Die SZ erscheint heute mit einer großen Exklusiv-Reportage, in der Konstantin Wecker die Beziehung mit einer Minderjährigen vorgeworfen wird. Wecker ließ über seinen Anwalt eine Entschuldigung ausrichten. In der Zeit berichtet Christina Reitz von den Zweifeln, ob Johann Sebastian Bach tatsächlich der Komponist der beiden neu aufgetauchten Stücke ist. So sei etwa der Bach-Schüler Salomon Günther John, der als Kopist der beiden Partituren gilt, zum Zeitpunkt der Niederschrift höchstens zehn bis zwölf Jahre alt gewesen. Die Zeit erscheint heute außerdem mit einer kleinen Musik-Beilage, die ein Interview mit dem Gitarristen Jeff Parker über das neue Tortoise-Album und ein Porträt der britischen Organistin Anna Lapwood enthält.
Besprochen werden das neue Sudan Archives-Album "The BPM" (FR) und ein Konzert des Quartetts von Charles Lloyd beim Enjoy-Jazz-Festival in der Christuskirche von Mannheim (FAZ).
Zwei neu aufgetauchte - oder zumindest erst jetzt dem Komponisten gesichert zugeschriebene - frühe Kompositionen Johann Sebastian Bachs werden weiterhin eifrig kommentiert, unter anderem von Manuel Brug in der Welt, von Michael Stallknecht in der NZZ und von Regine Müller in van. Im Tagesspiegel winkt Frederik Hanssen hingegen ab. Für ihn sind die "zwei jetzt aufgetauchten Frühwerke nichts als Staubkörner der Musikgeschichte, Fingerübungen eines Minderjährigen. Geschrieben für ein Instrument, das einst als 'Königin' galt, aber im öffentlichen Musikleben längst ein Schattendasein fristet, gerade in einer gottlosen Metropole wie Berlin. Hand aufs Herz: Wann waren Sie zuletzt in der Kirche bei einem Orgelkonzert? Und wann haben Sie in irgendeinem journalistischen Organ - diese Zeitung eingeschlossen - eine Kritik gelesen oder gehört über so eine Veranstaltung? Na also."
Gerald Felber scheint anderer Ansicht zu sein und rekonstruiert in der FAZ die "akribische Entschlüsselungsarbeit", die zur Aufnahme der beiden Stücke ins Bachwerkeverzeichnis führte: "Dass die beiden schwungvollen Stücke nach 1700 im mitteldeutschen Umkreis Bachs entstanden waren, ließ sich aus kalligraphischen Eigenheiten und den Wasserzeichen des benutzten Papiers ableiten; dass ihr Schreiber an anderen Stellen Kopien nach verbürgten Bach-Werken hinterlassen hatte, verdichtete, ebenso wie das Vorliegen bestimmter stilistischer Eigenheiten, die sich damals außer bei Johann Sebastian bei keinem anderen Komponisten finden, die Vermutung, dass auch die Originale der beiden in Brüssel überlieferten Stücke Kompositionen Bachs sein könnten." Ein weiteres wichtiges Puzzlestück lieferte dann die Gesprächsabschrift eines ehemaligen Bach-Schülers, in dem die Werke Erwähnung finden.
Hören Sie selbst (ab 15:20):
Weiteres: In der Welt widmet sich Manuel Brug Leben und Werk der verstorbenen Kessler-Zwillinge: "Sie waren das schöne Deutschland". In der FAZ gedenkt Wiebke Hüster der Kesslers. Mehr zum Freitod der Kesslers im heutigen 9punkt. Klangmaschinen, auf denen legendäre Kraftwerk-Songs entstanden, werden in den USA versteigert, berichtet Josef Engels in der Welt. SZler Harald Eggebrecht würdigt die koreanische Star-Violinistin Hyeyoon Park anlässlich des Erscheinens ihres ersten Konzert-Albums. Daniel Gerhardt besucht für Zeit Online ein Marilyn-Manson-Konzert in Berlin - und ist ziemlich entgeistert ob der offensichtlichen Lustlosigkeit auf und vor der Bühne. Helene Slancar liest für den Standard ein Buch des Musikers Parov Stelar über seine Karriere und das wilde Musik-Biz. Max Dax spricht in der FR mit Stefan Hantel alias Shantel über dessen aktuelles Völkerverständigung-durch-Musik-Projekt "Mentsh United". Die Berliner Zeitung begleitet weiterhin, warum auch immer, Till Lindemanns Solotour und beschäftigt sich heute mit einem nichtssagenden Instagram-Kommentar seines Tour-Drummers Joe Letz. Journalismus am Limit.
Die Kessler-Zwillinge sind gestorben. Die beiden gehörten zu den wenigen internationalen Stars, die Deutschland in der Nachkriegszeit hervorgebracht hat. Alice und Ellen Kessler, geboren 1936 in Nerchau (Grimma), nach dem Zweiten Weltkrieg DDR, machten eine Tanzausbildung und zogen mit 18 Jahren nach Paris, wo die beiden blonden, langbeinigen, bildschönen jungen Frauen am Lido eine rauschende Karriere machten. "Von 1954 bis 1960 tanzten sie im Lido, später im Olympia, und natürlich war man auch im Wirtschaftswunderdeutschland auf den doppelten Exportschlager aufmerksam geworden", schreibt Arno Frank im Spiegel. "Die Kesslers drehten bald einen Film nach dem anderen, in Deutschland, Frankreich und Italien, durchweg Massenware à la 'Solang' es hübsche Mädchen gibt'." Sie tanzten "auf Bühnen von New York bis Las Vegas, von London bis Hongkong, von Buenos Aires bis Sydney. In der populären 'Ed Sullivan Show' waren sie 14-mal zu Gast und liefen dort Leuten wie Frank Sinatra, Harry Belafonte, Dean Martin oder Bing Crosby über den Weg. Unterdessen schrieben sie in Deutschland mal eben Fernsehgeschichte ('Klimbim', 'Dalli Dalli'), zeigten - eine Premiere für das Land - im italienischen Fernsehen ('Studio Uno') erstmals Bein." Die beiden haben nie geheiratet und nahmen offenbar gemeinsam "begleitete Sterbehilfe" in Anspruch, erzählt Elke Heidenreich, die auf Zeit online einen kurzen Nachruf schreibt. In der tazschreibt Jan Feddersen.
Hier singen sie 1968 ein kleines Gebet bei Ed Sullivan:
In der SZ berichtet Max Florian Kühlem von dem dreitägigen, internationalen "Ideenfestival zur Zukunft der Klassik", das die Kulturstiftung des Bundes veranstaltet hat. Klassik ist schwierig, weiß Kühlem, das "merkt man genau hier, an dieser Stelle: Bespricht das Feuilleton eine Opernpremiere im Münchner Raum nicht, hagelt es umgehend Protestbriefe. Gleichzeitig gehören solche Besprechungen zu den am wenigsten gelesenen Texten. Es ist also eine kleine, aber stabile Gruppe, die Klassik liebt und verteidigt - Teil der bildungsbürgerlichen Mittelschicht."
Weitere Artikel: Der Musiker Parov Stelar spricht im Interview mit dem Standard über sein Buch "Trip", das vom Leben als Künstler erzählt und die Abgründe der Musikindustrie nachzeichnet. In der SZ berichtet ein enthusiastischer Helmut Mauró über die Entdeckung zweier Orgelstücke von Johann Sebastian Bach durch den Musikwissenschaftler Peter Wollny: "Der erste Eindruck: Knapp konzentrierte, hochambitionierte kontrapunktische Figuralkunst, die zu einem 17-jährigen Hochbegabten passt. Eines ist klar: Bach hat nicht allzu klein angefangen." Auf Zeit onlineberichtet dazu Christina Rietz. In der FRschreibt Harry Nutt zum Tod des Countrymusikers Todd Snider.
Besprochen werden ein Konzert mit Beethoven, Schönberg und Schubert in der Alten Oper Frankfurt (FR) und ein Konzert der schwedischen Metalband Sabaton in der Uber Arena in Berlin ("Die Musik von Sabaton kann man sich grundsätzlich als symphonisch angedickten Metal mit pseudogregorianisch gegurgelten Chor-Einlagen vorstellen. Daneben fanden sich beim Berliner Konzert viele Stücke, die an den in Deutschland derzeit äußerst populären Shanty-Rock von Santiano erinnerten, mit gleichermaßen geschunkelt wie gestampft wirkenden Rhythmen und Männerchorgesängen; man bekam sofort Lust, dazu ein paar Taue zu straffen oder sich um eine Ankerwinde zu drehen", resümiert ein animierter Jens Balzer bei Zeit online).
Die Feuilletons beschäftigen sich heute mit dem Rapper Haftbefehl: Sonja Zekri erläutert in der SZ, warum Haftbefehls Texte gerade "nicht Ausdruck mangelnder Sprachfähigkeit" sondern, "im Gegenteil, eine hochartifizielle Kunstsprache" sind - auf den Unterrichtsplan müssen sie aber trotzdem nicht gleich, findet sie. Alexander Menden und Joachim Hentschel waren ebenfalls für die SZ bei einem Haftbefehl-Konzert in Osnabrück. In der NZZ denkt Daniel Haas über die Gemeinsamkeiten zwischen Rap und Schlager nach. Besprochen wird das Album "Soiz" der österreichischen Künstlerin Anna Buchegger (taz).
Annekathrin Kohout nähert sich in der taz dem K-Pop-Hype an, der längst nicht mehr nur ein Nischenphänomen ist. Die koreanische Popindustrie setzte bereits früh auf Fanaktivierung via Onlineplattformen: "Wie Hollywood nicht ohne das Kino möglich geworden wäre, wäre K-Pop nicht ohne Social Media denkbar. Früh baute die koreanische Unterhaltungsindustrie ein Ökosystem, das auf digitale Interaktion ausgerichtet war. Plattformen wie Lysn ermöglichten direkte Idol-Fan-Kommunikation, Weverse schuf eigene Räume für Fandoms. Videos werden nicht nur geschaut - sie werden zigfach angesehen, geliked, geteilt, geremixt, in Fan Fiction fortgeschrieben oder in Reaction-Videos analysiert und interpretiert."
Hier ein Musikvideo, das dank des Films "K-Pop Demon Hunters" Furore macht:
Rap und Schlager: Das passt besser zusammen als man auf den ersten Blick meint, schreibt Daniel Haas in der NZZ mit Blick auf den von Haftbefehl ausgelösten Reinhard-Mey-Hype. Gemeinsam ist beiden Genres einerseits die Ironieferne, andererseits der habituelle Abstand zum Bildungsbürgertum: "Im Schulterschluss von Rap und Schlager verschränkt sich also ein Herkunfts- mit einem Klassenphänomen. Spätaussiedlerkinder und prekarisierte Migranten können sich, anders als abgesicherte Bildungsbürger, die Dekadenz der Ironie nicht leisten. Sie müssen und wollen Geld verdienen. Ihr Begehren zielt aufs reale, nichts aufs symbolische Kapital. Para, Massari. Nicht Buchmesse, ZDF. Die Kollaborationen von Rappern und Schlagersängern bilden so gesehen eine Querfront des Realismus. Gemeinsam ergeben sie den Klang unserer Gegenwart."
Weitere Artikel: Judith von Sternburg besucht für die FR ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt. Gegeben werden Werke von Brahms und Bruckner und die Rezensentin ist ziemlich begeistert. Ralf Niemczyk stellt in der FAS vier Fragen an die Musikerin Alli Neumann. Julian Weber bespricht in der taz eine unter anderem dem Sänger und Schauspieler Paul Robeson gewidmete Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste. Der Tagesspiegel blickt auf das Programm des Rejazz-Festivals, das in der Berliner Kunstfabrik Schlot stattfindet. VANberichtet weiter über einen Streit, der in der Musikverlagszene schwelt - es geht um abwertende Äußerungen Nick Pfefferkorns, Leiter des Verlags Breitkopf & Härtel über gewisse Tendenzen in der Neuen Musik. Stefan Hochgesand schaut sich in der BlZ Gitarrentipps an, die Dani Sophia, ehemalige Begleitmusikerin Till Lindemanns, ins Netz stellt. Die Welt bringt ein von Xavi Sancho geführtes, ursprünglich in El País erschienenes Interview mit der Sängerin Rosalía. Gunda Bartels berichtet im Tagesspiegel über ein Konzert der Violinistin Agam Berger, die sich 482 Tage lang in den Händen der Hamas befand und nun die Berliner jüdischen Kulturtage in der Synagoge Rykestraße eröffnet (siehe auch das heutige 9punkt).
Besprochen wird ein Abend mit dem Schlagzeuger Alexej Gerassimez und dem Jazzpianist Omer Klein im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt (FR).
Schock in der Zürcher Tonhalle! "Gerade spielt das Tonhalle-Orchester unter seinem Musikdirektor Paavo Järvi eine besonders sehnsuchtsvolle, himmelstürmende Passage im Finale der sogenannten 'Auferstehungssinfonie', da bricht draußen im Foyer ein Tumult los. Unter lautem Stampfen und mit ordinärem 'Tschingbum!' marschiert eine offenkundig schwer angeheiterte Truppe vor den Türen auf und stört die andächtige Konzentration im Saal." Das gehört zu Mahlers Zweiter, versichert in der NZZ Christian Wildhagen, immer noch ganz hingerissen von dem Konzert. "Die Stelle ist der gewagteste Moment in diesem ohnehin kühnen Werk: Nie zuvor sind das Profane und das Erhabene in der Musik so unvermittelt aufeinandergeprallt; ... Es ist gerade der Mut zur drastischen Zuspitzung solcher Schlüsselmomente, der die Qualität von Järvis Interpretation ausmacht. Aus langjähriger Erfahrung weiß Järvi, wie sehr Mahler in der Zweiten die Traditionen der Sinfonie aufbricht, indem er sie um theatralische und oratorienhafte Elemente erweitert."
Weitere Artikel: Sylvia Prahl erzählt in der taz, wie die Compilation "Emmi Aid" entstand, mit der der Musikjournalist und -manager Martin Hossbach die Initiative zur Rettung des Emmauswalds in Berlin-Neukölln unterstützen wollte. Ebenfalls in der tazporträtiert Merle Zils die Chemnitzer Musikerin Gwen Dolyn.
Fünf Jahre ist es her, dass der Musiker Folkert Uhde bei VAN einen New Deal für die Musik- und Kulturszene forderte, der unter anderem faire soziale Absicherung und nachhaltige Strukturen mit einschließt. (Unser Resümee). Nun zieht er ebenda traurige Bilanz: Alles ist nicht zuletzt dank der Sparankündigungen viel schlimmer geworden, daher müsse die Kulturszene selbst anpacken, "Demut" zeigen und Angebote verändern, fordert er: "Wir brauchen viele verschiedene Formen und Formate, unterschiedliche Anfangszeiten, müssen Settings und Räume variieren und vor allem damit aufhören, das 'klassische Konzert' mit zwei Pausen, das mindestens 120 Minuten dauert, heilig zu sprechen. Wir haben alle weniger Zeit und mehr Arbeit, brauchen Babysitter, müssen vielleicht vor und nach dem Konzert noch etwas erledigen und neigen zu dauerhafter Erschöpfung. Deshalb: Weniger ist viel mehr! Und: Das repräsentative Zeitalter des Klassischen Konzerts neigt sich deutlich dem Ende zu. Wenn der Konzertbesuch aber als gesellschaftliche Verabredung zunehmend weniger funktioniert, müssen wir neue Gründe schaffen."
In der SZ atmet Harald Eggebrecht auf: Das Konzert des Israel Philharmonic Orchestra mit Chefdirigent Lahav Shani und Solopianist Igor Levit, die in der Münchner Isarphilharmonie das 5. Klavierkonzert in Es-Dur von Ludwig van Beethoven und die 5. Symphonie op. 64 von Peter Tschaikowsky gaben, verlief ohne größere Zwischenfälle dur. Zu erleben war stattdessen ein virtuoses Konzert: "Wer Lahav Shani und seinem Israel Philharmonic an diesem Abend zuhörte, erlebte eine orchestrale Glanzleistung, die davon geprägt war, selbst die dichtesten Klangballungen nicht als Lärm erscheinen zu lassen, sondern stets die Vielgliedrigkeit des Klangkörpers bis in feine Verästelungen hinein zu verdeutlichen. Der Eindruck, das symphonische Geschehen als groß angelegte Kammermusik zu verstehen, bei der alle gleichermaßen beteiligt sind, erfasste alle."
Weitere Artikel: In der FRschreibt Stefan Michalzik zum Tod des Jazzpianisten Christoph Spendel. In der SZ wird Andrian Kreye bei einem Kraftwerk-Auftritt in Nürnberg ganz nostalgisch. Jeffrey Arlo Brown spricht für VAN mit der Komponistin, Performerin, Improvisations- und Klangkünstlerin und Instrumentenbauerin Viola Yip, die ein aufblasbares, robotergesteuertes Instrument entwickelt hat. Jörg Scheller (NZZ) hört das neue Album "Dissonance Theory" der Schweizer Heavy Metal Band Coroner und stellt fest: Heavy Metal ist bürgerlich geworden: "Im Fokus heutiger Metal-Rezeption stehen neben Gesellschaftsthemen wie Gender oder Race vermehrt Virtuosität, Metal-Geschichte, die Nähe zu Klassik und Jazz sowie das Spannungsverhältnis zwischen emotionaler Intensität und technischer Präzision." Das wollen wir selber hören:
Die Feuilletons gratulierend Neil Young erwartbar wohlwollend zum 80. In der FAZ huldigt Edo Reents einem Musiker, der sich nie auf seinem eigenen Erfolgsmodell ausruhte und es fast schon zu seinem Markenzeichen erhob, sein Publikum vor den Kopf zu stoßen. In den 1970ern etwa war er derjenige, "der Akustik-Folk mit Country und elektrischem Rock auf noch einmal ganz andere Art amalgamierte, als dies Dylan zuvor getan hatte; jemand, der außergewöhnliche Empfindsamkeit und rockige, jederzeit zu deftiger Spielweise aufgelegte Härte gleichermaßen verkörperte, sensibler Hippie und Rock-Superstar, der seine von Sehnsüchten und Klagen über das verlorene amerikanische Paradies durchsetze Poesie mit einer bis dahin unüblichen, knabenhaft weichen Stimme vortrug und dem Genre damit einen geradezu femininen Einschlag gab. Nicht zufällig wurde er zur Mitte der Siebzigerjahre, die recht eigentlich sein Jahrzehnt waren, als 'Greta Garbo des Rock' bezeichnet." Für SZ-ler Willi Winkler ist Young schlicht "der beste Krachmeister im unvergänglichen Rock'n'Roll".
Eine tolle Wiederentdeckung präsentiert Katharina Granzin in der taz. Emilie Mayer war im 19. Jahrhundert eine angesehene, erfolgreiche und produktive Komponistin, später wurde ihr Werk kaum noch gespielt. Die Akademie für alte Musik hat in Berlin nun an drei Abenden alle erhaltenen Werke wiederaufgeführt. "Ein Festival für Emilie Mayer" heißt die Veranstaltung im Pierre-Boulez-Saal, und Granzin ist begeistert: "'Mitreißend' ist Mayers Musik sehr oft, von bezwingendem Schwung, gepaart mit Witz und Unerschrockenheit. Mitunter scheint sie sich selbst überbieten zu wollen im Erfinden immer neuer musikalischer Motive, die sie in provokantem Kontrast gegeneinander setzt. Oder sie zeigt, etwa in ihrer e-Moll-Symphonie, wie sich aus einem Null-Motiv, einem einzigen Ton, innerhalb nur weniger Takte eine musikalische Entwicklung generieren lässt, deren gewaltige Spannung sich in einem rasanten Tutti entladen muss. Ihre humoristisch zupackende C-Dur-Ouvertüre wiederum gehört in jede musikalische Hausapotheke als hochwirksames Mittel gegen Novemberblues."
Hören Sie selbst:
Außerdem: Graham Lack schreibt für nmz einen satirischen Brief ans ZDF anlässlich der Opus Klassik-Preisverleihung. Ebenfalls für nmzbesucht Ralf-Thomas Lindner das PHŒNIX Festival im Hamburger MARKK. Christoph Irrgeher porträtiert im Standard den Jazz-Trompeter Thomas Gansch, der dieser Tage seinen 50. feiert. In der Presse erinnert Wilhelm Sinkovicz an den Wiener Komponist und Kulturmanager Thomas Schlee, der im Alter von 68 Jahren verstorben ist.
Besprochen werden ein Gastkonzert der Wiener Symphoniker in der Berliner Philharmonie (Tagesspiegel), ein Gastspiel des Gewandhausorchesters Leipzig im Wiener Musikverein (Presse), ein Wiener Konzert des Cloud-Rappers Yung Lean (Presse) sowie der den Neuköllner Emmauswald retten wollende Sampler "Tree Aid" (FR).
Bestellen Sie bei eichendorff21!1939 erschien erstmals Ulrich Alexander Boschwitzs Roman "Der Reisende" - allerdings nur auf Englisch. Vor sieben Jahren wurde er erstmals auf Deutsch veröffentlicht und war "eine sensationelle Entdeckung", erzählt in der SZ Egbert Tholl. Und jetzt hat Jan Müller-Wieland Boschwitzs Geschichte eines jüdischen Geschäftsmanns auf der Flucht in Nazideutschland im Auftrag der Dresdner Philharmonie als Melodram vertont. Das Libretto verknappt die Handlung natürlich stark, bemerkt Tholl bei der konzertanten Uraufführung in Dresden, aber die Musik macht das für ihn wett: "Das Orchester ahmt die Hetze der Flucht nach, in Zuspielungen treten Zuggeräusche hinzu, atemloser Strudel. Der Chor ist Kommentar, Masse, 'Du bist Jude', manchmal auch Trost, Erinnerung, etwa an die verlorenen Möbel, an das alte bürgerliche Leben. Müller-Wieland baut die Figur des Sohns, der in Paris lebt, aus, als Idee eines Sehnsuchtsortes, der unendlich unerreichbar weit weg ist. Die zweite Gesangspartie vereint den Schwager und den illoyalen Geschäftspartner, Michael Borth singt sie mit grandioser Klarheit." Boschwitz selbst erreichte auf der Flucht vor den Nazis noch England, wurde dann aber nach Australien deportiert. Er starb mit 360 weiteren Passagieren auf der Fahrt, als sein Schiff von einem deutschen U-Boot versenkt wurde.
In der NZZstellt Christian Wildhagen den schwedischen Klarinettisten Martin Fröst vor, der nicht nur Musiker, sondern auch Performancekünstler ist. Und das ist noch nicht alles: "Fröst will vielmehr Kontinuitäten aufzeigen und die Geschichte der Musik als große Erzählung erlebbar machen, in der sich eines aus dem anderen ergibt", weshalb er viel mit zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeitet. "Schon Ende November kehrt er im Rahmen der Migros-Konzerte in die Schweiz zurück, dann mit dem Schwedischen Kammerorchester, das Fröst seit 2019, wie nebenbei, auch noch leitet. Im Gepäck hat er das Orchesterstück 'Mirrors' von Hans Ek, der sich ebenfalls als Brückenbauer zwischen den Epochen und musikalischen Stilen versteht. Mit 'Mirrors' wollen Ek und Fröst einen neuartigen Hörzugang zu Beethovens 7. Sinfonie schaffen, dem Hauptwerk des Programms. Dessen Bezüge zu Vorbildern wie Bach, Händel, Rameau und Mozart fächert Ek in einer Collage auf, die das Bekannte in neues Licht tauchen soll."
Hier ein Konzertmitschnitt aus der Elbphilharmonie, wo Fröst - am Anfang des Konzerts - Anders Hillborgs "Peacock Tales" spielt:
Weitere Artikel: Der Standardmeldet, dass die russische Musikerin Diana Loginowa wegen ihrer putinkritischen Protestlieder erneut festgenommen wurde. Der heißeste Scheiß in der Musik, wenn nicht sogar "ein bisschen revolutionär", ist zur Zeit "Sapphic Pop", annonciert Monika Rathmann in der SZ. Wer es sich nicht denken kann: Es geht um "Pop, der von queeren Frauen für queere Frauen geschrieben wird. Oft Indie- und Bedroom-Pop. Mit Songs, die sich nicht nur, aber häufig, um Beziehungen zwischen Frauen drehen." Und taz-Kritiker Tobias Damm genoss in vollen Zügen ein Berliner Festival, das an den Punk im Slowenien der frühen 1980er erinnerte.
Die russische Pianistin Elena Bashkirova, die das Jerusalem Chamber Music Festival leitet, und Michael Blumenthal, früherer US-Finanzminister unter Jimmy Carter und späterer Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin, wurden mit dem Internationalen Mendelssohn-Preis zu Leipzig ausgezeichnet, berichtet Jan Brachmann in der FAZ. In der NZZresümiert Inna Hartwich die Kontroverse um den deutschen Pianisten und Dirigenten Justus Frantz und dessen Putin-Freundschaft (unsere Resümees).
Besprochen werden das Album "John & Yoko / Plastic Ono Band: "Power To The People"" (FAZ) und Cyrille Dubois' Vertonung von "Gabriel Dupont: The Complete Songs" (FAZ).
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