Die seltsame Alte taucht immer urplötzlich zu Besuch auf. Sie kommt ins Zimmer, setzt sich und beginnt mit ihren Fragen. Fragen nach dem Leben eines Kindes, dem sie gegenüber sitzt. Dann holt sie bunte Fäden hervor und beginnt mit dem Kind zu spielen - Fadenspiele. Die Fäden, die sich zwischen den beiden schlingen, sind komplizierte Hebefiguren, deren Auflösung sie beide oftmals nicht gleich wissen - so sind sie gezwungen, eine Weile dazusitzen, verbunden durch die Fäden und einander sehr nahe zu sein. Verwoben durch Fäden, Worte und Zeit vergeht der Nachmittag. Ebenso plötzlich wie sie gekommen ist, bricht die seltsame Alte dann wieder auf - bis zum nächsten Mal sagt sie, bevor sie die Tür schließt.
Ein ebenso "feinsinniges wie humorvolles" Bilderbuch hat Rezensent Bruno Blume hier in Händen gehalten. Wie ein Kammerspiel kommt es mit sparsamsten Mittel aus: eine alte Frau , ein junges Mädchen und ein Fingerfadenspiel. Adelheid Dahimene und die Illustratorin Heide Stöllinger setzen die beiden gegenüber und lassen sie sich in Spiel und Dialog auf eine Art näherkommen, die den Rezensenten sehr berührt hat. Auch die "Vision" des Buches teilt Blume: Dass sich das vielbeschworene "Weltwissen" nicht auf "Wissen, Können, Durchsetzungsfähigkeit" beschränken darf, sondern sich auch auf das Miteinander richten sollte.
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