9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2025 - Kulturpolitik

In Hannover sollte unter dem Titel "collecting:dreams" ein "queeres postmigrantisches Festival" stattfinden, dessen städtische Förderung von 10.000 Euro wegen angeblich antiisraelischer Stimmen (mehr hier) gestrichen wurde, berichtet Nadine Conti in der taz. Verzichten müssen die Hannoveraner nun auf Veranstaltungen wie "Judged by the Cover - Religiöse Bekleidung, Diversität und Realitäten vs. dominante Diskurse in Medien, Journalismus und Gegenwartsliteratur".
Stichwörter: Gegenwartsliteratur

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2025 - Kulturpolitik

In der taz unterhält sich Andreas Fanizadeh mit Gesche Joost, Präsidentin des Goethe-Instituts, und Generalsekretär Johannes Ebert über die großen Linien der auswäritgen Kulturarbeit. Unter anderem erfährt man, dass das Institut in Russland noch tätig ist. Ebert sagt: "Wir sind in Moskau und Sankt Petersburg, eine Mitarbeiterin arbeitet weiterhin in Nowosibirsk. Ich habe gesagt, wir gehen erst, wenn man uns rauswirft. Wir können im Moment in Moskau und Sankt Petersburg die Bibliotheken offenhalten und haben Publikumsverkehr. Es gibt Sprachunterricht durch Partnerorganisationen und Workshops mit Kulturschaffenden... Aber wir machen uns keine Illusionen, wir sind natürlich unter genauer Beobachtung. Aktuell können wir dazu beitragen, dass der neue Eiserne Vorhang vielleicht zehn Zentimeter über dem Boden bleibt. Nicht viel, aber ich glaube, es ist sehr wichtig."
Stichwörter: Goethe Institut

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2025 - Kulturpolitik

FAZ-Redakteur Andreas Kilb stellt dem neuen Bundeskulturminister Wolfram Weimer (der natürlich eigentlich nur ein Staatssekretär ist) bisher nicht die beste Note aus. Er wirke "wie ein Sportkommentator, der noch nicht gemerkt hat, dass er jetzt selbst auf dem Spielfeld steht". Als Quereinsteiger sei er total von seinem Duzfreund Friedrich Merz abhängig. In manchem übernimmt er einfach Clauda Roths Entwürfe, etwa bei dem Gedenkstättenkonzept. Ein paar charakteristische Abweichungen gibt es aber immerhin: "Deutsche Kolonialverbrechen kommen in dem neuen Entwurf nicht mehr vor, stattdessen wird bürgerschaftliches Engagement bei der Entstehung von Gedenkstätten betont und belohnt. Und die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist wie befürchtet aus dem Ressort des Kulturstaatsministers herausgefallen, nur bleibt ihr neuer Dienstherr, das Bundesinnenministerium, in dem die Vertriebenenverbände über eine tonangebende Lobby verfügen, in Weimers Text bezeichnenderweise unerwähnt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2025 - Kulturpolitik

Seit Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach übernommen hat, ist das kulturelle Erbe des armenischen Karabachs zu einem "Phantom" geworden, schreibt der Kulturwissenschaftler Mikhail Ilchenko auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ. Das Problem ist: "Das Völkerrecht verfügt über keine wirksamen Instrumente zum Schutz des kulturellen Erbes nicht anerkannter Staaten. Bergkarabach wurde von der Weltgemeinschaft stets als Teils Aserbaidschans betrachtet, weshalb das karabachische Erbe rechtlich als Eigentum Aserbaidschans gilt. Normen, auf die man sich zum Schutz des dortigen armenischen Erbes berufen könnte, existieren faktisch nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2025 - Kulturpolitik

In der FR erinnert Thoralf Cleven daran, dass der Unternehmer Klaus-Michael Kühne, der Hamburg ein Opernhaus in der Hafencity schenken will, 1975 als Steuerflüchtling in die Schweiz gezogen war. Und dass die Firma nicht nur von "exklusiven Aufträgen" der Nazis profitiert hatte, sondern auch den jüdischen Miteigentümer Adolf Maass 1933 aus der Firma gedrängt hatte. Maass "wurde 1942 nach Theresienstadt und 1944 ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet". Auf die Schenkung verzichten will der Grünen-Kulturpolitiker René Gögge deshalb nicht, sagt er zu Cleven: "'Es ist für eine Gesellschaft wichtig, dass Unternehmen wie das von Kühne in gesellschaftsdienliche Zwecke investieren.' Von der Debatte über das brisante Kapitel Vergangenheits-Aufarbeitung könne sich Mäzen Kühne aber nicht freikaufen, sagt Gögge. Dies sei auch Vertragsbestandteil zwischen Stadt und Unternehmen sowie Stiftung."
Stichwörter: Kühne, Klaus-Michael

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.09.2025 - Kulturpolitik

Lars-Olav Beier und Ulrike Knöfel liefern im Spiegel ein ausführliches Porträt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer. So richtig zu greifen kriegen sie ihn nicht. Sie schildern ihn als Konservativen. Die Tatsache, dass er Linke so gefährlich findet wie Rechte, finden sie selbst gefährlich. Aber Weimer führt auch andere Kämpfe, etwa gegen die Digitalkonzerne, die er gern mit Abgaben belegen würde. Am Tag, als er die Journalisten empfing, sei er konsterniert gewesen: "Trump hatte jenen europäischen Ländern mit 'erheblichen zusätzlichen Zöllen' gedroht, die es wagen, Digitalgiganten wie Google oder Amazon Abgaben aufzuerlegen. Genau das aber hatte Weimer vor, und nun sieht es noch schlechter aus für seinen 'Plattform-Soli' - der eben ein solcher Abzug sein soll für Onlineplattformen, die Medieninhalte nutzen. Aufgeworfen war die Abgabe schon im Koalitionsvertrag, aber er hat den Vorschlag groß herausgebracht. Für den hatte er ausnahmsweise viel Zustimmung erhalten, sogar von den Grünen, aber wirklich gut standen die Chancen nie."
Stichwörter: Weimer, Wolfram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2025 - Kulturpolitik

In der NZZ ist Paul Jandl entsetzt: Der Zettelkatalog der Berliner Staatsbibliothek soll vernichtet werden - die Stadt vergesse "auf dem Weg in die Zukunft ihre Vergangenheit." "Diese ist auch in die scheinbar unscheinbaren Karteikarten des enormen Wissensspeichers namens Staatsbibliothek eingeschrieben und ist alles andere als ein Fall für die Müllentsorgung. Die heutige Berliner Bibliothek repräsentiert mit ihren Büchersammlungen einen Schnittpunkt zwischen der östlichen und der westlichen Hemisphäre, zwischen dem deutschen Westen und der DDR. Was in den durch die Systeme und die Mauer getrennten Nachbarländern an Büchern erworben und katalogisiert worden war, hat nach der Wende zusammengefunden. Die Spuren der Geschichte davor finden sich auf den Karteikarten. Es gibt darauf Notizen, Anhaltspunkte für die DDR-Zensur und die Herkunft mancher Bücher. Für die Provenienzforschung sind die originalen physischen Belege von grosser Bedeutung."
Stichwörter: Staatsbibliothek Berlin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2025 - Kulturpolitik

Kürzlich verkündete Wolfram Weimer die Abschaffung des Kulturpasses für deutsche Jugendliche (unser Resümee), weil das Budget dafür fehlt. In Frankreich gibt es ähnliche Probleme, berichtet Mark Zitzmann in der FAZ: "Endlich ist der Pass ein Fass mit leckgeschlagenem Boden. 2023 und 2024 lagen die Ausgaben um rund 15 Prozent über Budget, das sind jeweils 30 Millionen Euro. Angesichts der Kosten - 260 Millionen Euro im vergangenen Jahr - stellt sich die Frage, ob das viele Geld nicht gewinnbringender in die schulische Kunsterziehung investiert wäre. Diese ist schreiend unterdotiert: Sie verfügt über gerade einmal vier Zehntel der genannten Summe. Doch bis zur von vielen geforderten Abschaffung des (individuellen) "Pass culture" mag es noch dauern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2025 - Kulturpolitik

Die Museen in Russland machen sich mitschuldig am "kulturellen Vernichtungsfeldzug" in der Ukraine, konstatiert Hermann Parzinger in der FAZ: "In einem Interview vom Januar 2024 erklärte Michail Piotrowski (Direktor der Eremitage in Sankt Petersburg, Anm. des Perlentaucher) mit Blick auf die Museen in den von Russland besetzten Gebieten, dass man im Donbass dasselbe tun müsse wie in ganz Russland: Diese Gebiete seien Teil des russischen Raums, und die durch die Spezialoperation entstandene Situation erfordere auch nichtmilitärische Initiativen (...) Diese Haltung entlarvt die Zielrichtung russischer Kulturpolitik mit Blick auf die besetzten Gebiete in der Ukraine. Die russischen Museen sollen sich, man muss es so deutlich sagen, in den Dienst eines brutalen Angriffskriegs stellen." Unter anderem mit "skurrilen Propaganda-Ausstellungen". "So verbreitete der Titel einer Ausstellung in Jekaterinburg die überraschende Kunde, das auf der Krim liegende Kertsch sei die älteste Stadt Russlands. Welch krude Interpretation: Was hat Kertsch, das auf die griechische Gründung Pantikapaion zurückgeht und danach Hauptstadt des Bosporanischen Reiches war (etwa 5. Jahrhundert vor bis 5. Jahrhundert nach Christus), mit dem modernen Russland zu tun?"
Stichwörter: Ukrainekrieg, Russland

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2025 - Kulturpolitik

Auf den taz-Nord-Seiten berichtet Harff-Peter Schönherr, dass das Jüdische Kulturfestival Osnabrück den zu einer Lesung geladenen niederländisch-jüdischen Schriftsteller Leon de Winter wieder auslud, weil er ebendort Anfang Mai einen AfD-Tweet zur Migrationspolitik unterstützte und schrieb: "'Auch ich bin überzeugt, dass die Migrationspolitik gescheitert ist, auch ich sehe, dass zu viele Migranten in Europa aus rückständigen Kulturen kommen, in denen Frauen Männern untergeordnet sind und Juden gehasst werden.' (...) De Winters Positionen stünden 'in deutlichem Gegensatz zu den Grundwerten der Jüdischen Gemeinde und dem, was wir mit unserem Festival erreichen wollen', sagt Michael Grünberg, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und Mitinitiator des Festivals." Winter schrieb daraufhin in seiner Kolumne: "Nun sei er 'in Osnabrück tabu' … Dann gießt er weiteres Öl ins Feuer: 'Ich meine, dass Europa Männern bis 55 Jahren kein Asyl gewähren sollte." Die Jüdische Gemeinde Osnabrück will sich indes gegenüber der taz nicht äußern.

Der Kulturpass für Jugendliche wird abgeschafft, berichten Harald Hordych und Vivien Timmler in der SZ. Nach einer Einschätzung des Bundesrechnungshof sieht Kulturminister Wolfram Weimer keine "verfassungsrechtliche Finanzierungskompetenz" für den Pass. Genutzt wurde das Angebot allerdings durchaus: "Laut Bundesrechnungshof haben zum Stichtag am 31. Dezember 2024 rund 496 000 Personen der Jahrgänge 2005 und 2006 ihr 'Kulturpass-Budget' freigeschaltet. 'Die Heranwachsenden reservierten bis Ende Juni 2025 mehr als 2,9 Millionen kulturelle Angebote in einem Gesamtwert von 56 Millionen Euro." Bei 1,5 Millionen Nutzungsberechtigten beider Jahrgänge hat immerhin jeder Dritte die Gabe dankend angenommen.'"