Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2025 - Musik

Christian Wildhagen erkundigt sich für die NZZ bei Sebastian Nordmann, dem neuen Intendanten des Lucerne Festivals, nach dessen Plänen für die Schweizer Musikinstitution: Dieser hat eben Riccardo Chaillys Vertrag als Chefdirigent bis Ende 2028 verlängert, kündigt aber auch neue Formate für das Sommerfestival an. Dass Popstar Rosalía auf ihrem neuen Album katholische Sinnsuche betreibt, hat auch im Vatikan zu (durchaus wohlwollenden) Reaktionen geführt, berichtet Aurelie von Blazekovic in der SZ. Während man bei männlichen Stars so gut wie jede bizarre Wunderlichkeit als Ausdruck einer interessanten Exzentrität feiert, wird Britney Spears bei jeder sich bietenden Gelegenheit für verrückt erklärt, ärgert sich Julia Werner in der SZ.

Besprochen werden der neue Band "Bread of Angels" aus Patti Smiths autobiografischen Büchern (NZZ), ein Band mit Texten zum Komponisten und Musiktheoretiker Philip Herschkowitz (FAZ), der von Erika Thomalla herausgegebende Band "Gegenwart machen" mit der Oral History des Popjournalismus in Deutschland (SZ) und neue Weihnachts-CDs, darunter "Joy to the World" des Gesangensembles Chanticleer unter der Leitung von Tim Keeler ("besonders virtuos", schreibt Clemens Haustein in der FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2025 - Musik

Besprochen wird ein Konzert von Curse in Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2025 - Musik

Julian Weber feiert in der taz die New Yorker Band Say She She, die mit "Cut & Rewind" ein phänomenales Album vorlegt und nun für zwei Shows Deutschland besucht. Was ist so besonders an der siebenköpfigen, mit drei Sängerinnen aufwartenden Truppe? "Der Sound von Say She She ist temperamentvoll und zugleich elegant. Er sorgt für einen Sog, wie an der Eingangsschleuse von Kaufhäusern, wo einem von der stehenden Luft die Haare zu Berge stehen. (...) Warum funzt das so? Weil der Sound von Say She She zwar slick klingt, aber nie ehrfürchtig daherkommt oder gar selbstzufrieden, sondern als Wille, das angehäufte Knowhow prägnant in Szene zu setzen. Hier eine Gesangsharmonie, die dröhnt wie ein Sturmklingeln, dort ein Bassriff, das spritzt wie Bratfett."

Da müssen wir natürlich sofort reinhören:


Der Cellist Julius Berger erzählt in der FAZ über Karl Poppers Musikalität. Christoph Irrgeher freut sich im Standard auf eine Aufführung von Cornelius Cardews legendärem "The Great Learning", einem Mammutwerk der freien Klangentfaltung. Billy Idol wird 70, lesen wir bei Edo Reents in der FAZ.

Besprochen werden ein HR-Sinfoniekonzert mit Werken von Unsuk Chin, Dmitrij Schostakowitsch und anderen in der Alten Oper Frankfurt (FR), Uwe Dierksens Hörstück "Hirngespinste / Pipedreams" (FR), das neue Album von Cheap Trick namens "All Washed Up" (Standard) und "Poussière d'or", das neue Album des Schweizer Singer/Songwriters Stephan Eicher (NZZ).
Stichwörter: Say She She

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2025 - Musik

Ausführlich und recht positiv resümiert Peter Blaha in der FAZ das "Wien Modern"-Festival. Helmut Lachenmann konnte hier seinen Neunzigsten feiern. Aber es gab auch neue Stimmen, etwa die Avantgardistin Francesca Verunelli, deren siebzigminütige Komposition "Songs and Voices" zum Angedenken an ihre Schwester den Rezensenten beeindruckte - unter anderem gerade durch die lange Abwesenheit der Stimmen: "Dadurch entsteht eine Leerstelle, die symbolisch für die verstorbene Schwester steht. Die menschlichen Stimmen - mit Liegetönen, Flüstern, Hauchen und allenfalls rudimentärem Gesang - treten überhaupt erst nach rund zwanzig Minuten zum Instrumentalensemble hinzu. Wellenartig baut sie große Steigerungen auf, die von relativ simplen Motiven ihren Ausgang nehmen, deren konstruktives Potential und Ausdruckskraft sich erst allmählich offenbart."

Hier Verunellis Werk "Cinemaolio":



Außerdem: Obwohl der israelische DJ Avichai Partok doch schon ein "erklärter Gegner des israelischen Besatzungsregimes" ist, wird er von internationalen Clubs immer noch boykottiert, muss Jessica Ramczik  in der taz feststellen. Ebenfalls in der taz befasst sich Henrik von Holtum mit den künstlerischen Schwierigkeiten von ebenfalls nicht mehr jungen Kindern berühmter Popstars wie Baxter Dury oder Moon Unit Zappa. In der FR gratuliert heute Bernhard Uske Helmut Lachenmann zum Neunzigsten. Besprochen werden das neue Blawan-Album "SickElixir" (FR) und eine CD der türkischen Pomusikerin Peki Momés, die Iggy Pop in seiner Radiosendung "Iggy Confidential" vorstellte.

Stichwörter: Neue Musik, Wien Modern

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2025 - Musik

VAN hatte das Thema im Juni bereits aufgegriffen: Der Pau Brasil, Brasiliens Nationalbaum, ist vom Aussterben bedroht - aus seinem Holz, dem Fernambuk, werden Streichbögen für Geigen oder Cellos geschnitzt (unser Resümee). Brasilien will den Baum nun unter die vollständig geschützten Arten aufzunehmen, berichtet Michael Stallknecht, der für die SZ mit dem Bogenmacher Thomas M. Gerbeth, der auch Vorsitzender der deutschen Gruppe der IPCI, der International Pernambuco Conservation Initiative, die bereits seit 1997 eigene Plantagen in Brasilien finanziert, ist: "Gemeinsam mit anderen Initiativen hat man inzwischen mehr als drei Millionen Bäume neu gepflanzt, nach vierzig Jahren gelten sie als ausgewachsen. Der gesamte internationale Bogenbau benötige nur 30 bis 50 Bäume pro Jahr, rechnet Gerbeth am Telefon vor. Höchstens 50.000 Bäume seien damit in den vergangenen 250 Jahren in Streichbögen verbaut worden, gleichzeitig 50 bis 70 Millionen für andere Zwecke abgeholzt. 'Unser kleines Handwerk wird zum Sündenbock gemacht für alles, was in dieser Zeit schiefgelaufen ist.'"

Zum Neunzigsten von Helmut Lachenmann schaut Reinhard J. Brembeck (SZ) bei dem Komponisten in Stuttgart vorbei. Viel zitiert Brembeck nicht aus dem stundenlangen Gespräch, das die beiden auch über die gesellschaftskritischen Positionen führten, die immer auch in Lachenmanns Musik Eingang fanden: "Die deutsche Wiederbewaffnung, die Notstandsgesetze, der Mauerbau, dann die RAF: All das fand einen Weg in Lachenmanns Denken und Komponieren. Seine Arbeit beschreibt der in der Autostadt Stuttgart geborene so: Sie sei wie ein Auto bauen und es gleichzeitig dabei zerstören. Lachenmann bricht immer aus, er ist immer auf Suche nach dem Apfel, der das Entweichen aus dem Paradies ermöglicht." An ein schönes Bonmot des Luigi Nono-Schülers, der Melodien für etwas "Überlebtes, ja Reaktionäres" hielt, erinnert indes Marco Frei in der NZZ: "'Ich hasse Humor. (…) Humor ist einfach lachhaft. Meine Stücke sind heiter. Ich mache einen scharfen Unterschied zwischen heiter und humorvoll.'"

In der FAZ gratuliert Max Nyffeler dem Komponisten, der der Neuen Musik ganz neue Horizonte eröffnete: "Im Zentrum seines Schaffens stand stets die Erforschung des Klang- und Geräuschspektrums der Instrumente jenseits des von ihm als korrumpiert empfundenen 'schönen Tons'. Gemeinsam mit Eduard Brunner erkundete er deshalb die Schönheiten des Geräuschs auf der Klarinette, vom tonlosen Blasen bis zum Klappenschlag. Das Resultat ist im Solostück 'Dal niente' von 1970 zu hören. Im Cellosolo 'Pression' wandte er seine Kompositionsmethode erstmals auf ein Streichinstrument an. Damit war ein neuer Typus von Instrumentalmusik geboren. Lachenmann kreierte dafür den Begriff 'Musique concrète instrumentale'." In der taz gratuliert Tim Caspar Boehme. Wir erinnern uns gern:



Besprochen wird ein Haydn-Konzert von András Schiff mit dem Orchestra of the Age of Enlightment in der Alten Oper Frankfurt (FR).
Stichwörter: Fernambuk, Lachenmann, Helmut

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2025 - Musik

Margareta Kosmol berichtet für die taz aus den Techno-Clubs Tbilissis, die sich zu einem Zentrum der antirussischen Protestbewegung entwickelt haben. Unter anderem lernt sie den queeren jungen Aktivisten Gleb kennen: "Die Techno-Philosophie ist für Gleb provokativ und revolutionär: 'Ich finde es faszinierend, wie sie in Berlin groß wurde, als die Mauer fiel. Heute ist Techno in Berlin leider mehr Kommerz. Hier in Georgien spürt man das Feuer in den Menschen. Sie verteidigen ihren Raum! Das ist ein Ort, an dem wir uns vor dieser Welt verstecken können, die versucht, uns zu zerstören.' Der Boden vibriert vom Bass, rote und gelbe Strahlen schneiden den Raum wie Laser. Gleb sagt, hier fühle er sich vollkommen frei: 'Aber irgendwann merkst du, dass diese Wände des Clubs auch dein Gefängnis werden, weil du dahinter keinen anderen Ort hast, dich sonst nirgendwo akzeptiert fühlst.'"

Ingeborg Ruthe besucht für die FR eine Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, die dem Paul-Robeson-Archiv gewidmet ist. Das liegt in Berlin, weil der schwarze amerikanische Blues-Sänger Robeson in den 1960er Jahren Kontakte in die DDR geknüpft hatte. Wie überhaupt die DDR-Führung einige Versuche machte, Robeson für ihre Sache einzugemeinden: "Die Staatsführung machte sich den Kampf der Afroamerikaner für die Bürgerrechte einseitig zu eigen in der politischen Polemik gegen das imperialistische System. Blues, Gospel, Spiritual, Soul galten als Leidensmusik der Diskriminierten, Unterdrückten. Das Melancholische, aber auch Widerständige fand sich dann wieder in der Musik von Ost-Bands wie Hansi Biebl, Freygang, Monokel, Kerth, Engerling, Distelmann und bei den Konzerten von Manfred Krug und Günther Fischer. Da ging es aber weniger um den antiimperialistischen Klassenkampf, eher um den eigenen Protest gegen einen bornierten Sozialismus, gegen die beschnittene Individualität und Reisefreiheit."

Ein Robeson-Klassiker auf Youtube aus dem Hollywoodfilm "Showboat" (1936):



Weitere Artikel: Begeistert berichtet Wilhelm Sinkovicz in der Presse von einem Schubert-Abend im Wiener Musikverein. Der Sänger Matthias Goerne und der Pianist Daniil Trifonov widmeten sich dem "Winterreise"-Zyklus. Harry Nutt trauert in der FR um den Reggae-Star Jimmy Cliff. Wolfgang Sandner gratuliert in der FAZ dem Trompeter Randy Brecker zum 80. Merle Krafeld fasst auf van eine Studie zusammen, die vor Fachkräftemangel in Musikschulen warnt. Michael Pilz beschäftigt sich in der Welt mit dem aktuellen Vinyl-Boom. Helene Slancar besucht für die taz das queere Metalfestival "Loud and Proud" im Wiener Club Flucc. Christoph Wagner schaut sich für die NZZ zwei Konzerte der Jazz-Pianistin Marilyn Crispell an.

Besprochen werden Holly Golightlys Album "Look Like Trouble" (FR), "Firedove", die neue CD der Star-Organistin Anna Lapwood (Zeit Online), ein Klavierabend im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit Bruce Liu (Tagesspiegel), ein Gastkonzert der Cellistin Alisa Weilerstein bei der Staatskapelle in der Berliner Philharmonie (Tagesspiegel), ein Konzert des Rappers Kontra K in der Berliner Uber Arena (Tagesspiegel) und das Album "Adieu Unsterblichkeit" der österreichischen Band Kreisky (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2025 - Musik

In der NZZ ist Marco Frei sehr froh, dass Sebastian Nordmann, designierter Leiter des Lucerne Festivals, auch am spätherbstlichen "Forward"-Festival für zeitgenössische Musik festhalten will, das gerade zum letzten Mal unter der Leitung von Michael Haefliger stattfand. "Kein anderes Festival dieser Größe und dieser internationalen Ausstrahlung bietet einen derart geschützten, selbstbestimmten Raum", in dem nicht immer alles gleich gelingen muss, so Frei. "Manches darf auch verstören oder irritieren, belustigen oder verärgern - wie etwa bei 'Hirn & Ei'. So lautet der Titel eines Werks von Carola Bauckholt für Schlagquartett, das die diesjährigen 'Forward'-Konzerte einläutete. Die einstige Schülerin von Mauricio Kagel zählt zu den führenden Stimmen für musiktheatralische Klangperformance, und in 'Hirn & Ei' werden selbst Regenjacken Teil der performativen Aktion. Glücklich, wer Humor besitzt - in diesem Sinn hat das Werk sinnstiftend in den Eröffnungsabend eingestimmt. Über das skurril-virtuose Tuba-Solo 'Ruinen' von Georges Aperghis ging es schließlich bis zur Uraufführung von 'other spaces' für Ensemble von Neo Hülcker. Das neue Werk machte aus der Luzerner Theater-Box eine Art Kleintierzoo, in dem gefaucht und geschnurrt, gequietscht und gekratzt wurde."

Weitere Artikel: Lotte Thaler berichtet in der FAZ über die Herbstfestspiele "La Grande Gare" in Baden-Baden. In der FR schreibt Harry Nutt zum Tod des Reggae-Musikers Jimmy Cliff, in der NZZ Jean-Martin Büttner, in der FAZ Edo Reents. In der taz möchte Benjamin Moldenhauer Musiker wie Konstantin Wecker und Til Lindemann, die mit sehr jungen Mädchen geschlafen haben, nicht dämonisieren: Dies verstelle "den Blick auf das leider Sturznormale, das Gängige des ganzen Falls".

Besprochen werden eine Palestrina-Konzertreihe mit den Tallis Scholars unter Peter Phillips in Berlin ("Drei Abende hintereinander Palestrina zu hören, lässt ahnen, was den Polyphonie-Kritikern wirklich sauer aufstieß", bekennt Katharina Granzin in der taz. "Diese Musik hatte sich so weit verselbständigt, dass sie die Sprache nurmehr als Klangmaterial benutzte und sich ansonsten selbst genug war. Palestrina schrieb unter anderem 104 ganze Messen, 104-mal auf denselben Text. Das musste ja irgendwann zur absoluten Musik werden. Aber kann die noch gottgefällig sein?"), ein Konzert von Roxette in Frankfurt (FR), ein Sibelius-Konzert des Helsinki Philharmonic Orchestra unter Jukka-Pekka Saraste in Frankfurt (FR) und das neue Album von Kreisky, die "wieder Richtung gepflegter Argwohn abgebogen" sind, wie Jannik Eder im Standard schreibt. Wir hören rein:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2025 - Musik

Valeriia Semeniuk stellt im Tagesspiegel den ukrainischen Chor "Homin" aus Lwiw vor. Nachdem dieser mit einem kurzen TikTok-Clip viral ging, tourt er nun durch ganz Europa und wird auch in Berlin auftreten: "Im Mittelpunkt des Programms stehen ukrainische Schlagermelodien des 20. Jahrhunderts - einige fast vergessen, andere Evergreens, die vor dem Krieg auf keinem Fest fehlten. Viele kennen diese Lieder auswendig. In den neuen Arrangements klingen sie überraschend frisch: hier ein Hauch Jazz, dort ein verschobener Rhythmus. Es bleibt Retro - aber ohne eine Spur Staub. Auch wenn auf der Bühne ein Teppich mit traditionellem ukrainischen Muster liegt, der als eine Art Talisman mitreist und scherzhaft als 25. Mitglied des Ensembles bezeichnet wird." Ein "weiteres Feld sind die Partes-Konzerte des 17. Jahrhunderts, ein einzigartiges ukrainisches Genre des vielstimmigen liturgischen Gesangs."




Weitere Artikel: Frank Keyl besucht für die taz das "Heintje"- Archiv des Künstlers Dieter Glasmacher. Ueli Bernays war für die NZZ beim Jazzfestival "Unerhört" in Zürich. In der FR ist Stefan Michalzik begeistert von einem Auftritt des Jazz-Musikers Jakob Manz im Mozartsaal in Frankfurt.
Stichwörter: Ukrainische Musik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2025 - Musik

Im Interview mit der Welt spricht der Filmkomponist James Newton Howard über seine Arbeit. Howard hat ein beeindruckendes Oeuvre vorzuweisen. Er schrieb etwa die Filmmusiken zu Garry Marshalls "Pretty Woman", Peter Jacksons "King Kong", die "Tribute von Panem", Terrence Malicks "The Hidden Life" und die Titelmusik zu "Emergency Room". Filmmusik komponieren ist vor allem Handwerk, lernt Interviewer Elmar Krekeler: "'Als Filmkomponist muss man - erste Regel - vor allem zuhören können', sagt er. Das verkürzt die Arbeit, weil die Vision des Regisseurs die entscheidende ist, ungemein. Dann setzt er sich hin. Improvisiert. Findet Melodien. ... Dann entsteht  der Film, und der Moment kommt, für den ein klassisch ausgebildeter Komponist -  der James Newton Howard wahrscheinlich zu seinem Glück gar nicht ist - besonders stark sein muss. 'Es geht', sagt er, 'bei Filmmusik weniger ums Schreiben als ums Umschreiben.' Das Intro zu 'Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind' hat er 43-mal umgeschrieben."

Weiteres: Joachim Hentschel trifft für die SZ in Paris Amanda Lear und plaudert mit ihr über dies und das und ihr neues Album. Manuel Brug begleitet für die Welt Simon Rattle auf einer Konzerttour durch England mit dem Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks: Im Eurostar plaudert der Dirigent dann über seine Erinnerungen und seine Beziehung zu England. In der FAZ gratuliert ein bewundernder Robin Passon der Pianistin Elisabeth Leonskaja zum Achtzigsten, ohne dabei zu verschweigen, dass sie heute für russische Soldaten spielt. Besprochen wird der neue Song "Dünya garip" von Haftbefehl (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2025 - Musik

Thomas Wochnik (Tsp) erinnert sich in der Ausstellung "Elegantly Wasted" im Urban Spree wehmütig an eine Clubkultur vor Corona und vor dem 7. Oktober, der die Gesellschaft wohl "unwiederbringlich" gespalten habe, wie Kurator Max Dax ihm gegenüber äußert. So unbeschwert wie auf den Fotos, die Ben de Biel zwischen 2006 und 2019 im Ritter Butzke geschossen hat, wird es vermutlich nicht mehr, glaubt auch Wochnik: "Vieles von dem, was die Kamera festhielt, hat man längst wieder vergessen. Wer erinnert sich nach einer langen Clubnacht schon speziell an die Garderoben-Boys - und auch das ist einer der Gründe, aus denen sich das Fotografieren in Clubs grundsätzlich verbietet - in einer durch und durch auf den ausgelassenen, ungezwungenen Glücksmoment und seine unbedingte, von allen Konsequenzen freie Flüchtigkeit zugeschnittenen Welt."

In der SZ ist Joachim Hentschel mit Blick auf den Fall Konstantin Wecker gar nicht ganz so überrascht, ist in den Songs deutscher Liedermacher doch rückblickend eines augenfällig: "Wie oft die Frauenrollen in diesen Liedern nicht von Frauen, sondern von Mädchen gespielt werden - von Minderjährigen. Über Udo Lindenbergs 'Ob du 14 oder 40 bist, ist dann alles total egal' über '17 Jahr, blondes Haar', das Udo Jürgens mit 30 zum ersten Mal sang und später immer wieder. Wie manche Protagonisten im links-alternativen Lager zu der Zeit über Sexualität mit minderjährigen Menschen dachten, auch darüber gibt es bis heute eine nicht zufriedenstellend abgeschlossene Debatte." In der Welt fragt sich auch Hannah Bethke, wann die Linke beginnt, strukturellen Machtmissbrauch und Gewalt in den eigenen Reihen aufzuklären.

Weitere Artikel: Für die FR spricht Arne Löffel mit der Singer-Songwriterin Tuva Hellum Marschhäuser alias Tuvaband, deren neues Album "Seven Ways Of Floating" gerade erschienen ist. Für die taz porträtiert Yelizaveta Landenberger die russische Popsängerin Monetochka, die seit 2022 im litauischen Exil lebt, sich gegen den Krieg und für ukrainische Geflüchtete einsetzt und nun für drei Konzerte nach Deutschland kommt. Jonathan Fischer reist für die Welt nach Lagos, um den Erfolg von Afrobeats zu ergründen. In der NZZ freut sich Corina Kolbe, dass die russische Cellistin Anastasia Kobekina, die 2022 allein aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit von der Kartause Ittingen ausgeladen wurde, nun beim Lucerne Festival debütiert.
Stichwörter: Wecker, Konstantin