petry. Dort hat sich auch das Narrativ verfestigt: Für die Flüchtlinge ist Geld da, für uns und unsere Orte nicht. Die AfD spielt solche Themen."
Weitere Artikel: Andreas Kilb betrachtet für die FAZ die Bronzen von San Casciano dei Bagni in der James-Simon-Galerie in Berlin. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "I'm searching" mit Werken des niederländisch-amerikanischen Künstlers Bas Jan Ader, der vor 50 Jahren auf einer Segeltour verschwand, in der Hamburger Kunsthalle (taz).
Die Hannoveraner Provenienzforscherin Annette Baumann hat ihre Recherchen zur umstrittenen Sammlung Doebbeke im Sprengel Museum veröffentlicht. Taz-Kritikerin Nadine Conti ist nicht ganz zufrieden, insbesondere weil die Vorwürfe, die Stefan Koldehoff im Deutschlandfunk-Podcast "Tatort Kunst" erhebt, nämlich mangelnde Kooperationsbereitschaft, kaum entkräftet werden: Als "die von vielen erwartete Frage nach dem Podcast kam, bürstete Museumsdirektor Reinhard Spieler sie mit drei Sätzen ab: Man hätte an diesem Podcast vieles zu kritisieren, wolle das hier aber jetzt nicht tun und auf gar keinen Fall würde man sich Restitutionen verweigern. Punkt. Aus. (…) Der unsouveräne Umgang mit Kritik ist auch deshalb schade, weil diese Geschichte nun erst recht Baumanns Arbeit überschattet. Dabei hat die Provenienzforscherin ja durchaus einen Punkt, wenn sie (…) sagt, dass sich der Erwartungsdruck in der Öffentlichkeit oft beißt mit den Bedingungen in der Provenienzforschung", die mit "gewaltigen Lücken in der Überlieferung" und Geldmangel zu kämpfen habe.
Steve McQueen: Bass. Bild: Pati Grabowicz. NZZ-Kritikerin Maria Becker begibt sich "in eine verstörende Klanghöhle" beim Besuch von Steve McQueens Installation "Bass" im Schaulager Basel: In einem raumgreifenden Zusammenspiel aus Basstönen und Farblichtern widmet sich der Künstler der "middle passage", der Zeit also, in der Teile Europas durch Sklavenhandel reich wurden: "Zum Kalkül der Händler gehörte nicht nur die Nutzung der Sklaven als Ware, sondern auch der Verlust der Menschenwürde. Durch die Dunkelheit in den engen Räumen des Schiffsbauchs verloren die verschleppten Afrikaner ihr Zeitgefühl. Die ehemals freien Menschen wurden auf ihr Schicksal als Sklaven vorbereitet. Leid, Elend und Desorientierung waren Programm. McQueen hat die 'Middle Passage' einige Jahre als Idee mit sich herumgetragen. Es fasziniert ihn die Frage, wie diese Erfahrung der Raumlosigkeit durch ein bestimmtes Klangspektrum erzeugt werden kann. Sein Werk 'Bass' bringt sie in eine abstrakte und radikal reduzierte Form. Von der Beklemmung bleibt allein die Wahrnehmung des Orientierungsverlusts."
Weiteres: Monopolberichtet von der Trauerfeier für Günther Uecker.
Joseph Hanimann berichtet anlässlich der Ausstellung "Mission Dakar-Djibouti - Contre-enquête" im Pariser Musée du Quai Branly für "Bilder und Zeiten" (FAZ) über die Forschungsexpedition quer durch Afrika, die der Ethnologe Marcel Griaule von Mai 1931 bis Februar 1933 durchführte: Den Expeditionsbericht schrieb damals Michel Leiris, dessen Feldtagebuch "L'Afrique fantôme" in einer "exzellenten Edition" kürzlich unter dem Titel "Phantom Afrika" auf Deutsch erschien und der die teils sehr unfeinen Methoden der Aneignung von Artefakten nicht beschönigte: "So Anfang September 1931 in der Gegend von Kéméni, im heutigen Mali. Dort hatten die Franzosen an einer Opferstätte ein Fetischobjekt ausgemacht, das sie gern näher ansehen wollten. Die Unterredung mit dem Vorsteher des Orts zieht sich in die Länge, bis der Expeditionschef Griaule die Geduld verliert und diesem mitteilen lässt, man wolle sie da offensichtlich an der Nase herumführen, deshalb müsse das Ding ihnen unverzüglich ausgehändigt werden, andernfalls würden sämtliche Notabeln des Dorfs von den (angeblich) im Auto wartenden Polizisten zum Verhör abgeführt. Griaule und Leiris wickeln dann höchstselbst, da keiner der umstehenden Männer sich traut, den Fetisch in ein Tuch und verlassen den Ort 'wie Diebe', so Leiris in seiner Aufzeichnung."
Weitere Artikel: Hilka Dirks besucht für die taz den Berliner KunstraumCCA. Hubertus Butin erzählt in der FAZ die Geschichte von Georg Kolbes Tänzerinnen-Brunnen für den in Theresienstadt ermordeten Versicherungsdirektor Heinrich Stahl, der im Garten des Berliner Georg Kolbe Museum steht, und er kritisiert die Museumsdirektorin Kathleen Reinhardt, die von Raubkunst in diesem Fall nichts wissen wolle.
Besprochen werden außerdem eine Ausstellung der Sammlung Christoph Müllers im Berliner Kupferstichkabinett (Tsp) und die Ausstellung "Wangechi Mutu: Black Soil Poems" in der Galleria Borghese in Rom (monopol).
Weitere Artikel: Anlässlich seines neuen Buches "Kunst in Sicht", für das Otto Waalkes Meisterwerke der Kunstgeschichte mit Ottifanten neu interpretiert hat, spricht David Steinitz in der SZ mit dem Comedian über Kiffen, Kunst, Kino und das Studium an der Hamburger Kunsthochschule. Besprochen werden die Ausstellung "Sehend denken - 100 Jahre Lucius und Annemarie Burckhardt" in der Universitätsbibliothek Basel (taz) und eine Henri-Cartier-Bresson-Ausstellung im Wiener Fotoarsenal (Standard).
Bild: Tomasz Sikorski, RESISTANCE, 1981, London Video Arts & Air Gallery, Londyn Die Relevanz von Kunst für die Widerstandskraft einer Gesellschaft ist meist in Osteuropa zu erleben, jüngst etwa in der Ausstellung "The Cynics Republic - Plac Defilad" des Warschauer Moderne-Museums, meint Regine Müller in der taz: Kunst aus dem politischen Widerstand gegen die sozialistischen Regime Osteuropas seit den 1960er Jahren wird hier derzeit Werken aus der österreichischen, auf Kunst aus Osteuropa spezialisierten Kontakt Sammlung gegenübergestellt, die vor allem Neo-Avantgarde-Kunst enthält: "Die besteht vor allem aus dokumentierten Performances. Deren kargen Materialien verdanken sie jener Zeit des Mangels, oft arbeiten sie mit Mitteln der Selbstironie und des Humors. Wenn etwa ein grobkörniges Video einem ernst Dreinschauenden beim rituellen Kürzen seines Bartes zuschaut. Oder wenn der kroatische Performancekünstler Slaven Tolj zwischen einer Wodka- und einer Whiskeyflasche sitzt und immer wieder aus einem Shaker nascht, in dem beide hochprozentige Stellvertreter zweier Welten ein explosives Gemisch ergeben. Das Ergebnis ist ein Ohnmachts-Rausch, der Titel des Videos lautet ziemlich visionär 'Globalisation'."
Pascal-Désir Maisonneuve: Sans titre. Crédit photographique : Centre Pompidou, MNAM-CCI/Audrey Laurans/Dist. GrandPalaisRmn Sperrig sind sie, mitunter roh, doch Bernhard Schulz (Monopol) kann sich der Faszination der rund 400 Werke, die die Ausstellung "Art brut. Dans l'intimité d'une collection. Donation Decharme au Centre Pompidou" im Grand Palais in Paris derzeit zeigt, nicht entziehen: So "stoßen die Besucherinnen und Besucher auf ungemein detailreiche Zeichnungen, die aus Schachteln hervorgehen oder ursprünglich zusammengebunden sind; wie Logbücher der inneren Befindlichkeit. Es sind Werke, die nicht auf eine Betrachterin oder einen Betrachter zielen, sondern im Gegenteil verborgen bleiben, offenkundig nur ihrem jeweiligen Schöpfer. So von dem 2015 verstorbenen Zdenek Kosek, der sich nach einem traumatischen Erlebnis in seine eigene Welt zurückgezogen hatte. Von ihm stammt das im umfangreichen Katalog wiedergegebene Zitat, 'Wenn ich nicht versuchte, die Probleme der Welt zu lösen, wer sonst würde es dann machen?'"
Weitere Artikel: Im Tagesspiegelannonciert Birgit Rieger ein Symposion am Berliner Georg Kolbe-Museum zur Provenienz von Kolbes Tänzerinnenbrunnen im Museumsgarten.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Welto and the Sacred Bush" in der Spore Initiative über karibische Gärten als Alternative zur Monokulturlandwirtschaft (taz) und die Ausstellung "Schweizer Schätze aus dem Museum Langmatt" im Wallraf-Richartz-Museum & Foundation Corboud in Köln (FAZ).
Ausstellungsansicht "Werner Tübke. Metamorphosen". Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz Das Frankfurter Städel ist durch die Schenkung Beaucamp an Zeichnungen Werner Tübkes gelangt - und präsentiert sie nun in einer spektakulären Schau. Beaucamp war bekanntlich FAZ-Kritiker und feierte jahrelang die handwerklich so versierten und konservativen DDR-Künstler als Alternative zum unordentlichen Betrieb im Westen. Stefan Trinks rekonstruiert in der FAZ die heterogenen, bis in die Kunst des Mittelalters zurückreichenden Einflüsse, die Tübkes Bilder amalgamieren und stößt anschließend zum inhaltlichen Kern des Werks vor: "Die spektakuläre Auswahl ermöglicht einen Gang durch Tübkes Œuvre von den Fünfzigern bis in die frühen Zweitausenderjahre, entlang seiner konstanten Zerrissenheit und lebenslangen Parteinahme für die Verlierer der Geschichte, wie die unterlegenen Bauern im Krieg von 1525 oder jene der unausgesetzten sozialen Aufstände von der französischen Revolution bis ins zwanzigste Jahrhundert. Die Erinnerungsarbeit und sympathetische Parteinahme konnte auch Tote umfassen, derer als Individuen jenseits staatlicher Rituale in der abstrakten Nachkriegskunst lange niemand gedachte, vor allem jene des Holocaust, denen Tübke die langjährige und vielgestaltige Bildfolge 'Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze' als Opfern grausamster Willkürjustiz widmete."
Judith von Sternburg stürzt sich für die FR ebenfalls auf die in mehrere inhaltliche Blöcke aufgeteilte Tübke-Schau und ist besonders angetan von der "wirklich fabelhaften Abteilung 'Fabeln'". Hier "lässt sich gleich ein Einhorn mit verbundenen Augen erschlagen, der Mann holte schon mit dem Hammer aus. Die Umstehenden aggressiv und erpicht. Auf den Zeichnungen Tübkes tun Menschen furchtbare Dinge. Sie tun dies in unerklärlichen Situationen. Das wie getarnt Unrealsozialistische an Tübkes Bilderwelt besteht nicht zuletzt darin, dass man zunächst vieles erkennt und den Eindruck haben muss, hier werde eine Geschichte erzählt. Erst dann begreift man, dass diese Geschichte nicht zu erklären, dass sie ohne Worte ist."
Weitere Artikel: Alexandra Wach bespricht in der FAZAnke te HeesensBuch über künstlerische Frauenzimmer. Rumänien erhebt Anspruch auch ein El-Greco-Gemälde, meldet Olga Kronsteiner im Standard. Dirk Schümer berichtet in der Welt über eine Gefängniskapelle in Soest, die zu einem Museum ausgebaut wird, das sowjetischer Kriegsgefangener gedenkt, die in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs "durch gezieltes Aushungern, medizinische Vernachlässigung, katastrophale Unterbringung und direkte Ermordungen" ums Leben kamen.
Besprochen werden die Ausstellung "Lenins Tod. Eine Sektion. Psychiatrie, Pathologie und Propaganda" im Medizinhistorischen Museum Hamburg (SZ), Nina Könnemanns Schau "BLOCKEN" im Berliner Haus am Waldsee (BlZ), "Happy Place", die dritte Freiburg Biennale für Gegenwartskunst (taz) und Pia Lanzingers Schau "Little Big Cha(lle)nges" im Berliner CLB (taz).
"Polympsest" ist die Serie von siebzehn neuen Bildern benannt, die Norbert Bisky zum Einstand der in Berliner Galerie Esther Schipper ausstellt und Ingeborg Ruthe bewundert in der FR die fragmentierten Gestalten, die auf mitunter roh belassenen Leinwänden zwischen urbanen Landschaften und ruinösen Plattenbauten umherirren und ihr die "Folgen der Polykrise für Psyche und Gesellschaft" zeigen: "Die scheinbar bunte und verspielte Ästhetik hat etwas Kämpferisches, nicht nur in ihren narrativen Anspielungen auf soziale Unruhen, sondern auch in ihrer Beharrlichkeit auf einer gesellschaftspolitisch kodierten Farbgebung. Vermeintlich Sicheres mischt sich mit Unsicherem, Tradition mit Moderne, Normalität mit dem immerfort alarmistischen Ausnahmezustand. Die Großstadt mit ihren eher disparaten Communitys und Parallelgesellschaften; Wohnviertel und Infrastruktur gentrifiziert oder aber gleichgültig und ideenlos dem Verfall ausgeliefert. Mal große Party, freizügig karnevalesk und zum friedlichen Demonstrieren bereit, oder aggressiver Proteste wütender Massen. Junge Männer in scheinbar konfrontativen Gruppen, vermummt, maskiert, schreiend, gestikulierend, die Finger zum Pistolenschuss geformt."
Jimmi Wing Ka Ho, The view of St. Michael's Cathedral, Qingdao, 2024 Nicola Kuhn (Tagesspiegel) kommt durchaus irritiert aus der Ausstellung "Invisible City" im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, in der der Fotograf Jimmi Wing Ka Ho Aufnahmen aus der einstigen deutschen Kolonialstadt Qingdao an der Nordostküste Chinas, die heute als touristische Attraktion dient, zeigt: "Jimmi Wing Ka Ho brachte von seiner Reise unter anderem das schwankende Video aus dem Ausflugspark mit, welches nun seine Kölner Ausstellung 'Invisible City' eröffnet und suggestiv ein Gefühl der Verunsicherung auslöst. Auch den Künstler irritierte, wie herausgeputzt die deutsche Vergangenheit im Stadtbild erscheint, als wäre es nur eine harmlose Periode gewesen. Die Spuren der darauffolgenden japanischen Besatzung bis 1945 werden dagegen eliminiert. Der 32-Jährige kam noch rechtzeitig, um brüchige Häuser dieser Periode zu fotografieren, bevor sie abgerissen werden. An ihnen manifestiert sich für China das 'Jahrhundert der Demütigung', welches bei den Bauten der deutschen Kolonisatoren ausgeblendet bleibt."
Weitere Artikel: In der SZ gratuliert Elke Heidenreich dem Berliner Maler und Zeichner Michael Sowa zum Achtzigsten.
Besprochen werden die Ausstellung "Engel der Geschichte" im Berliner Bode-Museum (NZZ) und die Helsinki-Biennale (FAZ).
Verstörend findetMonopol-Kritiker Sebastian Frenzel Jordan Wolfsons Installation "Little Room" in der Fondation Beyeler während der Art Basel. Dort muss man sich in Paaren zusammenfinden, ein Scanner vermisst beide Körper und erstellt Avatare, eine düstere Stimme flüstert einem dann fiese Botschaften ins Ohr: Das "entfaltet blanken Horror: ein klinisch-weißer Raum, in dessen Linien man wie in einem Koordinatensystem gefangen ist. Das Gefühl, des eigenen Körpers beraubt, missbraucht worden zu sein. Eine illegitime Verletzung der leiblichen Grenze, über die einen kein Erzählstrang, keine Erklärung hinwegtäuscht. Jemand hat sich deiner bemächtigt, einfach weil er es kann. Weil er Gott spielt. Funny Games."
Weiteres: Justine Konradt interviewt die Haar-Künstlerin Laetitia Ky für Monopol. Arno Widmann erinnert in der FR an die erste Dada-Ausstellung, die heute vor 105 Jahren eröffnet wurde. Stefan Trinks gratuliert dem Künstler Sean Scully in der FAZ zum Achtzigsten. Der Pariser Louvre soll umfangreich renoviert werden, Frankreich hat dafür einen Architekturwettbewerb eröffnet, meldet die FAZ. Besprochen werden das Fotografie-Projekt "American Glitch" von Andrea Orejarena und Caleb Stein (NZZ) und die Ausstellung "Michael Sowa: Fragile Idyllen" im Caricatura Museum Frankfurt (FAZ).
Gerhard Richter: Mutter und Tochter, 1965. Bild: Gerhard Richter.
Die 21 Kunstmuseen des Ruhrgebiets arbeiten in der Ausstellung "21 × 21" in der Villa Hügel in Essen erstmals alle zusammen, Hubert Spiegel erklärt in der FAZ, wie das Ausstellungsprinzip funktioniert: "Jedes der beteiligten Museen durfte ein Werk aus seiner Sammlung auswählen, das als 'Impulswerk' in der Villa Hügel mithilfe von Spiegelelementen herausgehoben präsentiert wird (…) So kommt es zu Korrespondenzen, Parallelen, Brüchen, Konfrontationen - ein reizvolles Spiel mit den Standorten und Beständen, aber auch ein reizvolles Spiel der Genres, Gattungen, Stile und Epochen." Es geht viel um Umbrüche: "Der Stahltisch des Beuys-Schülers Anatol Herzfeld ist ein Relikt der Düsseldorfer Aktion 'Drama Tisch' von 1968 und wird mit Emil Schumachers expressionistischem Weltkriegsgemälde 'Der grüne Tisch' konfrontiert. Wolf Vostells "'ou are Leaving the American Sector' thematisiert die Teilung Deutschlands, während Richard Serras Kapuzenmann aus dem Gefängnis Abu Ghraib mit der Aufschrift 'Stop Bush' eine unmittelbare Reaktion auf Ereignisse des Irakkriegs darstellt."
Im Tagesspiegelfreut sich Bernhard Schulz, dass vor einigen Jahren Grabungen in San Casciano dei Bagni nicht nur ein antikes Bad erschlossen, sondern auch etruskische Büsten zum Vorschein gebracht haben, die nun als "Die Bronzen von San Casciano" in der Berliner James-Simon-Galerie ausgestellt werden: "Lebensgroße Figuren wurden geborgen, etwa ein bogenschießender Apoll, aber auch ein als schwerkrank bezeichneter und daher Heilung suchender junger Mann. Oder die Büste einer vornehmen Dame mit kunstvoller Frisur. Jüngst kam die Bronze eines Kind mit einem beweglichen Ball hinzu. 15 der großen Bronzen werden nun in Berlin zu sehen sein, in der dafür bestens ausgestatteten James-Simon-Galerie, dazu etliche der kleineren Funde (…) Über die Aktualität, die in der Antike steckt, braucht man kaum zu richten: Sie liegt auf der Hand. Denn dass der Fundort sich in unmittelbarer Nachbarschaft eines bis heute genutzten Thermalbeckens befindet, gibt dem ganzen fast so etwas wie Zeitgenossenschaft."
Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ macht uns Barbara von Machui mit dem bewegten Leben der Künstlerin Ré Soupault bekannt: "Sie war Bauhaus-Schülerin, Experimentalfilmerin, Modezeichnerin, Modedesignerin, Modejournalistin, Fotografin, Fotoreporterin, Übersetzerin, Radiojournalistin und jahrzehntelang, mal näher, mal ferner, Gefährtin des damaligen Starjournalisten und Surrealisten Philippe Soupault. Sie lebte in Pommern, Weimar, Berlin, Paris, Tunis, Algerien, New York, Basel und wieder in Paris. Sie war Vagabundin, Exilantin, immer dabei, sich neu zu erfinden und ihren vielfältigen Begabungen nachzuspüren."
Weiteres: Rainer Stamm erinnert in der FAZ an das "Ideal der Sachlichkeit", das sich Malerei und Kunst in den 1920er Jahren auferlegt hatten. Alexandra Wach schaut sich für die FAZ auf der CAN Art Fair auf Ibiza um. Dirk Schümer besichtigt für die WamS die französische Kapelle in Soest, die von Kriegsgefangenen errichtet und künstlerisch ausgestaltet wurde. Tania Martini, Harald Staun, Mark Siemons und Anna Vollmer denken in der FAS über das bekanntermaßen auch von Walter Benjamin hochgeschätzte Gemälde "Angelus Novus" von Paul Klee nach, das gerade im Bode Museum zu sehen ist.
Besprochen werden: Die Ausstellung "I'm So Happy You're Here" mit japanischen Fotografien im Fotografie Forum Frankfurt (Taz), die Ausstellung "Rolf Sachs: be-rühren" in der Kunsthalle Schweinfurt (FAZ), die etwas fehlgeschlagene Restaurierung der Esperanza Macarena in Sevilla (Wams) und Klára Hosnedlovás Installation "Embrace" im Hamburger Bahnhof, finanziert vom Chanel Culture Fund (Wams).
"Who hasn't wanted to strangle their mother, at least once?" … Aneta Grzeszykowska's Mama #29. Foto: Aneta GrzeszykowskaEine unheimliche Ausstellung besuchtGuardian-Kritikerin Ariela Bard in der Buxton Contemporary in Melbourne: Unter dem Titel "The Veil" hat die polnische Fotografin Aneta Grzeszykowska sich selbst als Silikonpuppe nachgebildet und Aufnahmen von ihrer siebenjährigen Tochter Francziska samt Puppe gemacht, "die mit ihr spielt, sich um sie kümmert und sie terrorisiert. Es ist ein subversiver Akt, der die heiligsten Beziehungen - die zwischen Mutter und Kind - nimmt und umdreht (...) Ein unheimliches Bild aus der Mama-Serie, das durch einen Spalt in der Badezimmertür aufgenommen wurde, zeigt Francziskas Hände, die nach dem Rücken und dem Hals der Puppe greifen. Aber so wie Hitchcock Humor einsetzte, um Dunkelheit und Gewalt auszudrücken, so hat das Bild auch etwas Komisches an sich. Wer wollte seine Mutter nicht schon einmal erwürgen?"
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