Magazinrundschau - Archiv

Gatopardo

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 21.04.2015 - Gatopardo

Der Journalist Diego Enrique Osorno besucht einen der reichsten Männer der Welt, den mexikanischen Unternehmer und Telekom-Milliardär Carlos Slim, mittlerweile auch Hauptaktionär der New York Times, und lässt sich von diesem seine Bibliothek vorführen: "Vor allem Biografien, Bücher über Unternehmen, Sport- und Wirtschaftsstatistiken sowie Geschichtsbücher, die sich in einem schmucklosen Regal aneinanderdrängen, das eine ganze Wand seines 90 Quadratmeter großen Büros bedeckt. Eins der ersten Bücher, zu denen er greift, ist "Mr. Baruch" von Margaret L. Coit, die 1957 erschienene Geschichte des "einsamen Wolfes von der Wall Street", der mit Spekulationen auf dem Zucker-Markt Millionen verdiente und später Kriegsberater der Präsidenten Wilson, Roosevelt und Truman wurde. Als nächstes die Biografie von Jim Ling, ein gelernter Elektriker, der mithilfe von Spekulationen einen der größten Konzerne der Welt schuf, bis er in der Krise der 70er Jahre bankrott ging. Dann die von Robert Vesco, Sohn eines Italieners und einer Jugoslawin, der nicht einmal die Oberschule beendete, als genialer Verkäufer Millionen verdiente, nach einem Betrug nach Kuba floh, wo man ihn mit offenen Armen empfing, jedoch nach einem weiteren Betrug an einem Neffen Fidel Castros ins Gefängnis steckte. Und ganz zuletzt eine Faksimile-Ausgabe von Che Guevaras bolivianischem Tagebuch, ursprünglich von Evo Morales in einer Sonderauflage an verschiedene Präsidenten verschenkt und dann, wie auch immer, in Slims Bibliothek gelandet, was unweigerlich zu der Frage führte, ob unser Gastgeber sich als Rechter oder Linker betrachte..."

Magazinrundschau vom 01.07.2014 - Gatopardo

"Debütantinnenball." Arturo Lezcano berichtet von dem aberwitzigen Luxus, mit dem die neuen brasilianischen Eliten ihren weiblichen Nachwuchs in die Gesellschaft einführen: "Alle 27 Minuten gibt es in Brasilien einen neuen (Dollar)Millionär. Waren es 2013 noch 221.000, sollen es 2017 bereits 675.000 sein. Wie ist es da noch möglich, sich von der Masse (der Millionäre) abzuheben? Etwa durch Veranstaltung einer möglichst spektakulären Feier zum 15. Geburtstag der Tochter. Nach Angaben von Abrafesta, dem brasilianischen Verband der Eventveranstalter, machen die Ausgaben hierfür mittlerweile etwa ein Drittel des in den letzten fünf Jahren um 400 Prozent gestiegenen Partymarktes in Höhe von siebeneinhalb Milliarden Dollar aus. Entscheidend dabei ist letztlich, welchen Nachhall die Veranstaltung in den sozialen Netzwerken auslöst: Bloß reich sein reicht nicht mehr, alle müssen es wissen. "Welche Netzwerke benutzt ihr?", frage ich die feiernden Mädchen. "Instagram, Twitter, Snapshot." "Und Facebook?" "Facebook war gestern: Wenn auf einmal dein Großvater im Netz auftaucht, stimmt irgendwas nicht.""

Magazinrundschau vom 05.11.2013 - Gatopardo

"Die Wüste lebt." María Fernanda Ampuero schildert die unglaubliche Erfolgsgeschichte der spanischen Buchhandelskette "La Central". Die erste Filiale eröffneten der Kolumbianer Antonio Ramírez und seine Geschäftspartnerin Marta Ramoneda vor 17 Jahren in Barcelona, seither kamen, inmitten der schweren Wirtschaftskrise, drei weitere Filialen in Barcelona sowie nochmals drei in Madrid dazu. Einkauf und Bestellung verantworten "drei Frauen, deren Vornamen mit M beginnt: Marta Ramoneda, Meritxell Ral und Mireya Valencia". Antonio Ramírez erzählt: "Unser Ausgangspunkt war: Wir sind keine Bestseller-Buchhandlung und wir machen nicht das, wozu Vertreter oder Verlage uns raten. Egal, was die Zeitungen schreiben oder welche Titel von den Verlagen als Spitzentitel präsentiert werden - wir empfehlen unseren Kunden die Bücher, die uns gefallen, unabhängig davon, wer sie verlegt hat, soll heißen: Wenn wir es für richtig halten, machen wir einen Verkaufsstapel von einem Buch, das nur in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen ist. In so schwierigen und komplizierten Zeiten muss man ein Zeichen setzen."
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Stichwörter: Barcelona

Magazinrundschau vom 03.07.2012 - Gatopardo

"Keine Papiere, keine Angst!" Eileen Truax stellt eine Gruppe echter Mutbürger vor: Die Dream Activists, Kinder illegaler Einwanderer in die USA, die nicht mehr mit dem Erreichen der Volljährigkeit vor dem Nichts bzw. der Ausweisung stehen wollen und sich deshalb - auf eben die Gefahr hin, des Landes verwiesen zu werden - für die Umsetzung des weiterhin höchst umstrittenen Dream Act einsetzen, der ihnen u. a. die Möglichkeit bieten soll, über ein Studium einen legalen Aufenthaltsstatus zu erlangen. Einer ihrer Anführer ist Mohammad Abdollahi, Sohn eines aus dem Iran stammenden Mathematikers, der nach Abschluss seines Studiums an der Universität von Michigan in den USA geblieben war: 'Manchen von uns fällt es schwerer, die Scham oder die Angst zu überwinden, was wahrscheinlich daran liegt, dass unser kultureller Hintergrund teilweise sehr verschieden ist: Diejenigen von uns, die diese Schwelle überwunden haben, sind da im Vorteil, aber eben deshalb auch verpflichtet, für die anderen einzuspringen. Allen sage ich aber: Sobald ihr bei einer unserer Aktionen verhaftet werdet, nutzt die Gelegenheit, dass ihr einem Polizisten von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht und sprecht mit dem Herzen zu ihm. Vielleicht verhaftet derselbe Polizist morgen jemand anderen, und wie er den behandelt, hängt auch von eurem Verhalten ab: Wir dürfen mit den Polizisten nicht so umgehen wie sie mit uns, wir müssen sie mit unserer Liebe töten.'"