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Haiti

5 Artikel

Die Kreolisierung der Revolution: "Ouvertures" von The Living and the Dead (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 24.02.2020 […] Sklaven von Haiti war der große Testfall für die Französische Revolution. Hier hätte sich ihr Universalismus bewähren müssen. Leider versagte die Republik. Sie unterwarf die Schwarzen, die sich unter der Führung von Toussaint Louverture ihre Freiheit erkämpft hatten, und Napoleon ließ mit dem Code Noir auch die Sklaverei wieder einführen. Am 7. April 1803, wenige Monate, bevor sich Haiti doch noch seine […] Klänge von Purcell und Monteverdi, die Erhabenheit revolutionärer Schriften fügen sich zu einer Komposition, deren Exquisitheit zum Glück schnell gebrochen wird von einem radikalen Schnitt ins das Haiti von Heute. In Port-au-Prince will das Theaterensemble Edouard Glissants Stück "Monsieur Toussaint" ins Kreolische übersetzen, bisher war das große Drama des haitianischen Freiheitskampfes nur auf […] "Poetik der Beziehungen", auf den Austausch und die schöpferische Wechselwirkung von Kulturen. In einem sehr schönen Bilder- und Gedankenfluss verknüpft der Film Motive von Louverture und Glissant mit Haitis kulturellem Erbe und den aktuellen Diskursen des Postkolonialismus. Unablässig arbeitet das Ensemble an der Übersetzung der Sprache, der Ideen, der Bilder: Sie rappen, streifen über die Strände und […] Von Thekla Dannenberg

Ein Pakt mit dem Marquis

Mord und Ratschlag 06.01.2020 […] christlichen Gott noch an die Geister des Voodoo glaubt, der Spiritualität für Charakterschwäche hält und sich immer gegen die kolonialistische Erzählung sperrte, Haiti hätte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, als hätten sich Haitis Sklaven nicht aus eigener Kraft befreit: "Der Teufel wäre nicht ausreichend gewesen. Es mussten die Umstände sein." Die Vernunft ist in diesem Roman maskulin und schnell […] Kettly Mars gehört zu den beliebtesten Schriftstellerinnen Haitis, die in ihren Romanen manchmal etwas unsubtil, aber einnehmend von Diktatur, Ausbeutung oder den Folgen des Erdbebens erzählt. Während allerdings ihr Landsmann Gary Victor in seinen Krimis den Voodoo in Maßen einsetzt, lässt Mars alle Leinen los. Ihre Geschichte verbindet Haitis Geschichte, den Glaube an Dämonen und Voodoo, sie strotzt […] einträgliche Stellung gesichert. Ein sorgenfreies Leben ist ihr dennoch nicht beschieden, wie ihre ältere Cousine Paula, genannt Couz, ihr eines Tages eröffnen muss: Ein Engel hadert mit der Familie. In Haiti weiß man, was ein solcher Fluch bedeutet, und auch Emmanuela kann die Zeichen deuten: Der Geruch von angesengten Haaren liegt in der Luft, Schatten ziehen über die Dächer, Silhouetten huschen über die […] Von Thekla Dannenberg

Das Verlangen nach Reinheit schafft Monster: Raoul Pecks "I Am Not Your Negro" (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2017 […] Raoul Peck ist in Haiti geboren und im Kongo aufgewachsen, sein Vater arbeitete für die UN und die Regierung in Kinshasa. Peck studierte in Paris und in Ost-Berlin, er war Kulturminister in Port-au-Prince, und er hat einige sehr engagierte Filme gedreht, von denen nicht alle so kraftvoll waren wie der über Patrice Lumumba, Kongos ermordete Unabhängigkeitsikone. Als Spross einer schwarzen Uppercl […] Von Thekla Dannenberg

Katastrophale Hilfe zeigt Raoul Peck in 'Assistance Mortelle' (Berlinale Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2013 […] politischer Ökonomie erteilt Raoul Peck mit seinem Film "Assistance Mortelle" über die internationale Hilfe für Haiti nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010, die keine Katastrophenhilfe war, sondern eine katastrophale Hilfe. Pecks Biografie ist sein filmisches Programm geworden: In Haiti geboren, in Zaire/Kongo aufgewachsen, hat er im Ost-Berlin der achtziger Jahre Wirtschaftswissenschaft studiert und […] geholfen werden müsste. Bill Clinton wurde Leiter der Wiederaufbauorganisation IHRC. Dies sei "die größte Chance, die Haiti je hatte", sagt Clinton und der Satz klingt einem den ganzen Film über wie Hohn in den Ohren. Denn elf Milliarden Dollar Hilfszusagen bedeuten nicht, dass Haiti elf Milliarden bekommt, ganz zu schweigen davon, dass die Haitianer das Geld bekommen, wie uns all die von Peck befragten […] internationale Gemeinschaft entspringt oder seiner eigenen Unfähigkeit. Denn darüber lässt Peck keinen Zweifel aufkommen, auch angesichts der verkorksten Wahlen ein Jahr nach dem Erdbeben: Am Unglück Haitis sind nicht nur die anderen Schuld. Doch sein Thema bleibt der NGO-Zirkus, den er mit dem Beispiel des Camps Corail deutlich macht, in dem nach anfänglichen Plänen 7.000 Menschen untergebracht werden […] Von Thekla Dannenberg