
Die Theatersaison hat noch gar nicht begonnen, schon gibt es einen Theaterskandal. Das in ein Nazi-Theater umgewandelte Budapester Új Színház hat das letzte Theaterstück seines im Februar verstorbenen Intendanten
István Csurka, "Der sechste Sarg" auf den Spielplan gesetzt (mehr dazu
hier und
hier). Aber gar nicht dieser Umstand bewegt so sehr die Gemüter, sondern vielmehr die Reaktion des Dirigenten
Ádám Fischer, der angekündigt hat, an allen Foren im In- und Ausland gegen die Aufführung des Stücks zu protestieren. Der Budapester Oberbürgermeister
István Tarlós, der die Gründung des Theaters im vergangenen Herbst genehmigt hatte, reagierte darauf mit einer Bemerkung, dass die
Philosophie Richard Wagners, dessen Stücke auch Fischer dirigiert hatte, ebenfalls nicht ganz lupenrein sei. Diese und manch andere Äußerungen, das Theaterstück sei ganz und gar nicht antisemitisch, lässt der liberalen Wochenzeitung
Magyar Narancs den Kragen platzen: "'Der sechste Sarg' ist vom ersten bis zum letzten Wort
judenfeindlich und damit in der Tat ein großes synthetisierendes Werk, der Gipfel des Lebenswerks von István Csurka. Alles ist darin enthalten, was der Autor wusste und es zeigt auch, was für ein Dramatiker er war. Nun, er ist ein kleiner Dramatiker gewesen, und ein noch kleinerer Geist, der später, verrückt geworden, seinen Alltag nur noch dem krankhaften Antisemitismus widmete, dessen treuer Abdruck dieses Werk nun ist. Dieser Kot wird uns bald im Zentrum der Hauptstadt in den Nacken geschüttet, skrupellos und ungehindert. Was kann man dazu noch sagen? Vielleicht nur soviel, dass Herr István Tarlós, der einen geistigen Verfall aufweisende Oberbürgermeister, dessen historische Schuld es ist, in der Hauptstadt Ungarns ein Nazi-Theater eröffnet zu haben, sich endlich
zum Teufel schert und keine Predigten über Wagner hält, sondern in weite Ferne zieht und jeden Tag damit beginnt, sein Volk tausendmal um Verzeihung zu bitten."