Magazinrundschau - Archiv

La Rivista dei Libri

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - Rivista dei Libri

Der Gehirnforscher Giacomo Rizzolatti gilt nicht nur als Entdecker der Spiegelneuronen, er hat auch ein hervorragendes Buch darüber geschrieben, meint Luciano Mecacci, der die Aufgabe dieser Spezialzellen an einem Beispiel aus dem Alltag erklärt. "Ich esse zu Mittag und vor mir sind die Spaghetti in der Schüssel. Ich habe einen Löffel und eine Gabel, über deren Gebrauch ich Bescheid weiß, und ich wähle die Gabel. Ich weiß wie ich die Gabel anwende und wie ich sie bewegen muss, um die Spaghetti zu essen. Wenn ich etwas Käse möchte, greife ich zum Löffel und streue den Käse über die Nudeln. Die Objekte werden dank des visuellen Systems erkannt (natürlich könnte ich sie auch blind unterscheiden), aber der Akt des Erkennens reicht nicht aus. In dem Moment, in dem ich die Gabel und den Löffel erkenne, weiß ich auch, zu was sie gut sind, wie ich sie benutzen muss, um das zu erreichen, was ich will. Die Neuronen des visuellen Systems (der hintere Teil der Gehirnrinde) sind darauf spezialisiert, Formen zu unterscheiden, aber wenn es darum geht, ein Objekt mit einem Verwendungszweck zu verknüpfen, braucht man diverse andere Klassen von Neuronen." Im vielseitigeren Deutschland werden sogar Messer als potenzielles Spaghetti-Besteck erkannt.
Stichwörter: Käser, Libri

Magazinrundschau vom 07.03.2006 - Rivista dei Libri

Der Politikwissenschaftler Gianfranco Pasquino gibt anlässlich zweier Neuerscheinungen über die italienische Demokratie eine Einführung in den römischen Politikbetrieb. "Wenn die Parteien nicht mehr nur die politische Machtsphäre besetzen, sondern die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Bürokratie und die Medien infiltrieren, verbiegen sie diese nach ihren Bedürfnissen und parzellieren sie, bis die Demokratie in die Parteienherrschaft mündet. Es ist wahrscheinlich, dass nicht wenige Phasen der italienischen Republik, sicher aber jene der Pentapartito (1980-1992) (Wikipedia), mit diesem Terminus bezeichnet werden müssen. Die Pentapartito im Besonderen verkörpert den höchsten Grad einer voll entwickelten Parteienherrschaft. Im Jahr 1993, nach der Welle der Referenden zur Absetzung einiger Minister (in erster Linie des berüchtigten Ministers für Staatsbeteiligungen) und nach dem Referendum zum Verbot der staatlichen Finanzierung der Parteien, schien es, dass die italienische Parteienherrschaft einen irreparablen Schaden davongetragen hatte und sich nie mehr erholen würde." So kann man sich irren.

Magazinrundschau vom 10.01.2006 - Rivista dei Libri

Roberto Satolli zerpflückt anhand einiger Neuerscheinungen den medizinisch-industriellen Komplex und das Geschäft mit der Gesundheit, das nicht unbedingt auf Heilung, sondern auf die Erfindung und Erhaltung neuer Krankheiten ausgerichtet sei. Nicht nur wegen ihrer Größe seien Megakonzerne wie Pfizer (50 Millarden Umsatz) nicht mehr zu kontrollieren. "Alle Akteure in diesem Spiel haben gleichgerichtete Interessen: die Ärzte, die ihre Patientenzahlen und damit ihr Einkommen, ihre Reputation oder ihren Einfluss steigern können; die Betreiber von Krankenhäusern, die mehr Fördergelder erhalten und mehr Leistungen anbieten können; die Hersteller von Diagnoseapparaten und Tests; die Produzenten von Verbrauchsmaterial und Prothesen; und nicht zuletzt die Pharmakonzerne, die der eigentliche Motor dieses ganzen Prozesses sind."
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Stichwörter: Krankenhaus, Libri

Magazinrundschau vom 06.12.2005 - Rivista dei Libri

Die italienische Ausgabe der New York Review of Books übernimmt nicht nur Artikel aus dem Mutterblatt, sondern hat auch eigene Beiträge. Lesen dürfen wir diesen Monat Sandro Barberas Besprechung zweier Neuerscheinungen über den deutschen Philosophen Paul Ree. Sowohl Hubert Treiber, der die Gesammelten Werke Rees herausgegeben hat, als auch Domenico Fazio in seiner Monografie versuchen Ree und seine Philosophie aus dem Schatten des Freundes Friedrich Nietzsche zu befreien. Der hat Ree auf seine eigene arrogante Art geschätzt. "Ree war für Nietzsche ein bevorzugter Gesprächspartner, vor allem mit der Isolation, in die er sich durch den Bruch mit den Wagners manövriert hatte. Was Nietzsche 1884 an seine Mutter Franziska schreib, beschreibt die Beziehung der beiden ziemlich genau: 'Du kannst Dir nicht vorstellen wie angenehm mir Prof. Ree in den vergangenen Jahren war - faute de mieux, natürlich.'"