Criterion zeigt derzeit eine kleine Auswahl japanischer Horrorfilme - im Online-Magazin des US-Arthouse-Streamers flankiert der Filmkritiker Michael Atkinson die Reihe mit einem Essay, der von den New-Wave-Horrorfilmen der Sechziger bis zur J-Horrorwelle um die Jahrtausendwende reicht. Insbesondere letztere, entstanden zur Zeit des großen Medienumbruchs, der uns bis heute beschäftigt, sprechen bis heute zu uns, versichert Atkinson: "Die Filmemacher tauchten ein in das allgemeine Unbehagen des Lebens im späten 20. Jahrhundert, inklusive, so hervorstechend wie vorherwissend, in die Geisterhaftigkeit der digitalen Technologie. Nachdem sie im Tech-Sektor seit den Sechzigern weltweit führend waren, sahen die Japaner als erste diese neo-unheimlicheModernität auf uns zukommen." Zu den Pionieren zählt natürlich Hideo Nakatas Medienhororfilm "Ring" von 1998, doch war es KiyoshiKurosawa, der "später das machte, was wohl als definitives Geschoss an neo-kafkaesker Beklemmung der heraufdämmernden Internet-Ära durchgehen mag: 'Pulse' aus dem Jahr 2001, der den VHS-Bildschirmschrecken aus 'Ring' dahingehend aktualisierte, indem er die Auffassung erforschte, dass das Netz selbst - physisch wie virtuell - eine Art unverschließbarer Zugangspunkt zum Reich der Toten ist. ... Wie 'Ring' deutet 'Pulse' auf eine beunruhigende Metaphysik hin: Beide Filme handeln von einer im Unbekannten liegenden Sphäre elektromagnetischer Bosheit, die ihre eigene Agenda verfolgt. Alles in allem ist die virtuelle Welt fast schon buchstäblich eine Astralebene und für Kurosawa ist sie eine höllenhafte Anderswelt, die in unsere Welt hineinsickert. Schlussendlich hat die Virtualität uns geschluckt. Was könnte moderner sein? Sowohl Kafka als auch Beckett hätten sich wohl, hätten sie unser Onlineleben gesehen, von diesem entmenschlichenden Zuwachs an technoider Verlorenheit mitreißen lassen. ... Als in diesen frühen Internetjahren die westlichen Gelehrten noch über die Möglichkeiten eines vernetzten globalen Dorfes in Verzückung gerieten, sahen die Japaner eine dunkle Tür sich öffnen. Man könnte sagen, wir sind gewarnt worden." Hier der Trailer zum Film:
Jonathan Owens blickt auf das Leben der tschechischen Designerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Ester Krumbachóva zurück. Gefeiert wurde sie vor allem für ihr Kostümdesign und ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jan Němec. Allerdings wird ihr die Beschreibung als 'Muse der tschechoslowakischen neuen Welle' nicht gerecht, schreibt Owens. Zum einen wurde ihr Einfluss auf Filme wie "Vom Fest und den Gästen" von 1966, bei dem sie entscheidend zum Skript und zur visuellen Gestaltung beitrug, nicht genug anerkannt. Zum anderen wurde ihre erste und einzige Regiearbeit "Zähmung eines Teufels" (hier mit Untertiteln) von 1969, eine echte "One-Woman-Show", für die sie auch das Drehbuch schrieb und das Design entwarf, von den Zeitgenossen verkannt: "Vielleicht bedurfte es des Verständnisses einer späteren Epoche, das in wertschätzenden, erhellenden feministischen Lesarten wie der von Petra Hanáková oder in jüngerer Zeit der von Jesse Jones und Ruth Noack zum Ausdruck kommt. Es ist ein einfallsreicher Spielfilm, witzig und avantgardistisch zugleich, getragen von den brillanten Leistungen von Jiřina Bohdalová und Vladimír Menšík .... Es ist auch ein pointiertes, letztlich ermächtigendes Werk des frühen feministischen Kinos, das im Rückblick sogar als eine Art hyperaktive Slapstick-Version von 'Jeanne Dielman' erscheint. Der Film lässt seine Heldin dieselben Mittel - Essen und Küche - einsetzen, um ihren dämonischen Anrufer unterwürfig zu verführen und schließlich seine Macht zu zerstören und an sich zu reißen. Damit parodiert der Film sowohl konventionelle Frauenrollen als auch das, was Jones und Noack den 'entwerteten, ignorierten' häuslichen Raum nennen, in den die weibliche Kreativität traditionell verbannt wurde."
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