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Barbara Köhler

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Die Freiheit der Einzelnen

Tagtigall 12.01.2021 […] der Bergleute, einer Legende zufolge die Fähigkeit hatte, "in den Berg zu gehen", einfach geradewegs in den Fels hinein; auf die Kunst von Barbara Köhler übertragen bedeutete das: geradewegs in den Fels der Sprache, in das dort Verborgene hinein. Und Barbara Köhler tat dies mit dem blinden Vertrauen einer wahren Dichterin, die fest daran glaubt, dass der Berg der Sprache sich ihr tatsächlich auftun wird […] Namen sind uns aufgegeben. Wir werden mit ihnen gerufen. Verbinden uns vielleicht mit ihm. Ein Fluch? Eine Magie? Nachdem die Dichterin Barbara Köhler 2007 im schweizerischen Leuk den Spycher-Preis erhielt, schrieb sie: "Barbara zu heißen heißt ja, der Name bedeutet: die Fremde - eine, die anders spricht, die der Landessprache nicht mächtig ist, die Barbarin." Den eigenen Namen im Ohr hatte sie sich […] und Herrschaftsverhältnisse zwischen den Menschen, den Wörtern und den Geschlechtern. wir richten uns nach den Bildern: du mich und ich dich Die Sprache fließt. Der Sinn tritt über. Amerika Barbara Köhler, geb. 1959, wuchs heran im sächsischen Penig, nicht weit entfernt vom dortigen Stadtteil Amerika. Über Umwege kam sie in den 1980er Jahren als Studentin ans Ludwig-Becher-Institut in Leipzig. Der […] Von Marie Luise Knott

Hier dribbelt die Faktizität

Tagtigall 03.07.2020 […] Auftakt für vielfältigste "Korrespondenzen" - Dichterinnen und Dichter im Dialog mit Barbara Köhlers Werken. Herrliche Funde kann man dort machen: Etwa Anja Utlers Überlegungen zu Barbara Köhlers Text zu Albrecht Altdorfers "Laubwald des Heiligen Georg"(1510); oder Sonja vom Brockes "Kussolage" anlässlich Barbara Köhlers Dialog mit Meret Oppenheim. Gedruckt werden auch zwei Lobgesänge von Yoko Tawada, […] Buchstabenwaldes lauter Mayröckersprünge springt. Wie gut, dass nichts folgerichtig ist und auch wir keine Folge sind. III. In derselben Nummer der horen gibt es ein Dossier zu der Dichterin Barbara Köhler ("Korrespondenzen I"). Es beginnt mit einem von ihr verfassten Buchstabenquadrat, "Eckstein, sexy" betitelt. Darin heißt es: Das generische maskulinum ist ein versteck in der deutschen  grammatik […] die Sprache wusste es schon immer. Ein "Er" weiß schlicht, wer er ist. Mehr nicht. Eine "Sie" ist eine oder viele. Und in Bewegung. (Eins zwei drei vier Eckstein ... alles muss versteckt sein!) Barbara Köhler ist eine Großmeisterin in der Kunst der Sprachbefragung. Wieder und wieder dreht und wendet sie diese, nimmt die Wörter beim Wort und beim Buchstaben, bis ganz neue Dinge aufscheinen. An Antworten […] Von Marie Luise Knott