Die Verkrempelung der Welt
Zum Stand der Dinge (des Alltags)

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518030028
Kartoniert, 185 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Warum es gar nicht so leicht ist, den Planeten gesundzukonsumieren"Knebel" nennt man die drehbaren Elemente an Küchenherden, mit denen sich bequem die Temperatur regulieren lässt. Wer heute einen Induktionsherd kauft, verbiegt sich freilich bald die Finger auf widerspenstigen Touchflächen. Solche Dinge, die in gewissen Hinsichten schlechter sind, als sie einmal waren oder sein könnten, nennt Gabriel Yoran "Krempel". Warum existieren sie überhaupt? Würde man sich die Weiterentwicklung von Produkten nicht als linearen Fortschritt vorstellen? Warenkritik gilt wahlweise als angestaubter Antikapitalismus oder Ausdruck reaktionärer Nostalgie. Gleichzeitig sollen wir mit unseren Kaufentscheidungen das Klima retten oder zu besseren Arbeitsbedingungen im globalen Süden beitragen. In dieser Lage fragt Yoran, ausgehend von Brauseschläuchen und Kaffeevollautomaten, nach den Ursachen der Verkrempelung. Und er wagt sich an den oft tabuisierten Versuch, über Kriterien für die Legitimität von Bedürfnissen nachzudenken.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.07.2025
Gabriel Yoran schreibt gegen all das an, was Rezensentin Sylvia Staude als "zunehmend nervende Zumutungen des Alltags" erkennt: piepsende Waschmaschinen, kryptische Bedienfelder, ständig ploppende Push-Nachrichten. Ausgehend von Alltagsbeobachtungen wie dem "Befassungsbedürfnis der Dinge" entwickelt Yoran eine fundierte Kritik an einer Konsumwelt, in der Produkte oft schneller kaputtgehen, als man sie verstehen kann, erfahren wir. Dabei geht es nicht nur um Komfortverlust, sondern auch um Nachhaltigkeit: Warum, fragt Yoran, gibt es trotz wachsendem Bedürfnis kaum langlebige, reparierbare Produkte? Der Ton, lobt die Kritikerin, ist klar, der Blick scharf, die Analyse vielschichtig - von kapitalistischen Marktanreizen bis zum ökologischen Fußabdruck. Ein Buch, so Staude, das zugleich nervtötende Gegenwartsdiagnose und leidenschaftlicher Appell ist, "über unsere Kriterien neu nachzudenken". Lesenswert - besonders für alle, die Dinge bedienen müssen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2025
"Konsum ist ein sadomasochistisches Unterfangen", konstatiert Rezensent Paul Jandl nach der Lektüre von Gabriel Yorans Buch, das nahelegt, dass wir uns in einem Zustand konstanter "Verkrempelung" befinden. Er führt ein in die Konsumpsychologie, deren Motto derzeit wohl ist, die Konsumenten in einen Verwirrungs- und Ablenkungszustand zu bringen, in dem sie bereit sind, Gerätschaften zu erwerben, die ihre Aufmerksamkeit bündeln und dann recht bald wieder kaputtgehen, lernen wir. Eine Absurdität nach der anderen zählt Yoran auf, von überteuerten Kaffeemaschinen mit "Barista"-Funktion bis hin zu Waschmaschinen, die bei Ende des Waschgangs Schuberts "Forelle" piepen: Trotz dieser düsteren Ausgangslage ist Yorans Stil witzig, lebendig und Jandl liest ihn gerne und mit Gewinn: Er deckt nämlich beispielsweise auch den Mythos auf, Konsumentscheidungen wären individuell, dabei sie sind in hohem Maße von gesellschaftlichem Druck geprägt. Dieses Buch aber ist "wirklich alles andere als Krempel", hält der zufriedene Kritiker fest.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2025
Rezensent Bernhard Heckler zeigt sich begeistert von Gabriel Yorans so wütender wie bitterkomischer Bestandsaufnahme unserer Konsumwelt. In seinem Essay nimmt Yoran mit sprachlicher Brillanz und "gekränktem Idealismus" all die Produkte auseinander, die versprechen, das Leben zu erleichtern - es aber nur komplizierter machen. Ob "entwürdigende Körperpflegechoreografien" durch moderne Duschköpfe oder der EQ900-Kaffeevollautomat, der per App Latte Macchiato zubereitet - sofern jemand vorher eine Tasse unterstellt: Alles wird entlarvt als Blendwerk des Marktes, erkennt der Kritiker. Yoran deckt auf, dass nicht die Nutzer zu dumm sind, sondern die Produkte schlicht schlecht. In bester Tradition der Kritischen Theorie bietet der Autor allerdings keine Lösungen, aber "Entlastung durch Kritik", meint Heckler. Selten nickt der Rezensent so zustimmend, wie bei der Lektüre dieses "Wunders von einem Buch".