Magazinrundschau - Archiv

El Pais Semanal

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Magazinrundschau vom 25.11.2008 - El Pais Semanal

Der Schriftsteller Manuel Rivas unterhält sich mit dem Literaturnobelpreisträger und begeisterten Blogger Jose Saramago: "Sie könnten regelmäßig in jeder großen Tageszeitung schreiben - weshalb stattdessen ein Blog? Ist es der Wunsch nach Dissidenz?", fragt Rivas. Darauf Saramago: "Vielleicht ist es, als könnte man noch einmal ganz von vorne anfangen: Schreiben ohne jede Einschränkung. Die Zeitungen würden dafür bezahlen, natürlich. Aber sehen Sie, Obama hat gewonnen, ich freue mich darüber und setze mich hin und schreibe einen Artikel in meinem Blog, in dem ich unverblümt fordere, Guantanamo zu schließen und die Wirtschaftsblockade gegen Kuba aufzuheben. Und so zu allem, was mir gerade einfällt. Natürlich integriert einen am Ende das System. Im Grunde ist man bloß die Zierkirsche auf der Torte. Sie tolerieren dich, lachen über dich - immer dieser Saramago... Aber trotzdem gebe ich nicht auf: Ich fühle mich täglich mehr wie ein libertärer Kommunist. Drei Fragen müssen wir uns das ganze Leben lang stellen: Warum? Wofür? Für wen?"

Magazinrundschau vom 09.09.2008 - El Pais Semanal

Der spanische Schriftsteller Javier Cercas macht sich Gedanken über das Glück: "Eine schlechte Angewohnheit der Philosophen ist es, unbedingt interessant sein zu wollen. Altmodisch, wie ich offenkundig bin, glaube ich immer noch, die Philosophie ist nicht dazu da, dem herrschenden Diskurs zu widersprechen, sondern dazu, die Wahrheit zu sagen, und die Wahrheit ist nicht immer interessant. Zu sagen, dass alle Menschen nach Glück streben, ist langweilig und wenig originell, das sagen die Philosophen mindestens seit Aristoteles, es stimmt aber, was kein geringer Vorteil ist. Origineller ist natürlich, wie etwa der Philosoph Boris Groys, Unglück, Krankheit und Alter zu feiern, um sich von der alles beherrschenden Feier der Jugendlichkeit abzusetzen. Der Nachteil ist, dass sich solch ein Unfug unmöglich aufrechterhalten lässt, wenn man ihn mit seiner persönlichen Erfahrung abgleicht: Wie jedermann war ich mit 18 ein furchtloser Prinz, während ich heute mit meinen 46 Jahren bloß noch ein Bettler bin, der, wie Cioran gesagt hat, versucht, seine Ängste in Sarkasmus zu verwandeln."