Björn Hayer
beugt sich in der
FR über die Passagen, die im neuen
Koalitionsvertrag der Kulturpolitik vorbehalten sind. "Inklusiv, vielfältig und antirassistisch" will man auftreten, die Kulturpolitik soll alles richten, aber statt konkreter Pläne, etwa zur weiteren Unterstützung von Bibliotheken oder der Künstlersozialkasse, zur Zukunft der Theater oder zum Umgang mit Rechten, KI und Urheberrecht, scheint man die Finanzierung zunehmend auf nicht-staatliche Geldgeber schieben zu wollen, bemerkt er enttäuscht: "'Kultur-Sponsoring, Mäzenatentum, private Stiftungen und Wirtschaftskooperationen können mehr Kultur ermöglichen.' (…) Man vernimmt nicht nur den Ruf nach einer deutlicheren Orientierung der Kultur an der
Privatwirtschaft, die den Rückzug des Staates bitteschön ausgleichen soll. Vielmehr wirkt es so, als hätten nicht Kultur-, sondern Wirtschaftspolitiker und -politikerinnen die entsprechenden Passagen verfasst." Ähnlich sieht es Jürgen Kaube in der
FAZ. Die Passagen über Kunst seien offenbar von Leuten verfasst worden, die "sich vor allem mit Popmusik und Klubs auskennen, oder mit
Stadtteilfesten".
Leicht skeptisch
reagiert Harry Nutt in der
FR auf die Meldung,
Joe Chialo solle Kulturminister werden, wie Axel Brüggemann gestern in seinem Blog schrieb (
unser Resümee): "Man darf gespannt sein, ob es Chialo gelingt, vom jovialen Modus des Geldverteilens, mit dem sich das BKM seit 1999 einen soliden Ruf erworben hat, umzuschalten auf eine
Kultur der Verteidigung und Bewahrung. Ein
heraufziehender Kulturkampf von rechts fordert insbesondere die Kulturinstitutionen in Ländern und Kommunen heraus, und die Provokationen eines partikularen
Polit-Aktivismus haben die Vertreter kulturpolitischer Einrichtungen im Wirrwarr aus Absagen und vorauseilender Ausladungen vielfach schlecht aussehen lassen."