"Die Menschen können sich heute eher ein Ende der Welt als ein Ende des Kapitalismus vorstellen", lautet ein oft zitierter Befund. Alexandra Schauer geht dieser spätmodernen Malaise in ihrem überaus materialreichen Buch auf den Grund. In drei historischen Rekonstruktionsbewegungen zeigt sie am Wandel der Zeiterfahrung, der Öffentlichkeit und der Stadt, wie es kam, dass die Welt als Ort wechselseitiger Verständigung und gemeinsamen Handelns an Bedeutung und die für die politische Moderne einst so zentrale Idee der Gestaltbarkeit von Gesellschaft an Strahlkraft eingebüßt hat. Das hat schwerwiegende Konsequenzen für das vergesellschaftete Individuum der Gegenwart, das sich in der von ihm hervorgebrachten Wirklichkeit nicht mehr aus- und wiedererkennt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2023
Rezensent Michael Mönninger hält das Buch der Soziologin Alexandra Schauer für allzu "defizitorientiert". Das Jammertal der "Augenblicksorientierung" ohne Vergangenheit und Zukunft, in dem sich der Mensch nur noch von einem Insta-Moment zum nächsten hangelt, wie es die Autorin mit Koselleck und Blumenberg beschreibt und kritisiert, scheint Mönninger nicht zu kennen. Die Nostalgie der Autorin, wenn sie auf eine Zeit zurückblickt, in der es noch öffentliche Uhren gab, teilt Mönninger nicht. Alltagsfern findet er auch Schauers "alarmistischen" Blick auf die Weltwirtschaft, der Erfolge im Kampf gegen Sterblichkeit und Hunger ausblendet, wie Mönninger meint.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…