Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446282223 Gebunden, 216 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Wie totalitäre Herrschaft in den Alltag dringt. Noah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah erlebt einen Sommer voller Umbrüche: Für seinen Vater muss er Frauenkörper auf Produktfotos schwärzen, sein älterer Bruder steigt zum Leiter einer Sicherheitsbehörde auf, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus - und bald schon steht das Leben seiner Tauben auf dem Spiel. Mit großer Zartheit und feinem Humor erzählt "Der letzte Sommer der Tauben" vom Verlust der Kindheit und vom Erwachsensein in einer von Willkür und Gewalt bestimmten Gesellschaft.
"Wie eine Flaschenpost", kommt Kritiker Dirk Knipphals dieser so berührende wie inhaltlich schockierende Roman von Abbas Khider vor. In einem nicht definierten Land, das Knipphals aber als Afghanistan liest, kommen Gotteskrieger an die Macht. Ein 14-jähriger Junge schildert in einem laut Kritiker schlichten, aber dadurch sehr überzeugenden Ton seinen Alltag, in dem die Gewalt der Mudschaheddin immer spürbarer wird und sie letztlich sogar das Taubenzüchten verbieten, das ihm so viel Freude macht. Khider verzichtet weitgehend auf poetische Ausschmückungen und gerade das erzeugt für den Rezensenten eine starke Sogwirkung.
Für große Literatur hält Rezensent Carsten Hueck den neuen schmalen Roman von Abbas Khider, der ihn in einen nicht konkret benannten Ort in Afghanistan führt. Erzählt wird aus der Perspektive des knapp 15-jährigen Noah, der sich an der Taubenzucht festhält, während das Kalifat die Freiheit der Bürger immer weiter einschränkt. Taubenzucht dient in Ländern des Nahen und des Mittleren Ostens der Entspannung, klärt Hueck auf. Vor allem bewundert der Kritiker die Sprache, einfach, nüchtern, mit leisem Humor statt Pathos, mit der Khider seinen Protagonisten die Verhältnisse mit jugendlicher Naivität beschreiben lässt: Wir erfahren, wie klassische Musik in Restaurants religiösen Gesängen weichen muss oder Frauenhaare, Gesichter und Haut von den Verkäufern mit schwarzem Edding übermalt werden müssen. Und doch schimmern immer wieder Momente von Vertrauen, Liebe, Schönheit und Freude durch, verrät der angetane Kritiker.
"Was für eine Geschichte", mit diesen Worten beschließt Rezensent Marko Martin seine kurze, aber eindringliche Lobrede auf Abbas Khider und dessen neues Buch. In "Der letzte Sommer" erzählt der im Irak geborene Autor mit beeindruckender Präzision und Anschaulichkeit vom Aufwachsen des 16-jährigen Noah unter den Mudschahedin, von einem Alltag also, der von Gewalt und Unterdrückung geprägt ist, und in dem es dem Protagonisten nur knapp - dank seiner Familie und seiner geliebten Tauben - gelingt, nicht zu zerbrechen. Bemerkenswert findet Martin vor allem, wie wenig Khider braucht, um Stimmungen zu transportieren, soziale und psychologische Dynamiken veranschaulichen, und wie es ihm gelingt, eigene existenzielle Erlebnisse als universelle Erfahrungen zu vermitteln, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu abstrahieren. Prägnanz, Sinnlichkeit und Schlichtheit machen diesen Roman aus, so der bewegte Rezensent. Und "was für ein Roman" das ist, schießt er.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…