15 Tracks in 13 Sprachen enthält "Lux", das neue
Rosalía-Album (siehe auch
hier), über das heute jedes Feuilleton, das etwas auf sich hält, berichtet. Der spanische Superstar fährt, so Bernjamin Stolz in der
Presse, "schwere Geschütze auf: Bibelstellen und Rosenkränze, die Lebensgeschichten von Heiligen und die autobiografische Suche nach Transzendenz in einer sinnentleerten Welt, das Werk der französischen Philosophin Simone Weil und kryptische Texte auf Spanisch mit gelegentlichen Einsprengseln auf Hebräisch, Chinesisch, Arabisch oder Deutsch. Dieses zwischen
babylonischer Sprachverwirrung und Pfingstwunder changierende Werk verlangt beim genauen Hören nicht wenig: Manchmal einen guten KI-Übersetzer, dann wieder eine gut sortierte Bibliothek, gegen Ende dann das eine oder andere Taschentuch und vielleicht sogar einen Priester."
Musikalisch orientiert sich das neue Album weniger an Latin Disco, als an der
europäischen Klassik. Auf allerdings ziemlich exzentrische Art, findet Joachim Hentschel in der
SZ, der der Musik in distanzierter Faszination zugetan ist: "Ob 'Lux' - dieses Ding aus Wolken, Fluff und Sumpf - den finalen Test besteht, muss sich erst zeigen. Die
letzte Vollendung eines Popkunstwerks liegt bekanntlich nicht in flammenden Kritiken, sondern in der schieren Praxis. Dass die jungen Leute bald zu orchestralem Post-Fado und elektrifizierten Arien durch die Straßen gondeln und Partys feiern, ist heute noch schwer vorstellbar. Super wäre es natürlich." Für die
FAS schreibt Ralf Niemczyk über den
Rosalía-Hype, in der
taz bespricht Ruth Lang Fuentes "Lux" und findet, dass Rosalías Hinwendung zur
Hochkultur "auch was Koloniales" hat. Im
Standard nimmt sich Christian Schachinger das Album vor.
Mit sonst eher aus Fußballstadien bekannten Rauchbomben haben
propalästinensische Aktivisten ein Beethoven-Konzert in der Pariser Philharmonie gestört, das vom israelischen Dirigenten
Lahav Shani geleitet wurde. Die Bilder der Aktion gingen um die Welt - damit haben die Aktivisten ihr Ziel, so steht zu fürchten, bereits erreicht. In der
Welt rekonstruiert Martina Meister den Vorfall und weist darauf hin, dass Shani mehrfach, auch noch nach seiner viel kommentierten Ausladung in Gent (siehe unter anderem
hier), sein Mitgefühl mit dem Leid in Gaza zum Ausdruck gebracht hat. Allein, es hilft alles nichts: "Verrückt ist nicht nur, dass sich israelische Künstler einer Gewissensprüfung unterziehen müssen. Noch verrückter ist, dass derartige Stellungnahmen keinen Wert mehr haben.
Ein israelischer Pass allein reicht heute, um sich in den Augen der propalästinensischen Aktivisten schuldig zu machen. Dass dies
Antisemitismus pur ist, wollen sie nicht wahrhaben."
Mehr auch im heutigen 9punkt.
Weitere Artikel: Inga Barthels zeichnet im
Tagesspiegel die einseitige Hassliebe nach, die
Donald Trump mit Taylor Swift verbindet. Ebenfalls im
Tagesspiegel hofft Jana Weiss, dass die
Haftbefehl-Doku auf
Netflix das Bewusstsein für Drogenprobleme im Musik-Business schärft. Auf
van tobt eine Diskussion um den möglichen fehlenden Rückhalt
zeitgenössischer Neuer Musik in Musikverlagen. Hartmut Welscher unterhält sich auf
van mit
Richard Loberer, der nach 20 Jahren die Tage Alter Musik in Herne, denen er als Leiter vorstand, verlässt. Bernhard Heckler trifft für die
SZ einen 17-jährigen, der fordert, dass
Haftbefehls Rap-Texte Schullektüre werden. Jan Brachmann gratuliert in der
FAZ dem Cembalisten
Lars Ulrik Mortensen zum Siebzigsten. Christian Gohlke besucht ebenfalls in der
FAZ ein neues
Carl-Orff-Museum in Dießen.
Besprochen werden "XXL", das Debütalbum der Party-Rapper
PA69 (
SZ) und das neue
Militarie Gun-Album "God Save the Gun" (
FR).